Informationen zur Krankenversicherungspflicht in Deutschland

Krankenversicherungspflicht Deutschland
Die Krankenversicherungspflicht ist gesetzlich für alle Personen in Deutschland bindend

Seit dem 01.01.2009 gilt die Krankenversicherungspflicht in Deutschland in 2014 für alle Personen. Zuvor beschränkte sich die Versicherungspflicht auf bestimmte Personengruppen und auf die gesetzlichen Krankenkassen.

Zusätzlich wurde der sogenannte PKV-Basistarif geschaffen, der sich grundsätzlich an den Leistungen und Prinzipien der gesetzlichen Krankenkassen orientiert. Die Krankenversicherungspflicht ist von der Versicherungspflichtgrenze zu unterscheiden, diese ermöglicht den Wechsel vom gesetzlichen ins private System.

Strafe bei fehlender Krankenversicherung

Die Pflicht zur Krankenversicherung gilt seit folgendem Zeitraum:

  • gesetzlichen Krankenkasse (seit dem 01.04.2007)
    oder
  • private Krankenversicherung (seit dem 01.01.2009)

Unversicherten drohen durch die Krankenversicherungspflicht in Deutschland auch 2014 rückwirkende Forderungen in einer privaten Krankenkasse. Beiträge für Zeiträume vor diesem Datum werden nicht nachträglich erhoben. Personen ohne Versicherungsschutz, die einer privaten Krankenkasse zuzuordnen sind, müssen rückwirkend mit folgenden Zahlungen rechnen: 

Unversicherter ZeitraumHöhe der Zahlung

01.02.09 - 30.04.09

ein Monatsbeitrag (max. 627,75 Euro) für jeden Monat ohne Versicherungsschutz

ab 01.05.09

ein Sechstel des Monatsbeitrags für jeden weiteren Monat (maximal 14 Monatsbeiträge)

unversicherte Zeit nicht ermittelbar bzw. sehr lang

maximal 5 Jahre unversicherte Zeit werden zu Grunde gelegt (maximal 14 Monatsbeiträge)

Im Bereich der gesetzlichen Krankenkassen werden durch die Krankenversicherungspflicht bei Personen, die nach dem 01.04.2007 unversichert sind, von den Kassen rückwirkend ab dem Zeitpunkt der fehlenden Versicherung die normalerweise fällig gewordenen Beiträge nacherhoben. Die Regelung in der PKV ist daher vergleichsweise milder, weil sie nur bis zum 01.02.2009 zurückgeht.

PKV Versicherungspflichtgrenze

Beitragsschuldengesetz: Erlass der rückwirkenden Schulden bis zum 31.12.2013

Durch die rückwirkenden Beiträge würden sich Menschen ohne Krankenversicherung bereits bei Eintritt in die Versicherung verschulden, weshalb viele der Betroffenen diesen Schritt scheuten. Die Bundesregierung hat zum 01. August 2013 daher ein Beitragsschuldengesetz erlassen, was Nichtversicherte entlassen soll. Wer noch bis zum 31.12.2013 seiner Krankenversicherungspflicht nachkommt, bekommt alle rückwirkenden Schulden erlassen. Wer sich danach bei einer Krankenversicherung meldet, muss die rückwirkenden Beiträge hingegen zahlen. In der gesetzlichen Krankenversicherung wurde hierfür der Zins von 5 Prozent auf 1 Prozent gesenkt. 

Pflicht zur Krankenversicherung für alle

Grundsätzlich besteht für alle eine allgemeine Krankenversicherungspflicht in Deutschland und dies unabhängig von der Berufs- bzw. Personengruppe:

Grundlage der Regelung zur Krankenversicherungspflicht bildet die Zuordnung zum jeweiligen Krankenversicherungssystem. Für Personen ohne gültigen Versicherungsschutz erfolgt diese Zuweisung aufgrund der letzten Zugehörigkeit zu einem der beiden Krankenversicherungssysteme. So sind Betroffene verpflichtet, sich privat absichern zu lassen, sofern sie zuletzt Mitglied in der Privatvorsorge waren. Wer noch nie Mitglied einer Krankenkasse war, wird in dem System versichert, dem er aufgrund des ausgeübten Berufs zuzuordnen ist (auch Rentner und Studenten). Nach der Krankenversicherungspflicht für Selbständige, Freiberufler und Beamte werden diese Berufe beispielsweise der privaten Krankenversicherung zugeordnet.

Wenn zwei Tätigkeiten vorliegen, z.B. Angestellte in Teilzeit, die nebenbei einer selbständigen Tätigkeit nachgehen, entscheidet die hauptberufliche Tätigkeit über die Krankenversicherungspflicht (SGB V § 5 Abs. 5).

Befreiung von der Versicherungspflicht

Man kann sich nach § 8 SGB V von der gesetzlichen Versicherungspflicht befreien lassen und damit privat versichert bleiben, obwohl die gesetzliche Pflichtversicherung greift. Der Antrag wird bei der Krankenkasse gestellt, ist aber nur in bestimmten Situationen zulässig:

  • Die Versicherungspflichtgrenze holt das Einkommen ein, d.h. bei Gehaltsreduzierung ist ein Antrag nicht möglich.
  • Bezug von Arbeitslosengeld (mindestens 5 Jahre PKV-Vorversicherung)
  • Bezug von Unterhaltsgeld  (mindestens 5 Jahre PKV-Vorversicherung)
  • Teilzeitbeschäftigung während des Bezugs von Erziehungsgeld oder Elterngeld in Elternzeit. Die Befreiung ist dann nur während der Elternzeit möglich.
  • Reduzierung der Arbeitszeit wegen der Pflege Angehöriger (Befreiung nur während der Pflegezeit und in sogenannter Nachpflegephase)
  • Arbeitszeitreduzierung auf 50 Prozent der im Betrieb üblichen Vollbeschäftigung oder weniger
  • Gilt auch, wenn ein neuer Job beginnt
  • Gilt auch nach Eltern-, Pflege- oder Familienpflegezeit für die Teilzeitstelle, die in Vollzeit nicht zur Pflichtversicherung führen würde. Voraussetzung ist ein Bruttoentgelt, das mindestens 5 Jahre über der Einkommensgrenze lag, wobei Elternzeit, Pflege- und Familienpflege eingerechnet werden.
  • Antrag oder Bezug von Rente
  • Beginn eines Studiums oder Praktikums, inkl. Arzt im Praktikum
  • Tätigkeit in einer Einrichtung für behinderte Menschen

Der Antrag muss wird innerhalb von drei Monaten (nach Eintritt der Pflichtversicherung) bei der Krankenkasse gestellt werden. Die Befreiung ist dann ab Beginn der Pflichtversicherung gültig, allerdings nur wenn in dieser Zeit noch keine Leistungen von der Kasse beansprucht wurden. Falls doch Leistungen beansprucht wurden, greift die Befreiung am Anfang des Monats nach der Antragstellung.

Wichtig: Die Befreiung kann nur dann gewährt werden, wenn die Person eine andere gültige Krankenversicherung vorweisen kann.

Eine Befreiung ist unwiderruflich.

Krankenversicherungspflicht bei Hartz IV

Nach der Regelung zur Krankenversicherungspflicht 2014 müssen auch Empfänger von Arbeitslosengeld II privatversichert bleiben, sofern sie vor dem Bezug privatversichert waren. Dies kann beispielsweise auf Selbständige zutreffen, deren Unternehmen Insolvenz anmelden muss. Im Gegensatz zu gesetzlich Versicherten wurde bei Privatversicherten mit Hartz IV-Anspruch aber bis Anfang 2011 nur ein Teil der Beiträge übernommen. Den Rest musste der Versicherte selbst tragen.

Mittlerweile hat das Bundessozialgericht jedoch die Leistungsträger zur vollständigen Übernahme verpflichtet (Az: B 4 AS 108/10 R), um die Krankenversicherungspflicht zu gewährleisten. Die Leistungsträger übernehmen nach einer Vereinbarung zwischen Gesundheitsministerium und PKV-Branche (August 2011) auch die Beitragsschulden, die vor 2011 angefallen sind.

Letzte Aktualisierung: 31.03.2014 - Albert Gottelt
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