Das Krankengeld als Regelleistung der gesetzlichen Krankenkasse

Krankengeld: Berechnung, Höhe, Anspruch
Das Krankengeld sorgt für finanzielle Sicherheit im Falle einer längeren Arbeitsunfähigkeit

Das Krankengeld ist eine sogenannte Entgeltersatzleistung der gesetzlichen Krankenversicherung, welche in der Bundesrepublik Deutschland gesetzlich festgelegt ist. Sie soll den Versicherten im Falle einer längeren Krankheit finanziell absichern.

Je nach Beruf und Lebenssituation gelten in der gesetzlichen Krankenversicherung unterschiedliche Regelungen. Das betrifft besonders Selbständige, welche in der gesetzlichen Krankenkasse auf das herkömmliche Krankengeld verzichten und andere Optionen für die Absicherung im Krankheitsfall wählen können. Zudem kann der Anspruch während eines bestimmten Zeitraums ruhen und später wieder aufgenommen werden, beispielsweise während sich der Versicherte in der Elternzeit befindet und Elterngeld bezieht. Es handelt sich um eine steuerfreie Zahlung, kann jedoch andere steuerpflichtige Einkünfte erhöhen.

Personen mit Krankengeldanspruch

Folgende Personen haben in der gesetzlichen Krankenversicherung ein Anrecht auf Geldzahlung:

Keinen Anspruch haben hingegen:

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Krankengeldberechnung und Höhe der Leistungen

Grundlage für die Berechnung bildet das regelmäßige Einkommen, welches vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit erzielt wurde. Dabei werden auch Sonderzahlungen, wie Weihnachts- und Urlaubsgeld in die Berechnungen einbezogen. Bei nicht regelmäßigem Einkommen, beispielsweise bei Bezug von Akkordlohn, wird als Grundlage der Durchschnitt der letzten drei Monate herangezogen. Es gilt folgende Formel zur Berechnung:

70 % * Bruttoeinkommen = Krankengeld

Dabei gilt: Die Summe darf den Betrag von 90 Prozent des letzten Nettoeinkommens nicht überschreiten.

Rechenbeispiele

Bruttoeinkommen/MonatFormelHöhe der Zahlung/Monat
2.400 Euro70% * 2400 Euro1.680 Euro
800 Euro70% * 800 Euro560 Euro

Während das Krankengeld gezahlt wird, besteht für den betroffenen Versicherten Beitragsfreiheit in der gesetzlichen Krankenkasse. Beiträge zur Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Pflegeversicherung müssen jedoch weiterhin gezahlt werden. Dabei werden die entsprechenden Beiträge direkt vom den Zahlungen abgezogen.

Info
Befreiung von Beiträgen während einer Krankheit

Kinder und Jugendliche müssen bis zur Vollendung des 23. Lebensjahres keine Beiträge zur Pflegeversicherung leisten, sofern sie Krankengeld beziehen. Zudem sind Empfänger von Arbeitslosengeld während der Zahlung des Geldes vollständig von den Beiträgen zur Sozialversicherung befreit.

Checkliste: Antrag auf Krankengeld 

Den Antrag auf Krankengeld muss jeder Versicherte selbst einreichen. Genau genommen beantragt man kein Krankengeld. Vielmehr muss die Auszahlung von Krankengeld eingefordert werden. 

  • Senden Sie die Erklärung zum Krankengeld ausgefüllt zur Krankenversicherung. Ihre Kasse schickt Ihnen den sogenannten Krankengeldauszahlschein zu und einen Termin, wann Sie bei Ihrem Arzt vorstellig werden müssen. 
  • Lassen Sie den Schein von Ihrem Arzt ausfüllen und lassen Sie diesen Unterschreiben und mit einem Stempel versehen.
  • Füllen Sie die von Ihnen benötigten Daten auf dem Auszahlschein aus. Vergessen Sie nicht die Bankverbindung anzugeben.
  • Die Auszahlung des Krankengeldes erfolgt, sobald der Auszahlschein eingereicht wurde und rückwirkend bis zum ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit (Feststelldatum).
  • Vergessen Sie nicht den Arbeitgeber bzw. die Agentur für Arbeit über Ihre Lage zu informieren.

Dauer der Zahlungen 

Der Anspruch gilt grundsätzlich ab dem Tag, an dem der Arzt die Arbeitsunfähigkeit festgestellt hat. Bei Arbeitnehmern ruht dieses Anrecht jedoch zunächst, da diese in der Regel bis zu sechs Wochen Lohnfortzahlungen durch den Arbeitgeber erhalten.

Der Anspruch ruht außerdem, solange Versicherte folgenden Leistungen beziehen:

  • Elternzeit oder Mutterschaftsgeld
  • Verletztengeld oder Versorgungskrankengeld
  • Übergangsgeld
  • Kurzarbeitergeld

Auf Grund derselben Krankheit wird das Geld innerhalb der sogenannten Blockfrist von drei Jahren für maximal 78 Wochen gezahlt. Diese Blockfrist ist unbeweglich und setzt jeweils mit dem ersten Auftreten einer Krankheit ein. Die sechswöchige Lohnfortzahlung wird dabei angerechnet, so dass die Krankenkasse 72 Wochen zahlen muss. Tritt dieselbe Krankheit öfter auf, gibt es nur dann eine neuerliche Blockfrist, wenn der Versicherte in der Zwischenzeit mindestens sechs Monate lang nicht krank war und arbeiten konnte beziehungsweise dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stand. Eine neue Erkrankung, die keine Verbindung zu vorangegangenen Krankheiten hat, bedingt ebenfalls eine neue Blockfrist.

Für Familien

Kinderkrankengeld zur Versorgung kranker Kinder

Eltern bekommen für jedes gesetzlich versichertes Kind unter zwölf Jahren bis zu zehn Arbeitstage Kinderpflege-Krankengeld im Jahr, sofern die Krankheit durch ein ärztliches Attest bestätigt wurde und das Kind nicht durch andere im Haushalt lebende Personen betreut beziehungsweise gepflegt werden kann. Alleinerziehenden stehen 20 Tage pro Kind und Jahr zu. Insgesamt ist der Anspruch auf 25 Arbeitstage im Jahr begrenzt (50 Tage für Alleinerziehende).

Achtung: Private Krankenversicherungen sehen ohne zusätzliche Absicherung zum Krankheitsvolltarif grundsätzlich keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld vor. Eine Nachfrage beim Versicherer bringt daher Klarheit und rechtzeitig die Möglichkeit zur Vorsorge, so der PKV-Verband.

Bei behinderten und auf Hilfe angewiesenen Kindern, die gesetzlich versichert sind, besteht der Anspruch sogar ohne Altersbegrenzung. Eltern von schwerstkranken Kindern, welche eine begrenzte Lebenserwartung von Wochen oder Monaten haben, besitzen einen zeitlich unbegrenzten Anspruch.

Aussteuer bei Ende vom Krankengeld 

Ist ein Arbeitnehmer auch nach der 78. Woche der Krankengeldzahlung, also dem Ende des Krankengeldes nicht arbeitsfähig, deutet vieles auf eine Erwerbsunfähigkeit hin. Personen, die eine Berufsunfähigkeitsversicherung besitzen, können sich an ihren Versicherer wenden und die Zahlung der vereinbarten Versicherungssumme in Gang setzen. Experten empfehlen für Menschen, die von ihrer Arbeitskraft abhängig sind, sich frühzeitig um die Absicherung der Berufsunfähigkeit zu bemühen. Zwar gibt es eine staatliche Erwerbminderungsrente. Diese fällt jedoch verhältnismäßig gering aus und der Betroffene muss sich weiterhin um eine Anstellung bemühen.

Nachversicherung gewährleistet

Nach der Aussteuerung des Krankengeldes können Versicherte nicht mehr ihren Krankenversicherungsschutz verlieren (Beitragsschuldengesetz). Der Betroffene bleibt solange bei der ursprünglichen Krankenversicherung versichert, bis ein anschließender Versicherungsschutz vorgewiesen werden kann.

Nahtlosigkeitsregelung: Übergangsgeld beantragen

Wurde die Erwerbsunfähigkeit noch nicht offiziell bestätigt, tun sich für Betroffene oft große finanzielle Probleme auf. In diesem Fall greift daher die sogenannte Nahtlosigkeitsregelung, wodurch Betroffene das Arbeitslosengeld bei Arbeitsunfähigkeit (§ 145 SGB III) erhalten können. Dabei handelt es sich um eine Sonderform des Arbeitslosengeldes, das nur als Übergang zur nachfolgenden Leistung fungiert. Für diese Zeit werden die Beiträge zur Krankenversicherung vom Jobcenter übernommen. Voraussetzung für die Zahlung ist, dass sich der Versicherte arbeitslos meldet.

Besondere Regelungen für Selbständige

Selbständige in der gesetzlichen Krankenkasse müssen sich eigenständig um die Absicherung im Krankheitsfall bemühen. Selbstständige haben drei Möglichkeiten:

  • Der Versicherte zahlt den normalen Beitragssatz von derzeit 15,5 Prozent des Bruttoeinkommens und erhält Anspruch auf das herkömmliche Krankengeld der gesetzlichen Krankenkasse
  • Ein Krankentagegeld wird über eine spezielle private Krankentagegeldversicherung abgesichert und der Versicherte zahlt einen ermäßigten Krankenkassenbeitrag von 14,9 Prozent
  • Der Versicherte schließt einen speziellen Wahltarif bei der gesetzlichen Krankenkasse ab

Entscheidet sich der Versicherte für die erste Möglichkeit, so bekommt er wie alle Arbeitnehmer das Krankengeld ab der siebten Krankheitswoche gezahlt. Aus diesem Grund muss sich der Selbständige um eine finanzielle Absicherung vor der siebten Krankheitswoche bemühen. Wird ein Wahltarif abgeschlossen, können die Modalitäten individuell festgelegt werden (z.B. Höhe des Krankengeldes). Die Regelungen des Wahltarifes haben auch Gültigkeit für nicht ständig Beschäftigte, für Arbeitnehmer mit befristeten Arbeitsverträgen sowie für die Versicherten der Künstlersozialkasse. Die Wahltarife der gesetzlichen Krankenkassen dürfen seit August 2009 keine Altersstaffelungen mehr aufweisen.

Probleme beim Krankengeld - Ratgeber

Wichtige Fragen und Anworten

Kein Anspruch auf Krankengeld durch fehlende Krankschreibung

Verbraucherschützer empfehlen Patienten bei Arbeitsunfähigkeit stets darauf zu achten, dass eine ununterbrochene Krankschreibung vorliegt. Häufig reicht eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung mit der Aussage “bis auf Weiteres” nicht aus.

Beispiel: Die Krankschreibung endet in der kommenden Woche am Mittwoch. Geht der Betroffene erst am Mittwoch zum Arzt und lässt sich ab Donnerstag krankschreiben, kann das Krankengeld erst ab Freitag gezahlt werden. Ist der Versicherte während der Krankschreibung arbeitslos geworden, kann es passieren, dass er gar kein Krankengeld erhält.

Kasse verweigert Krankengeld

Zeichnet sich eine lange Arbeitsunfähigkeit ab, versuchen Krankenkassen häufig den Betroffenen schnellstmöglich als erwerbsunfähig einzustufen. Der Grund: Ist der Betroffene erwerbsunfähig, sind andere Leistungsträger zuständig und die Kasse muss nicht zahlen. Vor allem für Patienten ohne Berufsunfähigkeitsrente hat das finanzielle Folgen, denn das Krankengeld ist in der Regel höher als die Erwerbsminderungsrente. Betroffene sollten Widerspruch einlegen und sich durch einen unabhänigen Experten beraten lassen. In Einzelfällen konnten bereits Erfolge erzielt werden.

Rechtliche Unklarheiten zum Zahlungsbeginn

In manchen Fällen will die Krankenkasse nicht zahlen, wenn der Betroffene Resturlaub oder Überstunden vor der Krankheit angehäuft hat und dieser vom Arbeitgeber ausbezahlt wird. In solch einer Situation sollte auf eine Einzelfallüberprüfung bestanden werden. Durch die komplizierte Rechtslage ist auch hier eine unabhängige Beratung empfehlenswert. Nicht immer bringt die finanzielle Abgeltung der Überstunden ein Ruhen des Krankengeldes mit sich.

Letzte Aktualisierung: 26.08.2014 - Carolin Fink