Ratgeber Klimakterium

Wirksame Therapien gegen Beschwerden der Wechseljahre

Freitag, 01. Apr 2011, 08:00
Die Wechseljahre (Klimakterium) sind ein natürlicher Abschnitt im Leben jeder Frau. Trotz vieler Beschwerden und Umgewöhnungen bedeuten die Wechseljahre keinen krankhaften Zustand. Zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr geschieht in den meisten Fällen der nicht ganz leichte Übergang von der Geschlechtsreife in eine neue Phase.
Die Wechseljahre der Frau sind ein neuer Lebensabschnitt

Die Wechseljahre der Frau sind ein neuer Lebensabschnitt

Es ist noch immer ein Tabuthema. Von den Wechseljahren der Frauen über 50 wird nicht geredet. Während man inzwischen über Pubertät, Empfängnis und Schwangerschaft offen sprechen, sich austauschen und informieren kann, finden Wechseljahre im öffentlichen und privaten Bewusstsein nicht statt. Doch es ist ein ganz normaler Vorgang. Zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr jeder Frau ist der Vorrat an Eizellen aufgebraucht. Bereits von Geburt an ist die Zahl dieser Zellen festgelegt. Vor den Wechseljahren sorgt ein von Hormonen gesteuerter Zyklus dafür, dass regelmäßig Eizellen reifen können. Wenn es immer weniger Zellen gibt, stoppt der Körper auch die Hormonproduktion der weiblichen Hormone Östrogen und Gestagen. Die Auswirkungen auf die Frauen sind vielfältig. Die körperlichen Vorgänge können vielfältige Auswirkungen auf Geist, Seele und Körper haben.

Die Phasen der Wechseljahre

Insgesamt bezeichnet der Begriff der Wechseljahre oder des Klimakteriums die gesamte Zeit des Prozesses vom Ende der Geschlechtsreife bis zum Senium, dem Alter. Das bedeutet, dass sich diese Zeit durchschnittlich vom 45. bis zum 70. Lebensjahr erstreckt. Im Detail unterteilen die Mediziner die Wechseljahre in verschiedene Phasen, die sich überschneiden. Der zentrale Punkt bei der zeitlichen Betrachtung der Abläufe ist die Menopause, die letzte von den Eierstöcken spontan gesteuerte Menstruation.

BezeichnungBedeutung/Erklärung
PrämenopauseDer Zeitraum zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr einer Frau, die Zeit vor der Menopause. Der weibliche Zyklus wird unregelmäßig, die Blutungen treten in längeren Abständen auf.
Menopause Bezeichnung für die letzte reguläre Monatsblutung, ausgelöst und gesteuert von den Eierstöcken. Den Zeitpunkt kann am erst in der Rückschau festlegen, denn man spricht von der Menopause erst dann, wenn ein Jahr danach keine Blutung erfolgt ist. Die Menopause liegt durchschnittlich bei 51 Jahren. 
PerimenopauseDie Phase um die Menopause, ungefähr zwei Jahre davor und zwei Jahre danach.
PostmenopauseDie Zeit nach der Menopause, die durchschnittlich zwischen 10 und 15 Jahre dauert. Die Postmenopause endet mit dem Eintritt ins Senium, dem Alter mit ungefähr 70 Jahren. 

Frauen reagieren sehr unterschiedlich auf die Veränderungen ihres Körpers. Allgemeine Aussagen können deshalb nur sehr schwer gemacht werden. Ein Drittel der Frauen haben während der Wechseljahre überhaupt keine Probleme. Ein weiteres Drittel verzeichnet leichte Beeinträchtigungen, braucht aber keine Behandlung. Das letzte Drittel der Frauen hat starke Beschwerden, die behandelt werden müssen.

Typische Anzeichen und Symptome der Wechseljahre

Mediziner bezeichnen die bekannten und typischen Symptome und Beschwerden während der Wechseljahre mit dem Begriff “klimakterisches Syndrom” zusammen. Unter anderem werden folgende Beschwerden mit diesem Begriff zusammengefasst:

  • Hitzewallungen
  • Schwindel
  • Herzrasen
  • Blasenbeschwerden
  • Schweißausbrüche
  • Schlaflosigkeit
  • Nervosität und Unruhe
  • Seelische Verstimmungen, Depressionen
  • Kopfschmerzen
  • Lustlosigkeit
  • Leistungsabfall

Die Geschlechtshormone schützen die Blutgefäße. Lässt die Hormonproduktion nach, wird auch die Schutzfunktion zurückgeschraubt. Deshalb sind Reaktionen von Kreislauf und Gefäßen sehr häufig zu verzeichnen. Rund 70 Prozent der betroffenen Frauen haben Hitzewallungen, 55 Prozent haben mit Schweißausbrüchen zu kämpfen und 45 Prozent der Frauen klagen über Schwindel.

Die Hormontherapie - umstrittene Hilfe gegen Beschwerden

Gegen die meisten Wechseljahresbeschwerden kann eine Hormontherapie helfen. Lange Zeit galt die Gabe von Hormonen als das Mittel der Wahl, um Wechseljahresbeschwerden zu behandeln. Dabei werden dem Körper auf verschiedenen Wegen, mit Tabletten, Spritzen oder über die Haut, die Hormone zugeführt, die der Körper nicht mehr selbst produziert. Doch die anfängliche Begeisterung über die Wirksamkeit der Hormone wurde durch Untersuchungen gedämpft, nach denen die Einnahme von Hormonen von gravierenden Nebenwirkungen begleitet sein kann. Nach den Untersuchungen wird durch eine Hormonbehandlung das Risiko für Brustkrebs und Schlaganfälle erhöht. Wenn die Hormonbehandlung spät einsetzt, verstärkt sich die Gefahr eines Herzinfarktes. Auch die Gefahr für Thrombosen ist gesteigert. Dagegen konnte die Risiken für Osteoporose gemindert werden.

Eine allgemeine Empfehlung für eine Hormontherapie kann nicht gegeben werden. Hier ist ein Gespräch mit dem Frauenarzt und eine genaue Analyse der individuellen Situation nötig. Es gibt heute eine ganze Reihe von verschieden zusammengesetzten Medikamente, die nach individuellen Gesichtspunkten angewandt werden. Bei bestimmten Gegebenheiten oder Erkrankungen, zum Beispiel bei Krebs, Allergien oder Bluthochdruck, dürfen keine Hormone zum Einsatz kommen.

Der Berufsverband der Frauenärzte empfiehlt, dass Hormone nur bei starken Beschwerden und gesundheitlichen Risiken durch das Klimakterium gegeben werden sollen. Die Risiken müssen sorgfältig abgewogen werden. Auch sollte die Therapie nur so lange wie nötig durchgeführt werden. Eine selbstverständliche und automatische Verabreichung von Hormonen wird abgelehnt, weil der Nutzen nicht wissenschaftlich erwiesen und die Risiken zu hoch sind.

Informationen über Hormontherapien, ihre Notwendigkeit und Risiken gibt es auch auf den Internetseiten der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG).     

Alternativen zur Therapie mit Hormonen

Wem die Hormontherapie zu risikoreich ist, kann auf vielerlei andere Möglichkeiten zurückgreifen. Die Homöopathie, die Pflanzenheilkunde und alternative Heilmethoden wie Akupunktur oder Autogenes Training können in der Phase des Klimakteriums hilfreich sein. Doch Vorsicht ist geboten. Die allgemeine Ansicht, dass pflanzliche Mittel ungefährlich und harmlos sind, ist auf keinen Fall richtig. Es gibt noch keine aussagekräftigen Studien oder Untersuchungen über mögliche Langzeitwirkungen von pflanzlichen Mitteln gegen Wechseljahresbeschwerden. Auf jeden Fall ist vor dem Einsatz jedweder Mittel der Arzt zu konsultieren.

Einige Pflanzen, die bei Wechseljahresbeschwerden eingesetzt werden:

PflanzenWirkungsweise
TraubensilberkerzeDie Pflanze wird seit rund 200 Jahren in der westlichen Medizin genutzt. Sie wirkt gegen allgemeine Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schwindel und Kopfschmerzen. Auch wirken die Pflanzenextrakte positiv auf die Psyche.
SojaDie Nutzung ist umstritten. Die Pflanze enthält Isoflavone, die unter anderem negative Auswirkungen auf die Gebärmutter haben können. Auch soll Soja die Funktion der Schilddrüse beeinflussen.   
RotkleeFür Präparate aus dieser Pflanze gilt Ähnliches wie für Soja.
JohanniskrautJohanniskraut wird gegen Stimmungsschwankungen und leichte bis mittelschwere Depressionen eingesetzt.
Baldrian und HopfenWirken beruhigend bei Reizbarkeit und Unruhe.
SalbeiHilft gegen Schweißausbrüche und nächtliches Schwitzen.

Die Zeitschrift Ökotest hat mehrere pflanzliche Mittel gegen Wechseljahresbeschwerden untersucht. Die sogenannten Monopräparate, also Mittel mit einem einzigen Wirkstoff, sollen danach wohl die beste Wirkung haben. Doch es gibt auch Mischprodukte mit mehreren Wirkstoffen, deren Bilanz positiv ist. Schlechte Noten bekamen Nahrungsergänzungsmittel. Diese Kapseln und Pillen haben Soja und Rotklee als Basis, beides fragwürdige Wirkstoffe. Auch hier gilt: Fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker! Wechselwirkungen und Unverträglichkeiten müssen vor der Einnahme geklärt werden.

Geklärt und gesichert ist die positive Wirkung der Traubensilberkerze. Das Komitee Forschung Naturmedizin hat sich mit entsprechenden Studien beschäftigt, die eine positive Wirkung bei Wechseljahrsbeschweren nachgewiesen haben.

Prävention: Maßnahmen gegen die Beschwerden

Prävention ist ein Begriff aus der Medizin und bezieht sich auf Krankheiten und deren Vermeidung. Auch wenn das Klimakterium keine Krankheit ist, so kann man doch bis zu einem gewissen Grad den Beschwerden der Wechseljahre ausweichen.

  • Ausreichende Bewegung kann der Osteoporose vorbeugen und stärkt den Kreislauf. 
  • Mit ausgewogener Ernährung mit vitaminhaltigen Komponenten kann der Hormonahaushalt stabilisert werden
  • Ausreichender Schlaf wirkt positiv auf Körper und Geist 
  • Physikalische Therapien wie Moorbäder oder Kneipp-Anwendungen helfen bei der Bewältigung der neuen Situation

Grundlage zur Problembewältigung: Die innere Einstellung

Viele Probleme und Beschwerden werden durch die seelischen und geistigen Befindlichkeiten ausgelöst. Viele Frauen werden mit der veränderten Situation nicht fertig. Die Kinder sind erwachsen und führen ihr eigenes Leben, der Wiedereinstieg in den Beruf kann sich schwierig gestalten. Die Medizinpsychologin Dr. Beate Schultz-Zehden, eine anerkannte Expertin für Fragen der Frauengesundheit, hat in einigen Studien herausgefunden, dass Frauen mit einem befriedigenden Berufsleben weniger Beschwerden in den Wechseljahren haben. Allgemein gilt, dass gutes Selbstwertgefühl und ein ausgefülltes Leben gegen die Probleme in den Wechseljahren stehen.

Es ist durchaus möglich, diese Phase im Leben einer Frau als Neubeginn zu sehen. Der Beginn der Wechseljahre ist nicht das Ende eines weiblichen Lebens. Man darf nur nicht verdrängen oder die Tatsache als Katastrophe ansehen, dass man älter wird. Die Beschwerden sollten nicht ignoriert, aber auch nicht aufgebauscht werden. Es könnte an der Zeit sein, sich ein wenig mit sich selbst zu beschäftigen, Bilanz zu ziehen und in die Zukunft zu schauen. Es ist hilfreich, wenn frau die neue Situation nur einfach akzeptieren kann. Kleine Umstellungen können die Beschwerden mildern: Weniger Kaffee, ein Gang in die Sauna oder später ins Bett gehen - all das kann gegen die Probleme in den Wechseljahren helfen. Sport kann der Osteoporose vorbeugen und gleichzeitig den Kreislauf stabilisieren, die Stimmung heben und die Figur verbessern. Den Hitzewallungen kann man mit entsprechender Kleidung begegnen. Waschungen der Unterarme mit lauwarmem Wasser, und zusätzliche Wäsche zum Wechseln am Arbeitsplatz oder auf Reisen können die unangenehmen Zustände mildern.

Kosten: Gesetzliche Krankenkassen

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen die Hormontherapien, wenn der Arzt eine solche Anwendung verordnet. Die Kosten für pflanzliche Präparate werden dagegen nicht übernommen. Alle nicht verschreibungspflichtigen Arzneimittel müssen gesetzlich Versicherte aus eigener Tasche zahlen. Auch alternative Heilverfahren sind nicht Bestandteil des Leistungskatalogs der Krankenkassen. Doch manche Krankenkasse bietet hier Sonderleistungen wie Homöopathie, Akupunktur oder Phytotherapie. Hier hilft ein Blick auf die Internetseite der Krankenkasse oder ein Anruf beim Sachbearbeiter. Das gilt auch für Kurse zu Entspannungstechniken oder Fitnesstrainings.

Kosten: Private Krankenversicherung

Auch die privaten Krankenversicherungen erstatten die Kosten für Hormontherapien. Die privat Versicherten haben den Vorteil, dass auch nicht verschreibungspflichtige Medikamente gezahlt werden. Voraussetzung ist allerdings die Verordnung durch den Arzt. Ob alternative Heilmethoden von einer privaten Versicherung übernommen werden, ist auch hier Sache der Vertragsinhalte. Die Leistungen sind bei Vertragsabschluss festgelegt und können verhandelt werden.

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