Ratgeber Krankenkasse

Einheitlicher Beitragssatz zur Krankenversicherung

Donnerstag, 01. Jan 2009, 08:00
Die Einführung des allgemeinen einheitlichen Beitragssatzes der gesetzlichen Krankenkassen zum 01. Januar bringt viele Veränderungen mit sich. Die Auswirkungen betreffen sowohl die Versicherten als auch die Kassen. Nicht alle profitieren dabei gleichermaßen.
Das Verwirrspiel um Beiträge und Beitragssätze hat ein Ende.

Das Verwirrspiel um Beiträge und Beitragssätze hat ein Ende.

Die Minister der Berliner Regierungskoalition haben die Erhöhung des Krankenkassenbeitrags für die gesetzliche Krankenversicherung auf 15,5 Prozent beschlossen. Das bedeutet eine durchschnittliche Mehrbelastung für jeden Versicherten um rund 100 Euro. Dieser Beitragssatz wird zum 01. Januar 2009 gültig. Das ist ein Rekordbeitrag. Von zurzeit durchschnittlich 14,92 Prozent schießt der Beitragssatz förmlich um 0,6 Prozentpunkte nach oben. Die Durchschnittszahlen sagen allerdings nur wenig über die Belastungen für den einzelnen Versicherten aus. Fast alle gesetzlich Versicherten werden draufzahlen, einige mehr und andere weniger. Das hängt davon ab, wie hoch der aktuelle Beitrag der jeweiligen Krankenkasse ist. Es hört sich paradox an, ist aber Tatsache: Je höher der aktuelle Krankenkassenbeitrag, umso geringer ist die Mehrbelastung.

Die Zuzahler - Mitglieder der bisher günstigen Krankenkassen

Die Krankenkassen mit den zehn günstigsten Beitragssätzen sind sichtlich frustriert. Ihre Mitglieder sind die Verlierer des Einheitsbeitrages, denn sie werden die höchsten Mehrbelastungen ab Januar 2009 schultern müssen.

An einem Beispiel deutlich gemacht: Ein gut verdienender Versicherter bei der IKK Sachsen mit einem Brutto-Verdienst von 3.600 Euro wird bei dieser Konstellation 50,40 Euro mehr im Monat zahlen, hat also eine jährliche Mehrbelastung von rund 600 Euro. Die Versicherten, die finanziell von der Festsetzung des Einheitsbeitrages profitieren, sind deutlich in der Minderheit. Zudem würde der gleiche Besserverdiener bei der bisher teuersten Krankenkasse, der City BKK 34,20 Euro im Monat einsparen, jährlich ein Betrag von ca. 410 Euro.

Zum Trost stabile Beiträge bis 2011

Die Mehrbelastung ist schon recht ordentlich und muss erst einmal verkraftet werden. Da nützen auch die Tröstungsversuche der Gesundheitsministerin nicht sehr viel. Sie meint, dass dieser Krankenkassenbeitrag nun sehr lange halten werde. Frühestens im Jahr 2011 könnte er wieder ansteigen. Den gesetzlichen Krankenkassen hat Ulla Schmidt ins Stammbuch geschrieben, dass sie sich mit den geforderten noch höheren Beiträgen einen „Sparstrumpf“ unter die Matratze legen wollten, und das auf Kosten der Versicherten. „Die Kassen scheuen die Verantwortung, sparsam mit ihren Einnahmen umzugehen“, meinte Frau Schmidt. Im nächsten Jahr gibt es ihrer Ansicht nach weder Gründe für extreme Sparkurse noch für Zusatzbeiträge. Man kann nur hoffen, dass die Gesundheitsministerin Recht behält.

Teuer verliert – Mitglieder gewinnen

Die Erhöhung des Krankenkassenbeitrages auf einheitliche 15,5 Prozent produziert hauptsächlich Verlierer, denn rund 90 Prozent der gesetzlich Versicherten zahlen drauf. Es gibt aber einige Gewinner. Für rund acht Prozent der Versicherten werden die Beiträge sinken.

Die betroffenen Krankenkassen werden sich sicherlich nicht als Gewinner sehen, denn immerhin verlieren sie möglicherweise einen erheblichen Teil ihrer Einnahmen. Sie werden bestimmt in die Klagen von Doris Pfeiffer, der Vorsitzenden des GKV-Spitzenverbandes, einstimmen. Sie moniert, dass die Regierung den Beitrag über Jahre hinaus nicht verändern will. Zusatzbeiträge sind deshalb bereits früh vorprogrammiert. Man könne zwar so Stabilität in der Statistik herstellen, doch nicht in den Geldbeuteln der Versicherten. Aber einige dieser Versicherten werden sich zunächst einmal über ihre geringeren Beiträge freuen dürfen.

Bei der bislang teuersten Krankenkasse wird es eine monatliche Ersparnis von 34,20 Euro geben. Immerhin kommt man bei den bisher weniger kostspieligen Krankenkassen noch auf Beitragssenkungen in Höhe von 5,40 Euro im Monat, was immerhin jährlich knapp 65 Euro ausmacht.

Keine volle Kostendeckung

Doris Pfeiffer freut sich nicht. Sie kritisiert die Entscheidung über den Einheitsbeitrag auf 15,5 Prozent immer noch in scharfer Form. Die Koalition habe sich selbst das Ziel gesetzt, über den Gesundheitsfonds eine vollständige Deckung der Ausgaben für das Gesundheitswesen zu schaffen. Dieses Ziel hält Frau Pfeiffer für verfehlt. Nur eine Beitragsfestsetzung von 15,8 Prozent würde alle Kosten abdecken, einschließlich der neuen Kosten für die Bürokratie, die der Gesundheitsfonds erst mit sich bringt.

Stabilität kontra Konjunktur-Risiko

Kritik hat ebenfalls die Aussage der Gesundheitsministerin ausgelöst, dass der Beitragssatz frühestens im Jahr 2011 neu angepasst werden müsse. Der Präsident der Bundesärztekammer Jörg-Dietrich Hoppe sieht die Berliner Regierungskoalition in der Verantwortung, sollte sich eine “staatlich verfügte Mittelverknappung” abzeichnen. Das kann seiner Meinung nach durch die globale Finanzkrise passieren, wenn die sich konjunkturell auswirkt und damit die Einnahmen der Krankenkassen schmälert.

Krankenversicherte als Spielball der Politik

Es steht noch nicht fest, ob sich die Mitglieder der aufgeführten Krankenkassen tatsächlich dauerhaft freuen können. Vielleicht sind sie die ersten, die Zusatzbeiträge aufgebrummt bekommen. Dann wird die Freude nachlassen. Es bleibt zu hoffen, dass Hoppes Aussage sich nicht bewahrheiten wird. Er meint, dass die realen Versorgungsnotwendigkeiten eine eher untergeordnete Rolle spielen. “Die Regierung legt nach wirtschaftlicher Opportunität und haushaltspolitischer Machbarkeit fest, wie viel Geld für die Versorgung der Patienten ausgegeben werden darf.”

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