Beitragserhöhung 2013 in der PKV: Richtig reagieren & sparen

- Verschiedene Faktoren sorgen Beitragserhöhung in der privaten Krankenversicherung
Der demographische Wandel und die steigenden Kosten im Gesundheitssystem zwingen viele private Krankenkassen am Ende des Jahres immer wieder zu Beitragserhöhungen. Manche privat Versicherte werden nahezu jedes Jahr mit Beitragsanpassungen konfrontiert.
Betroffene haben verschiedene Handlungsoptionen (Infografik), um den steigenden Beiträgen zu entgehen. Denn nicht alle Unternehmen und Tarife sind gleich stark von den PKV-Beitragsanpassungen betroffen. In vielen Fällen gibt es sogar Beitragssenkungen für einige Policen. Das können Versicherte nutzen, deren Beiträge steigen. Allerdings: Je nach Alter und Tarif sind unterschiedliche Gegenmaßnahmen sinnvoll. Wir zeigen Ihnen einige Optionen.
Info-Video: Hintergründe und Auswege bei steigenden Beiträgen
Was tun gegen steigende Beiträge: 5 Handlungsoptionen
1. Den Anbieter wechseln
Erhöht die private Krankenversicherung jährlich spürbar die Beiträge erscheint der Wechsel zu einem anderen Unternehmen sinnvoll. Jedoch lohnt sich solch ein Wechsel meist nur für Personen, die erst wenige Jahre privat versichert sind. Hauptgründe:
- Inzwischen aufgetretene Krankheiten können zu Risikoaufschlägen oder Leistungsausschlüssen führen.
- Die angesparten Altersrückstellungen fürs Alter können nicht vollständig mitgenommen werden, wodurch höhere Beiträge entstehen.
2. Zu einem Tarif beim eigenen Unternehmen wechseln
Der Wechsel zu einem anderen Tarif des eigenen Anbieters ist in vielen Fällen lohnenswert. Vor allem weil die Altersrückstellung vollständig übertragen werden kann. Viele Versicherer bringen von Zeit zu Zeit neue Tarife auf den Markt, die attraktive Konditionen bieten.
Hinweis: Das Wechselrecht innerhalb der eigenen Versicherung gilt nur für “gleichartige Tarife”. Bei Tarifen, deren Leistungsumfang über dem bisherigen liegt, kann die Versicherung den Wechsel ablehnen. Es besteht aber die Möglichkeit Mehrleistungen vertraglich auszuschließen oder eine erneute Gesundheitsprüfung nur für die Mehrleistung abzulegen.
Wer zu einem anderen privaten Versicherer oder intern zu einem anderen Tarif wechseln möchte, sollte nicht nur die Beiträge vergleichen, sondern auch die Leistungen sowie die Entwicklungen der Beiträge im Laufe der Jahre im Blick haben.
Optionen mit kurzfristiger Ersparnis bei Leistungsnachteilen
Folgende Optionen bringen zwar eine kurzfristige Ersparnis, sind aber mit deutlichen Nachteilen bei der Versorgung verbunden. Selbst wenn Versicherungen oder Makler diese Schritte empfehlen, sollten Versicherte besonders genau abwägen. Oft sind diese Möglichkeiten später mit höheren Kosten im Krankheitsfall verbunden.
3. Selbstbehalt erhöhen
Durch die Erhöhung des Sebstbehalts sinken die Kosten zur privaten Krankenversicherung mitunter erheblich - In manchen Fällen sogar so stark, dass Versicherte auch dann weniger zahlen, wenn Behandlungs- und Arzneikosten laut Tarif selbst zu zahlen sind. Die Beitragsersparnis lässt sich folgendermaßen berechnen:
Effektive Ersparnis = alter Monatsbeitrag - neuer Monatsbeitrag - 1/12 des jährlichen Selbstbehalts
Vor allem für Selbstständige in der Privatkasse lohnt diese Option. Angestellte hingegen teilen sich den Beitrag mit dem Arbeitgeber, nicht aber den Selbstbehalt. Versicherte sollten diesen Schritt aber nur wählen, wenn sie finanziell in der Lage sind, den vollen Selbstbehalt im Ernstfall wirklich zu zahlen. Später den Eigenbeitrag wieder zu reduzieren ist nur selten möglich.
4. Leistungen senken
Der Verzicht auf Leistungen kann einige Ersparnisse bewirken. Ein Beispiel: Bereits die Umstellung vom Ein- aufs Zweibettzimmer bei Krankenhausaufenthalten kann bis zu 30 Euro Ersparnis monatlich erzielen. Wer ganz auf Sonderbehandlungen im Krankenhaus vezichtet, kann sogar noch einiges mehr einsparen. Wie bei der Reduzierung des Selbstbehaltes gilt aber auch hier: Wägen Sie gut ab, bevor Sie bestimmte Risiken aus Ihrem Leistungskatalog streichen! Denn Kosten für einmal reduzierte Leistungen müssen Sie im Ernstfall selbst tragen!
5. Wechsel zur GKV
Die Rückkehr in die gesetzliche Krankenkasse ist mit strengen Auflagen verbunden und kommt nur für Versicherte in Frage, deren Einkommen regelmäßig unter die Versicherungspflichtgrenze von 4.350,00 Euro monatlich fällt. Versicherte sollten sich bewusst darüber sein, dass auch die gesetzliche Krankenversicherung immer wieder von Beitragserhöhungen oder Leistungsreduzierungen betroffen ist. Für Über-55-Jährige ist dieser Schritt gänzlich versperrt. Hier lohnt eher ein Tarifwechsel innerhalb der der Gesellschaft.
Eine Kündigung der privaten Krankenversicherung ohne anschließenden Krankenversicherungsschutz ist in Deutschland seit 2009 nicht mehr möglich. Seither gilt die gesetzliche Krankenversicherungspflicht für alle Versicherten.
Liste der Beitragsanpassung (BAP) & Beitragsgarantien 2013
Beitragsanpassungen finden in regelmäßigen Abständen statt. In einigen Tarifen gibt es Beitragserhöhungen, andere Tarife werden dagegen günstiger. Folgende Tabelle zeigt die Anpassungen für 2013 in der privaten Vollversicherung (Tarife für Angestellte bzw. PKV für Selbständige & Freiberufler).
Gleichzeitig sprechen viele Unternehmen Beitragsgarantien für die nächsten Jahre aus. Allerdings gelten diese nur für ganz bestimmte Tarife des jeweiligen Unternehmens. Deshalb gibt es in anderen Tarifen derselben Gesellschaft parallel auch Beitragsanpassungen.
| Anbieter* | max. Erhöhung (%) | max. Senkung (%) | BAP gültig ab | max. Garantie |
|---|---|---|---|---|
| Allianz | +12 (AktiMed Plus 90P) | -9 (AktiMed Plus 90P) | 01.01.2013 | 31.12.2013 |
| Axa | +39 (Vision1-4500) | k.A. | 01.01.2013 | 31.12.2013 |
| Barmenia | +22 (VCH 2F) | -11 (VS 300) | 01.01.2013 | 31.12.2013 |
| Central | k.A. | k.A. | 01.01.2013 | 31.12.2013 |
| DKV | k.A. | k.A. | 01.01.2013 | 31.12.2014 |
| Hallesche | +52 (NK4) | -10 (AV 1) | 01.01.2013 | 31.12.2013 |
| HanseMerkur | +12 (KV2) | k.A. | 01.01.2013 | 31.12.2013 |
| UKV | k.A. | k.A. | 01.01.2013 | 31.12.2013 |
| Deutscher Ring | +11 (Classic+) | -5 (Profi S) | 01.01.2013 | 31.12.2013 |
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Quelle: BAP-Guide der Gewa-Comp GmbH. Alle Angaben gelten über alle Tarifgruppen nach Geschlecht und Alter der Versicherten im Neugeschäft. | ||||
* Auswahl der besonders häufig betroffenen und durch Versicherte nachgefragte Gesellschaften. Der Redaktion liegen die Daten für 15 Gesellschaften vor.
Kostenanpassungen für weitere Berufsgruppen (2013)
In speziellen Tarifen für Mediziner sowie für Beihilfeberechtigte (Beamte) gibt es gesonderte Beitragsanpassungen.
| Anbieter | Ärzte (Human- & Zahnmediziner) | Beamte (inkl. Anwärter) | ||
|---|---|---|---|---|
| max. Erhöhung (%) | max. Senkung (%) | max. Erhöhung (%) | max. Senkung (%) | |
| Allianz | +17 (Tarif 780) | -7 (Tarif 780) | k.A. | k.A. |
| Axa | k.A. | k.A. | +35 (BW2 15-NA) | -30 (BN3/1 15-N)* |
| Barmenia | +36 (VZK 1D) | -11 (VZD 2) | +19 (VS 320) | -24 (VEN)* |
| Hallesche | +28 (PRIMO M SB 3) | -12 (ZVE 2) | k.A. | k.A. |
| Deutscher Ring | k.A. | k.A. | +18 (BP 70) | -2 (BD 20)* |
| Signal | k.A. | k.A. | +11 (R-KOMFORT-B 100) | -7 (R-KOMFORT-B-W 100)* |
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Quelle: BAP-Guide der Gewa-Comp GmbH. Alle Angaben gelten über alle Tarifgruppen nach Geschlecht und Alter der Versicherten im Neugeschäft. | ||||
*Tendenzielle Entwicklung
Central besonders von Beitragsanpassungen betroffen
Die Kunden der Central hatten erst zu Beginn des Jahres 2012 besonders massive Beitragssteigerungen zu verkraften. Stärkste Veränderungen waren in den Vollkostentarifen mit bis zu 40 Prozent zu verzeichnen. In einigen Zusatzversicherungen stiegen die Beiträge sogar um bis zu 50 Prozent. Allerdings gab es auch Beitragssenkungen, z.B. in der Krankentagegeldversicherung (bis zu 75%) oder in einigen Beamtentarifen (bis zu 10%).
Versteckte Kostensteigerungen 2013
Offiziell sind kaum Informationen über eine Beitragserhöhung der Central für 2013 bekannt. Erwartet wird aber, dass das Unternehmen auch zum Januar 2013 einige Beiträge anhebt. Ende November/Anfang Dezember könnten die Betroffenen entsprechende Mitteilungen der Versicherung erhalten. In der Branche sind Fälle über versteckte Beitragsanpassungen bekannt geworden. Demnach werden "reale" Beitragserhöhungen kombiniert mit der Erhöhung des Selbstbehaltes und einer Beitragserstattung. Letztere ist jedoch befristet und sorgt nach der Frist nochmals für steigende Beiträge. Nimmt man diese 3 Faktoren zusammen, ergeben sich Steigerungsraten von rund 30 Prozent für 2013.
Beitragsentwicklungen für weitere Anbieter im Detail
Allianz Krankenversicherung
Die letzte Beitragsanpassung der Allianz fand zum September 2012 in einigen Beihilfetarifen statt, teilweise mit Beitragssenkungen von bis zu 8 Prozent. Im Kurtarif 591 werden sogar Beitragsreduzierungen von bis zu 10 Prozent in allen Altersgruppen gewährt.
Aktuell hat die Allianz für einige Tarife der Reihe AktiMed (Angestellte & Selbständige) und für bestimmte Medizinertarife Beitragsgarantien bis 31.12.2013 ausgesprochen. Für die meisten PKV-Gruppentarife für Ärzte gelten somit bis Jahresende stabile Beiträge. Hierzu gehören z.B. die Tarife 76x und 2810 (Neugeschäft).
Axa
Die Axa Krankenversicherung hat zuletzt zum Beginn des Jahres 2013 viele Tarife angepasst. Neben verschiedenen Ankündigungen, die sich auf Beitragsgarantien bis Jahresende beziehen (in den Vollversicherungstarifen EL-N, Vital600-N und ZPRO-N für Neukunden unter den Angestellten, Selbstständigen und Freiberuflern), sind aber auch Beitragserhöhungen der Axa für 2013 zu erwarten.
Die Beitragstendenzen zum 01.04.2013 umfassen noch unbezifferte Erhöhungen in verschiedenen Tarifreihen der Vollversicherung. Mit Blick auf Angestellte, Selbstständige und Freiberufler gehören Tarife der Reihen ECO 2600, ECO 5200 und ECORA 1300 (jeweils für Bestandskunden) dazu.
Für Human- und Zahnmediziner werden sich Beiträge tendenziell in folgenden Tarifen der Vollversicherung erhöhen (Beispiele): PRAXmed-N, VA 100/2 und ZB25-N (jeweils im Bestand).
Barmenia
Die Barmenia kann in den meisten Vollversicherungstarifen und in Spezialtarifen für Mediziner Beitragsgarantien bis Ende 2013 aussprechen. Für Beihilfepolicen gibt es sowohl Beitragsgarantien als auch Beitragserhöhungen oder - senkungen der Barmenia. Das betrifft zum Beispiel die GKV-Ergänzungsversicherungen. Dort sinken die Beiträge in bestimmten Tarifen für bestimmte Versicherte um bis zu 42 Prozent, können aber auch je nach Tarif um bis zu 43 Prozent ansteigen.
Deutsche Krankenversicherung - DKV
Als eine der wenigen privaten Krankenkassen gibt die DKV eine Beitragsgarantie bis zum Frühjahr 2014. Dies trifft z.B. auf einige Optionen der Vollkostentarife GST, K2B und SW1 (Angestellte, Selbstständige und Freiberufler), aber auch auf Beamtentarife wie SB2 zu (jeweils Bestand als auch Neukunden).
Vorangegangen waren starke Beitragsanpassungen bei der DKV. Auch 2013 hat es diese bereits wieder geben. Zum 1. April erfolgten Erhöhungen von durchschnittlich 4,5 Prozentpunkten bzw. vereinzelt bis maximal 25 Prozent.
Krankentagegeld und GKV-Ergänzungen für Neukunden kosten seit Jahresbeginn 2013 mehr. Neukunden zahlen beispielsweise im Tarif KombiMed KGZ1 bis zu 39 Prozent mehr.
Hallesche
Die Hallesche private Krankenversicherung hat zum 01.01.2013 unter anderem im Vollversicherungstarif (Angestellte, Selbständige, Freiberufler) "KS Bonus" folgende Beitragsanpassungen vorgenommen: Männer ab 17 Jahren müssen mit einer 7-prozentigen Beitragserhöhung durch die Hallesche rechnen, Frauen können sich über eine 1-prozentige Korrektur nach unten freuen (Beitragsvorabinformationen). Im Tarif AV 1 sinkt der Beitrag für Kinder ab 7 Jahren um 10 Prozentpunkte.
Weitere Beispiele für Beitragserhöhungen spiegeln sich z.B. in dem Tarif CG 2 der Krankenvollversicherung für Männer sowie im Tarif CSR 100 bei Frauen wieder. Die Beitragssteigerungen in diesen Tarifen umfassen hier maximal 5 respektive maximal 30 Prozentpunkte. Im Neugeschäft Tarif NK4 steigt der Beitrag für Männer ab 17 Jahren um 52 Prozent, für Frauen ab 17 Jahren um 63 Prozent.
Die Beiträge für Bestandskunden steigen im Durchschnitt um 6,5 Prozent. Massive Änderungen bei den Selbstbeteiligungen sieht die Hallesche aktuell nicht vor.
Über Beitragsgarantien wie bei anderen Versicherungen ist bislang nichts bekannt. Ab 01.05.2013 sollen weitere Beitragserhöhungen, konkret um durchschnittlich 2,2 Prozentpunkte, erfolgen.
HanseMerkur
Die HanseMerkur gibt bis zum 31.12.2013 verschiedene Beitragsgarantien für Neu- und Bestandskunden. Dies trifft unter anderem auf folgende Vollversicherungstarife (Angestellte, Selbständige, Freiberufler) zu: clinic A und U, KV1 und 4, KVE3, PS1 und 2 sowie VKE. Darüber hinaus liegen Informationen über Beitragsanpassungen der HanseMerkur für beispielsweise die Tarife KV2 und KV3 (Neukundengeschäft) vor.
Union Krankenversicherung - UKV
Die UKV bietet ihren vollversicherten Angestellten, Selbständigen und Freiberuflern in den Tarifen GesundheitCOMFORT 1200 sowie GesundheitCOMFORT 300 und GesundheitCOMFORT 900 Beitragsgarantien bis zum 31.12.2013. Zum 01.05.2013 wird die UKV die Beiträge um durchschnittlich 3,4 Prozentpunkte nach oben korrigieren. Weitere Daten über potenzielle Beitragserhöhungen der UKV stehen aktuell nicht zur Verfügung.
Deutscher Ring
Versicherte des PKV-Unternehmens Deutscher Ring erhalten im Bereich der Krankentagegeldversicherung (KT) in verschiedenen Tarifen Beitragsgarantien bis 31.12.2013. Hierzu gehören folgende Tarife für Bestandskunden für Männer in den Altersklassen ab 32, ab 44 und ab 54 Jahren: pro 008 (Selbständige), pro 008 v (Freiberufler), pro 015 (Selbständige), pro 015 v (Freiberufler), pro 022 (Selbständige), pro 022 v (Freiberufler) sowie pro 029 (Selbständige) und pro 029 v (Freiberufler).
Die Krankentagegeldversicherung ist jeweils an die Vollversicherung beim Deutschen Ring gebunden. Beitragserhöhungen des Anbieters Deutscher Ring für 2013 sind nur für das Neukundengeschäft bekannt. Unter anderem für die Tarife Classic und Classic+.
Signal Krankenversicherung
Die Signal Iduna Krankenversicherung hält für ihre Kunden Beitragsgarantien für viele verschiedene PKV-Tarife bis zum 31.12.2013 bereit. Im Neukundengeschäft sowie für Bestandskunden für vollversicherte Selbständige, Angestellte und Freiberufler bezieht sich dies beispielsweise auf die Tarifkombinationen von EXKLUSIV, KOMFORT und EXKLUSIV-PLUS. Auch in der Beihilfeversicherung gibt es zahlreiche Beitragsgarantien. Unter anderem für den Tarif AB20. Beitragsanpassungen seitens der Signal Krankenversicherung sind für Bestandskunden nicht bekannt. Für Neukunden können die Beiträge in bestimmten Tarifen um maximal 19 Prozent steigen.
Beitragsentwicklung der letzten Jahre
Wie das IGES-Institut ermittelt hat, sind die Beiträge für privat Versicherte von 1997 bis 2009 pro Kopf um etwa 55 Prozent gestiegen. Einen genauen, durchschnittlichen Wert für die Beitragsentwicklungen in der privaten Krankenversicherung zu erhalten ist jedoch sehr schwierig, da unterschiedliche Daten zu den jährlichen Beitragsanpassungen vorliegen. Folgende Statistiken pflegen die Versicherungsaufsicht Bafin und der PKV-Spitzenverband:
| Jahr | Beitragserhöhungen nach Bafin | Beitragserhöhungen laut PKV-Branche |
|---|---|---|
| 2010 | 7,27 Prozent | 3,73 Prozent |
| 2009 | 3,37 Prozent | 4,61 Prozent |
| 2008 | 3,93 Prozent | 6,72 Prozent |
| 2007 | 3,69 Prozent | 6,05 Prozent |
| 2006 | 4,92 Prozent | 3,13 Prozent |
| 2005 | 3,89 Prozent | 4,53 Prozent |
| 2004 | 7,50 Prozent | 4,79 Prozent |
| 2003 | 7,63 Prozent | 3,87 Prozent |
Quelle: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE
(Anfrage als PDF) – Drucksache 17/9227 – “Beitragssteigerungen bei privaten Krankenversicherungen"
Morgen&Morgen haben darüber hinaus folgende Daten über die Beitragserhöhungen in den letzten zehn Jahren erhoben:
Prozentuale Beitragserhöhung:
- Männer: 0,7% bis 12,4%
- Frauen: 0,5% bis 8,2%
Absolute Beitragserhöhung:
- Männer: 272 Euro bis 4.096 Euro
- Frauen:113 Euro bis 4.475 Euro
Quelle: Morgen&Morgen
Häufig gestellte Leser-Fragen (FAQ)
Wie und wann werde ich über eine Beitragsanpassung informiert?
Die private Krankenversicherung ist verpflichtet, den Kunden schriftlich über die geplante Beitragsanpassung zu informieren. Dies muss spätestens ein Monat vor der erstmaligen Fälligkeit des neuen Beitrags geschehen (VVG §40 Absatz 2).
Habe ich ein Sonderkündigungsrecht, wenn Beiträge erhöht werden?
Ja. Sobald Ihre Versicherung eine Beitragsanpassung ankündigt, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht und können den Tarifvertrag noch vor Ende der Vertragslaufzeit kündigen. Die Kündigung muss bis spätestens einen Tag vor Inkrafttreten des erhöhten Beitrags bei dem Versicherer eingegangen sein. Vorsicht: Für manche Tarife (z.B. das Krankengeld) gelten besondere Bedingungen.
Wann lohnt sich ein Tarifwechsel innerhalb Gesellschaft?
Ein Wechsel des Tarifs innerhalb einer privaten Krankenversicherung kann weitere Erhöhungen im bisherigen Alttarif vermeiden. Dieser Schritt lohnt insbesondere für langjährig privat Versicherte, deren Beitrag schon stark angestiegen ist. Erworbene Rechte und Altersrückstellungen können dann in den neuen Tarif transferiert werden.
Kann ich von der privaten zurück in eine gesetzliche Kasse wechseln?
Die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung ist schwierig, aber möglich. Die Voraussetzung ist, dass das Einkommen des Betroffenen wieder unter die PKV-Einkommensgrenze fällt oder er seinen beruflichen Status ändert, z.B. von der Selbstständigkeit zurück in ein Angestelltenverhältnis. Außerdem gilt die Altersgrenze von 55 Jahren.
Lohnt sich eine PKV überhaupt noch?
Fakt bleibt, dass die Belastung für Personen mit hohem Einkommen und für Selbständige in der GKV deutlich höher ist als in der privaten Krankenversicherung. In der gesetzlichen Vorsorge werden die Beiträge abhängig vom Einkommen berechnet, wodurch diese Berufsgruppen oftmals den Höchstbeitrag zahlen. In der PKV werden Beiträge hingegen individuell berechnet. Weiterhin bietet die PKV im Schnitt eine bessere Leistungsabdeckung und übernimmt Behandlungen, die im gesetzlichen Leistungskatalog nicht vorgesehen sind. Hinzu kommt, dass nicht nur in der PKV Beiträge anpasst werden. Auch die gesetzliche Krankenversicherung hat ihre Beiträge in den vergangenen Jahren stetig erhöht. Beide Systeme leiden unter den Auswirkungen des demographischen Wandels und den steigenden Kosten im Gesundheitssystem.
Ist eine rückwirkende Beitragserhöhung möglich?
Nein. In der privaten Krankenversicherung ist eine nachträgliche Beitragserhöhung oder Kürzung der Leistungen ausgeschlossen. In der gesetzlichen Krankenversicherung ist dies hingegen möglich (z.B. bei der Erhebung eines Zusatzbeitrags).
Kann die PKV die Beiträge jederzeit erhöhen?
Prinzipiell ja. Viele private Krankenversicherungen planen jedoch so, dass die Beiträge zum Anfang oder zur Mitte des Jahres angehoben werden. Die Beitragserhöhung darf nur durchgeführt werden, wenn diese zuvor durch einen unabhängigen Treuhänder für rechtens erklärt wurde.
Wie kann ich Widerspruch einlegen?
Wenden Sie sich am besten an den Ombudsmann der privaten Kranken- und Pflegeversicherung. Dieser zeigt Wege auf, wie bei einem Widerspruch gegen die Beitragsanpassung vorgegangen werden kann. Eine aktive Rolle übernimmt der Ombudsmann jedoch nicht. Eine außergerichtliche Überprüfung der Unterlagen ist nahezu unmöglich, da die benötigten Schriftstücke dem Geschäftsgeheimnis unterliegen. Dementsprechend kann eine Gutachten immer nur über den Rechtsweg erstritten werden.
Was ist eine Beitragsgarantie?
Mit sogenannten Beitragsgarantien machen bestimmte Versicherer das Versprechen, ihre Beiträge in einem festgelegten Zeitraum nicht zu erhöhen. Die Garantien gelten jedoch meist nur für bestimmte Tarife und einen relativ überschaubaren Zeitraum von rund einem Jahr.
Sorgen die Unisex-Tarife für “versteckte” Beitragserhöhungen?
Branchenkenner befürchten, dass einige Versicherer die Einführung der Unisex-Tarife nutzen könnten, um ihre Beiträge für alle Versicherten anzuheben. Für Männer wird die PKV mit Einführung der Unisex-Tarife de facto teurer. Frauen hingegen zahlen möglicherweise weniger. Experten glauben jedoch, dass sich die Beiträge für Unisex-Tarife künftig an dem bisher geltenden durchschnittlichen Beitrag für Frauen orientieren wird, was einer allgemeinen Beitragssteigerung gleich käme.

















