Yoga - Der Weg zum Ich durch Übung, Atmung und Meditation
Donnerstag, 01. Dez 2011, 08:00
Die grundsätzliche Idee bei Yoga sagt, dass vielfältige Arbeit an sich selbst notwendig ist, wenn man ein Ziel erreichen will. Jedes Individuum ist ein Reisender, der auf allen Wegen zu sich selbst und den eigenen Möglichkeiten finden muss. Wenn auch die Wurzeln des Yoga im Hinduismus und Buddhismus liegen, so haben sich die Grundlagen und Konzepte des Yoga im Laufe der Jahrhunderte außerhalb von religiösen Konzepten entwickelt. Der Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland (BDY) hat es so formuliert: "Yoga ist ein über lange Zeit gewachsener, lebendig gebliebener Schatz von Erfahrungen, Erklärungsmodellen, Übungen und Handlungsanweisungen." Dieser Schatz wurde danach von Menschen aufgebaut, die sich für die Lebensbedingungen in ihren jeweiligen Gesellschaften interessierten. Yoga ist ein ganzheitlicher Weg zu körperlicher, seelischer und geistiger Einheit.
Ganzheitliches Verständnis des Menschen
Die Übungen des Yoga berühren drei bedeutsame Komponenten: Es geht dabei um die Ebenen des Körpers, des Atems und des Geistes. Die Übungen verbinden auf eine sehr differenzierte Art und Weise diese Grundsätze menschlichen Handelns und Denkens. Nach den Grundsätzen des Yoga ist der Mensch nicht ausschließlich Körper, nicht nur Geist oder nicht nur Atem. Diese drei Elemente bilden eine enge Synthese, eine mit Leben erfüllte Verbindung. Die Übungen des Yoga machen den Versuch, diese Verbindung abzubilden, nachzuvollziehen und bewusst zu machen.
Verlagerung des Yoga auf den körperlichen Aspekt
Die Grundlagen des Yoga kommen wie bereits erkäutert aus Indien. Dort wurde sehr großes Gewicht auf die spirituelle und geistige Kraft gelegt, die durch entsprechende Übungen erkannt und gefördert werden sollte. Die körperliche Seite des Yoga und die entsprechenden Übungen, die "Asanas", standen nicht so sehr im Mittelpunkt des Geschehens. In den westlichen Ländern wurde jedoch gerade auf diese Fertigkeiten sehr viel Wert gelegt. Yoga wurde vielfach mit dem körperlichen Training gleichgesetzt. In vielen anderen Kursen und gesundheitlichen Empfehlungen tauchen Elemente der Yoga-Übungen auf. Die körperliche Seite ist selbstverständlich wichtig und vielleicht auch am besten dazu geeignet, in das philosophische System des Yoga einzusteigen. Wer sich aber weiter mit Yoga und dem philosophischen Weg ernsthaft beschäftigt, wird sich mit wesentlich komplexeren Ansprüchen beschäftigen müssen.
Die acht Stufen des Yoga
Um den hohen Anspruch und die Komplexität des klassischen Yoga zu verdeutlichen, sind hier die klassischen acht Stufen des Yoga (System des Patanjali) aufgezeigt.
| Stufe | Erläuterung |
|---|---|
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Yama |
Enthaltung, Selbstkontrolle und Selbstbeherrschung Fünf Gebote müssen eingehalten werden.
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Niyama |
Die Beachtung von körperlichen und geistigen Reinheitsvorschriften
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Asana |
Verschiedene Körperübungen Dabei ist das bewusste "Hineingehen" in die Übungen von großer Bedeutung |
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Pranayama |
Beherrschung des Atems Körper und Geist werden durch Atemübungen zusammengeführt |
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Pratyahara |
Zurückziehen der Sinnesorgane Disziplinierung der Sinne Sinneseindrücke sollen bewusst und kontrolliert erfahren werden |
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Dharana |
Festhalten und Konzentration Willentliche Konzentration |
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Dhyana |
Meditation Erreichen eines höheren Bewusstseins Zeitlosigkeit Der Mensch und seine Gedanken werden unwichtig |
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Samadhi |
Versenkung Ein Zustand des Bewusstseins, der mit Traum oder Schlaf, mit Wachheit und Denken nichts gemein hat. Bedeutet Aufgehen in dem Objekt, über das meditert wird. |
Das moderne Arbeiten mit Yoga
Modernes Yoga findet in den meisten Fällen in praktischen körperlichen Tätigkeiten statt. Dabei werden zunächst einfache Übungen erlernt und erklärt. Sie entsprechen den Lebens- und Arbeitsbedingungen der modernen Menschen und sind ihren Problemen angepasst. Durch Atemübungen wird der Atem vertieft und effektiver gemacht. Die gesamte Atmung wird bewusst gemacht und beobachtet. So wird die Eigenschaft der Geduld hervorgehoben und durch bewusstes Nachspüren die Konzentrationsfähigkeit gefördert. Aus dieser Konzentration kann sich die Meditation entwickeln, die als die höhere Stufe des Yoga bezeichnet wird.
Formen des Yoga
Allen Formen des Yoga ist eines gemeinsam: Immer wird ein spiritueller Weg beschritten, um sich einem Ziel anzunähern. Schwerpunkte mögen anders gesetzt sein, doch der Sinn der Übungen ist es, das unbewusste Dasein zugunsten fortschreitender Bewusstheit und inneren Fortschritts hinter sich zu lassen.
- Hatha Yoga: Das Gleichgewicht zwischen Körper und Geist soll vor allem durch die körperlichen Übungen erreicht werden. Diese Form des Yoga wird vor allem in westlichen Ländern praktiziert.
- Bikram Yoga: 236 Übungen werden in einem Raum bei Temperaturen zwischen 35 und 40 Grad ausgeführt. Die Hitze wirkt positiv auf Sehnen und Muskeln, der Körper wird durch das Schwitzen entgiftet.
- Kundalini Yoga: Das Übungsziel soll hier druch dynamische Bewegungsabläufe erreicht werden. Eine Übungsfolge oder Kriya besteht aus Haltungen, Übungen, Atem- und Konzentrationsübungen sowie Entspannung und Meditation. Die Energiebahnen des Körpers sollen gereinigt und funktionsfähig gemacht werden.
- Weitere Formen wie Ashtanga Yoga, Karma Yoga oder Jnana Yoga wollen Geist und Körper stärken und die Selbstheilungskräfte wecken.
Die Durchführung der Yoga-Übungen
Die Übungen können sowohl allein als auch in einer Gruppe durchgeführt werden. Je nach Art des Yogas werden Körperhaltungen, die Asanas, geübt. Die Körperhaltungen sollen möglichst einige Minuten lang gehalten werden. Als wohl sehr bekanntes Beispiel kann der Lotussitz genannt werden. Andere Haltungen haben Namen wie Heldenhaltung, Baum, Pflug oder Fisch. Auch Atem- oder Konzentrationsübungen können durchgeführt werden. Oft schließen sich am Ende einer Yoga-Sitzung Entspannungsübungen an. Neben Kursen von Yogaschulen oder Trainern gibt es sehr viele Bücher und CDs, die entsprechende Übungen vorstellen und erklären. Auch im Internet finden sich Anleitungen oder anschauliche Videos.
In diesem Zusammenhang ist eine Warnung sehr wichtig. Werden die Yogaübungen falsch ausgeführt, so können sie großen Schaden anrichten. Deshalb sollten die Übungen nicht nur nach Büchern, sondern immer mit der Anleitung von qualifizierten Lehrern durchgeführt werden.
Yoga und Gesundheit
Der ganzheitliche Ansatz der Yoga-Übungen will das Zusammenspiel, die koordinierte Funktion von Körper, Seele, Geist und Atem optimieren. Durch innere Gelassenheit sollen die vitalen Prozesse in ihrer Gesamtheit verbessert werden.
Trotz all der positiven Wirkung ist es schwierig, allgemeingültige Aussagen über die gesundheitliche Wirkung zu treffen, denn Formen und Ansätze sind zu unterschiedlich. Es ist nachgewiesen, dass Yoga zur Linderung von Durchblutungsstörungen, nervösen Beschwerden, chronischen Kopf- und Rückenschmerzen oder Schlafstörungen beitragen kann. Doch als ausschließliche Behandlungsmethode ist Yoga nicht geeignet. Als unterstützende Maßnahme aber können die Übungen positive Wirkung haben. Allgemein bedeutet das Yoga-Training mehr Kraft und mehr Flexibilität. Ausdauer und Gleichgewicht werden trainiert, die gesamte Haltung des Körpers verändert sich zum Positiven. Für Teilnehmer an Yoga-Kursen ist auch der Abbau von Stress sehr wichtig, der durch das Körper- und Atemtraining gefördert wird.
Yoga in Zahlen, Daten und Fakten
Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts, ungefähr in den 1940er Jahren, verbreitete sich Yoga in Deutschland. Die Bedeutung der Lehre nahm immer wieder ab und wuchs dann aber wie in einer Gegenbewegung wieder an. Heute ist Yoga weit verbreitet. Rund fünf Millionen Deutsche praktizieren regelmäßig Yoga, es gibt circa 20.000 Yogalehrer. Die Zahl der Lehrenden und Lernenden wächst schnell. Die hektische Zeit mit den großen Belastungen in Beruf und Privatleben führt dazu, dass sich immer mehr Menschen auf die Suche nach ganzheitlicher Selbsterfahrung, Entspannung und Konzentration machen.
Kosten: Gesetzliche Krankenkassen
Im Rahmen von Vorsorgeprogrammen übernehmen die meisten Krankenkassen die Kosten für Yogakurse. Zur Prävention zahlen die Krankenkassen die Übungsstunden in bestimmtem Umfang. Diese Praxis ist zwar weit verbreitet, aber nicht einheitlich. Nicht alle Krankenkassen zahlen, nicht jede zahlt gleich viel. Außerdem gibt es die unterschiedlichsten Bedingungen. So müssen oft die Schulen zertifiziert und die Lehrer qualifiziert sein. Bei Bedarf sollte man sich bei der Krankenkasse nach den Modalitäten erkundigen.
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Kosten: Private Krankenversicherung
Bei den privaten Krankenversicherern sollte man sich bei Vertragsabschluss gleich kundig machen, bei welchem Tarif die präventiven Maßnahmen eingeschlossen sind. Es gibt hier immer die Möglichkeit, sich den eigenen Tarif wie einen Baukasten selbst zusammenzusetzen. Generell zahlt die private Krankenversicherung nur Maßnahmen, die medizinisch notwendig sind. Hier gilt wie immer: Ein Blick in die Vertragsbedingungen, den Tarif oder ein Anruf bei der Krankenversicherung bringt endgültige Klarheit.
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