Wissenswertes und Hintergrundinformationen zur EHEC-Infektion

Im Mai 2011 erkrankten vermehrt Personen v.a. an blutigem Durchfall und dem sogenannten “hämolytisch-urämischen Syndrom”. Die Zahl der Infektionsopfer bezifferten die Gesundheitsbehörden auf knapp 2.500 Personen. Rund 35 unter ihnen starben an den Darmbakterien oder der Folgeerkrankung von EHEC. Die Ausbruchswelle zählt zu einer der weltweit größten bislang registrierten und zum größten EHEC-Ausbruch in Deutschland.

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Betroffene einer EHEC-Infektion leiden zunächst an Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie unter Umständen auch an wässrigem und blutigem Durchfall

Die EHEC-Epidemie brachte eine bis dahin unbekannte, schwere Verlaufsform eines hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) mit Durchfall ans Tageslicht. Beinahe alle betroffenen Personen lebten in Norddeutschland oder hielten sich dort zumindest zeitweise im April und Mai 2011 auf.

Sprossen als Hauptinfektionsquelle 2011

Info
Meldepflicht

Nach § 6 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) sind Infektionen mit EHEC meldepflichtig, sofern:

  • ein HUS-Syndrom vorliegt
  • mehr als zwei Personen erkrankt sind
  • der Erkrankte in einem Lebensmittel- oder Gaststättengewerbe tätig ist

Die bundesweite Meldepflicht besteht seit 1998. Zudem müssen Laborärzte jeden Nachweis eines EHEC-Stammes unverzüglich beim zuständigen Gesundheitsamt melden.

 

Die so genannten “Enterohämorrhagische Escherichia coli”, kurz EHEC, sind bestimmte krankheitsauslösende Stämme des Darmbakteriums Escherichia coli (E.coli). Der Erreger und die von ihm verursachten Infektionserkrankungen treten weltweit auf. Eine Ansteckung mit den gefährlichen Darmbakterien erfolgt in den meisten Fällen durch direkte oder indirekte Aufnahme von Fäkalspuren sowie durch rohes Fleisch und Rohmilch. Außerdem ist eine Übertragung von Mensch zu Mensch (Schmierinfektion) sowie eine Übertragung durch Mensch-Tier-Kontakte möglich.

In Bezug auf die EHEC-Epidemie 2011 wurde zunächst ein erhöhtes Krankheitsrisiko insbesondere durch die Aufnahme von Tomaten, Gurken und Salat angenommen. Eine Analyse der Vertriebswege hat jedoch ergeben, dass der Verzehr von Sprossen aus einem niedersächsischen Erzeugerbetrieb mit den EHEC/HUS- Fällen in Verbindung steht. Eine Infektion mit EHEC-Bakterien muss nicht immer mit Komplikationen einhergehen. Unter Umständen können sie auch ohne Symptome verlaufen. Die EHEC-Fälle des Jahres 2011 wiesen jedoch eine besondere Aggressivität in Bezug auf die EHEC-Symptome auf.

EHEC-Symptome und Inkubationszeit

In der Regel beträgt die Inkubationszeit bei den Escherichia coli drei bis vier und maximal zehn Tage. Die Symptome sind recht eindeutig: Nach Ausbruch der Erkrankung leiden Betroffene zunächst an:

  • blutigem und wässrigem Durchfall
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Bauchschmerzen

Eine EHEC-Infektion kann sich auch zu einer dauerhaften Enterohämorrhaghischen Colitis, d.h. einer schweren Entzündung des Darms ausweiten. Dabei zerstören Toxine die Zellen der Darmwand und der Blutgefäßwände, bei schwerem Verlauf sind auch Gehirn und Nieren betroffen. Zudem hängt die Gefahr, ein hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) zu erleiden, unter anderem von Veranlagung und Alter des Patienten ab. Die Inkubationszeit beträgt hier bis zu zehn Tage.

Diagnose mittels Blut- und Stuhluntersuchung

Bei einem Verdacht auf EHEC und ersten Symptomen sollten Betroffene umgehend den Arzt aufsuchen. Durch eine Untersuchung des Bluts können die durch die Darmbakterien möglicherweise zerstörten roten Blutkörperchen, spezielle Antikörper gegen den EHEC-Erreger sowie bestimmte Bakteriengifte (Toxine) nachgewiesen werden. Zudem wird der Arzt eine Stuhlprobe labortechnisch auf vorhandene enterohämorrhagische E. Coli Bakterien mikrobiologisch untersuchen lassen. Dies ist allerdings erst drei Tage nach der EHEC-Ansteckung möglich. Vorhandene Schädigungen der Nieren können durch weitere Untersuchungen diagnostiziert werden.

Therapie nach einer Infektion

In erster Linie werden EHEC-Erkrankungen symptomorientiert behandelt. Therapien mit Antibiotika sind wenig erfolgsversprechend, da die Abtötung oder Schädigung der EHEC-Erreger verstärkt EHEC-Giftstoffe freisetzen und das Krankheitsbild unter Umständen verschlimmern kann. Bei starken Durchfällen ist der Ausgleich des Salz- und Flüssigkeitsverlustes die wichtigste therapeutische Maßnahme. Schwere Krankheitsverläufe müssen meist stationär behandelt werden.

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