Gesetzliche oder private Krankenversicherung für Selbständige

Krankenversicherung Selbständige
Die Krankenversicherung für Selbstständige bietet viele Optionen, insbesondere für Privatversicherte

Bei der Krankenversicherung für Selbständige gilt: Freiberufler und Unternehmer müssen für die Mitgliedschaft in einer privaten Krankenversicherung (PKV) keine Einkommensgrenzen beachten. Zudem können sie von vielen Vorteilen gegenüber Versicherten einer gesetzlichen Krankenkasse profitieren.

Zu diesen Vorteilen gehört etwa die Kostenerstattung für Naturheilkunde und Zahnbehandlung, Krankentagegeld sowie eine zügige Behandlung beim Arzt. Für PKV-Versicherte besteht eine freie Ärztewahl unter den niedergelassenen Medizinern, wenn es um die ambulante Versorgung geht. Der PKV-Verband bietet eine deutschlandweite Arzt-Suchmaschine.

Eine günstige Krankenversicherung für Selbstständige wird - je nach Tarif und den gewählten Leistungen - durch die individuelle Gestaltung des Beitrags möglich. Ein kostenloser Internet-Vergleich zeigt Testsieger, die bei Stiftung Warentest trotz eines umfangreichen Leistungskatalogs verhältnismäßig gering Beiträge erheben.

Lohnt das gesetzliche System für Privat-Unternehmer?

Beruflich selbständige Unternehmer können freiwilliges Mitglied in einer gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) werden. Durch die Gesundheitsreform und die Einführung des Gesundheitsfonds erhebt die Krankenkasse für Selbstständige einen Beitrag von 14,9 Prozent des Bruttoeinkommens (ohne Krankengeldbezug). Maximal wird die Berufsfeld übergreifende Beitragsobergrenze von 4.050 Euro im Monat zugrunde gelegt, mindestens jedoch 2.073,75 Euro monatlich. Aus der niedrigeren Grenze ergibt sich ein Krankenkassen-Mindestbeitrag für Selbständige in Höhe von 321,43 Euro. Für Existenzgründer ist eine Reduzierung möglich. Doch Vorsicht: Durch den fehlenden Arbeitgeberanteil lohnt die gesetzliche Krankenkasse für Unternehmer meist nicht, insbesondere bei hohen Einkünften.

Jeder freiwillig gesetzlich versicherte Selbständige kann Anspruch auf Krankengeld anmelden. Hierfür ist es seit 01. August 2009 notwendig, einen Wahltarif abzuschließen oder den Normaltarif von 15,5 Prozent zu bezahlen. Sofern keine der beiden Möglichkeiten in Anspruch genommen wird, verfällt das Anrecht auf Krankengeld.

Private Krankenversicherung für Selbständige & Freiberufler

Zu den Vorteilen, die die private Krankenversicherung Selbständigen und freiberuflich Tätigen bietet, gehören zum Beispiel ein weiterer Leistungskatalog in der PKV und besser auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnittene Tarife. Zudem besitzen viele Selbständige oft ein überdurchschnittlich hohes Einkommen, wodurch eine private Krankenversicherung häufig günstigere Beiträge mit gleichzeitig umfassenderen Leistungen zu bieten hat als eine gesetzliche Krankenkasse.

Zu beachten ist: Haben sich selbständig Tätige oder Freiberufler vor dem Hintergrund der Entscheidung für eine private Krankenversicherung einmal von der GKV befreien lassen, gilt dies unwiderruflich. Eine Rückkehr in das gesetzliche System kann erst dann noch einmal möglich werden, wenn sich der Versicherte in ein Angestelltenverhältnis begibt. Dann sind die Regelungen zur Krankenversicherung für Angestellte zu beachten. Bei Arbeitslosigkeit greift in der Regel das gesetzliche System als Krankenversicherungsschutz für Arbeitslose.

 
Info

Wenn Sie nebenberuflich selbständig sind

Für die Krankenversicherung ist stets die hauptberufliche Tätigkeit ausschlaggebend. Sofern Sie lediglich nebenberuflich selbständig sind, gelten die hauptberuflichen Versicherungsregelungen, z.B. als Angestellter. Als Nebenberuf gilt, sofern maximal 18 Stunden pro Woche für die Selbständigkeit aufgewendet werden und das Einkommen nicht über dem der Haupttätigkeit liegt. Einkünfte aus der nebenberuflichen Selbständigkeit werden übrigens bei der Berechnung der gesetzlichen Krankenkassenbeiträge mit herangezogen. Deshalb muss eine Nebentätigkeit bei der Krankenkasse gemeldet werden.

Krankenzusatzversicherungen bieten mehr Absicherung

Selbständige, die sich aus familiären Gründen für eine gesetzliche Versicherung entschieden haben, müssen aufgrund eines festgelegten Leistungsumfangs auf einige Leistungen verzichten, von denen privat Versicherte profitieren. Vor diesem Hintergrund greifen viele Menschen zu einer Zusatzkrankenversicherung. Im Rahmen eines Baukastenprinzips kann der gesetzliche Leistungskatalog durch diverse Zusatzoptionen bedarfsgerecht erweitert werden.

Vor allem im Krankheitsfall sind Selbständige wirtschaftlich anfällig. Sie verdienen kein Geld, wenn es zum Arbeitsausfall kommt. Für die gesetzliche Krankenversicherung für Selbständige gilt: Ein finanzieller Ausgleich zur Absicherung (Krankengeld) steht nur unter bestimmten Bedingungen zur Verfügung. Eine ausreichende private Krankentagegeldversicherung kann sich daher für viele selbständig Tätige als ausgesprochen sinnvoll erweisen. Zu beachten ist: Eine private Krankentagegeld-Versicherung endet bei Eintritt in die Berufsunfähigkeit. Die Absicherung des Berufsunfähigkeitsfalls kann zum Beispiel mit einer eigenen Zusatzversicherung erfolgen.

Versicherung über die Künstlersozialkasse (Künstler & Publizisten)

Gründer, die sich im Bereich der Kunst oder Publizistik selbstständig machen, haben besondere Rechte und Pflichten. Zu ihnen gehören Musik- und Kunstschaffende, Schriftsteller sowie Journalisten. Sie sind nach dem Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) gesetzlich pflichtversichert. Ihnen steht also ein Wechsel in die private Krankenversicherung erst bei Überschreitung der Versicherungspflichtgrenze offen.

Dafür genießen sie den Vorteil, Mitglied der Künstlersozialkasse (KSK) zu werden, die die Rolle des Arbeitgebers übernimmt und damit dessen Anteil an den Sozialabgaben. Die KSK ist jedoch keine Versicherung. Es handelt sich vielmehr um eine Organisation, unter deren Dach sich Künstler und Publizisten sammeln und dann Anspruch auf die gesetzlichen Sozialversicherungsleistungen haben. Man sucht sich weiterhin seine Krankenkasse selbst aus, zahlt seine vom Einkommen abhängigen Beiträge (auch die für die gesetzliche Pflege- und Rentenversicherung) aber an die KSK. Diese wiederum überweist diese zusammen mit dem Arbeitgeberanteil an die eigene Krankenkasse. Die Anmeldung erfolgt direkt bei der KSK. Eine Antragsstellung ist für jeden Künstler und Publizisten Pflicht. Die Beteiligung an den Beiträgen gibt es auch in der PKV als "private Künstlersozialversicherung".

Letzte Aktualisierung: 23.10.2014 - Alexander Bull