Migräne - harmloser Schmerz oder ernsthafte Krankheit
Freitag, 01. Jan 2010, 08:00
Migräne ist ein gefürchteter Kopfschmerz mit schlimmen Folgen
Migräne ist eine recht häufige Ausformung von starken Kopfschmerzen, die meist als einseitiger, pochender oder pulsierender Schmerz wahrgenommen werden. Frauen sind bei Migräneanfällen wesentlich häufiger betroffen als Männer. Der Anteil der Frauen liegt diesbezüglich bei rund 14 Prozent. Männer sind hingegen viel seltener betroffen. Dies zeigt der deutlich niedrigere Prozentsatz von ungefähr acht Prozent. Der Schmerz wird oft von Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit, einem allgemeinen Krankheitsgefühl und Abgeschlagenheit begleitet. Ein Migräneanfall kann mitunter zwischen vier und 72 Stunden andauern. Die Migräne ist eine chronische Krankheit. Man kann zwar die Symptome lindern, doch die Ursache der Krankheit ist bisher nicht einmal bekannt, geschweige denn heilbar. Allgemein anerkannt ist, dass es sich um eine neurologische Erkrankung handelt. Einigkeit herrscht auch darüber, dass die Migräne eine komplexe funktionelle Störung ist.
Unterscheidung der Migräneanfälle
Eine Klassifikation benennt zwei Hauptformen der anfallartigen Kopfschmerzen: Migräne mit Aura oder ohne Aura. Die Migräne ohne Aura befällt die Betroffenen weitaus häufiger. Die Kopfschmerzen fangen plötzlich an und nehmen langsam aber stetig an Intensität zu. Es treten dann die üblichen Symptome auf, so dass sich die Betroffenen am liebsten in einen ruhigen, abgedunkelten Raum zurückziehen und warten, dass der Sturm vorüberzieht. Bei der Migräne mit Aura kündigen sich die Attacken mit Sehstörungen, Lichtblitzen und Ausfällen des Gesichtsfeldes an. Sprache und Gleichgewicht können gestört sein, und in manchen Fällen kribbelt es in einem Arm oder einem Bein. Auch Schwächegefühl in einem der Gliedmaßen kann ein Vorbote des Migräneanfalls sein.
Ursachen für den pochenden Kopfschmerz
Die einzige und alles erklärende Ursache der Kopfschmerzattacken gibt es nicht. Es gibt auch keine allgemein gültige und akzeptierte Erklärung für die Entstehung dieser sehr unangenehmen Krankheit. Doch scheint es zumindest einen genetischen Faktor zu geben. Oft sind mehrere Mitglieder einer Familie den Schmerzanfällen ausgesetzt, und auch die Zwillingsforschung unterstützt diese Ansicht.
Es gibt einige Theorien, wie Migräne entsteht. Im Gehirn gibt es sogenannte „Neurotransmitter“. Das sind Botenstoffe in den Nervenzellen, die dann ausgeschüttet werden, wenn die Zelle ihre Aufgabe erfüllen soll. Das Serotonin ist ein solcher Stoff. Es könnte sein, dass das Serotonin eine Rolle bei Migräneanfällen spielt. Man hat bei Migränepatienten eine höhere Konzentration an Serotonin im Blut festgestellt, wenn sie unter einem Migräneanfall standen.
Eine weitere Annahme geht von einem „Migräne-Generator“ im Kopf aus. Es gibt eine bestimmte Region im Gehirn, den Trigeminuskern. Eine begrenzte Entzündung der Nervenfasern führt zu einer Durchlässigkeit von bestimmten Stoffen, die wiederum Schmerzrezeptoren reizen. So wird die Hirnregion ständig stimuliert, was den Migräneschmerz auslösen und immer weiter verstärken kann.
Zahlreiche Auslöser
Gibt es eine immerhin überschaubare Zahl von Ursachen, so ist dagegen die Zahl der Auslöser sehr hoch und individuell verschieden. Stress und Langeweile, Schlafmangel und zu viel Schlaf, körperliche Belastungen oder hormonelle Schwankungen können Migräneanfälle auslösen. Auch Nikotin oder Alkohol, sogar bestimmte Nahrungsmittel können zu „Triggerfaktoren“ werden und eine Kopfschmerzattacke auslösen.
Folgen für Herz-Kreislauf-System
Es sind nicht nur die quälenden Kopfschmerzen, die Betroffenen heimsuchen. Neusten Studien zufolge haben Migräniker auch ein besonders hohes Risiko, einen Herzinfarkt zu bekommen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen in jeglicher Form tauchen bei Migränepatienten im 50 Prozent öfter auf als bei Gesunden. Dabei sind besonders Migränen mit Aura besonders gefährdet.
Vorherige Beobachtung erleichtert Diagnose
Die Diagnose kann nur der Arzt stellen. Es gibt noch einige andere Arten von Kopfschmerz, die gegen die Migräne abgegrenzt werden müssen. Welche Art von Untersuchungen nötig sind, um die richtige Diagnose zu stellen, entscheidet ebenfalls der Arzt. Hilfreich kann ein Kopfschmerz-Tagebuch sein. Kopfschmerzgeplagte sollten aufschreiben, wann und unter welchen Umständen die Kopfschmerzen auftreten, welches Ausmaß sie annehmen und wie lange sie dauern.
Bekämpfung der Symptome durch Therapie
Eine allgemein gültige und für jeden wirksame Therapie gibt es nicht. Entscheidend für die beste individuelle Migränebehandlung ist der Besuch beim Arzt, der dann weitere Schritte zur Diagnose und damit zu einer optimalen Behandlung vornehmen kann.
Triptane - die Helfer der Akuttherapie
Nach den Leitlinien der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft werden für leichte Migräneanfälle bestimmte Wirkstoffe wie NSAR (Nichtsteroidale Antirheumatika) oder das bekannte Paracetamol empfohlen. Bei schweren Migräneattacken werden Triptane als Mittel der Wahl genannt. Diese Arzneistoffe stimulieren die Serotonin-Rezeptoren.
Nach neueren Erkenntnissen werden auch akute Schmerzen mit einer Sauerstofftherapie entweder unter normalem Druck oder auch in einer Hochdruckkammer gelindert. Doch diese Maßnahmen stecken noch in den Kinderschuhen bedürfen weiterer eingehender Forschung.
Vorbeugung der Migräneattacken
Wenn die Migräneanfälle zu häufig werden und deshalb die Lebensqualität empfindlich stören, wird der Arzt auch zu einer medikamentösen Prophylaxe raten. Dann müssen ständig oder über bestimmte Zeiträume hinweg Medikamente genommen werden.
Es gibt aber auch Möglichkeiten, ohne Medikamente Migräneanfällen vorzubeugen. Allgemein kann man sich kritisch mit dem eigenen Lebensstil auseinandersetzen und die Auslöser der Schmerzattacken meiden. Verfahren zur Entspannung wie autogenes Training oder die progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen können Zahl und Intensität der Anfälle minimieren. Auch Biofeedback-Verfahren, bei denen biologische Vorgänge, die man ansonsten nicht direkt wahrnehmen kann, mit Hilfe bestimmter Apparate sichtbar gemacht werden, haben sich als vorbeugende Maßnahmen empfohlen. Weiterhin hat die Akupunktur zu guten prophylaktischen Ergebnissen geführt. Verhaltenstherapeutische Ansätze sind offensichtlich ebenfalls geeignet, sowohl Ursache als auch Auslöser für die Migräneattacken aufzuspüren.
Neuere Forschungen haben das „Faltenmittel“ Botox als Hilfe für Migränekranke ausgemacht. Bei klinischen Studien konnte die Zahl der schmerzfreien Tage deutlich erhöht werden. Strittig sind natürlich noch die Nebenwirkungen dieses Nervengiftes.
Kosten: Gesetzliche Krankenversicherung
Für gesetzlich versicherte Migränepatienten kann ihre Krankheit recht teuer werden. Bei leichter und mittelschwerer Migräne sind die wirksamen Arzneimittel in vielen Fällen nicht verschreibungspflichtig. Das bedeutet für die Betroffenen, dass sie solche Medikamente selbst zahlen müssen. Bei den sogenannten Triptanen, die bei schweren Fällen eingesetzt werden, sind ebenfalls zwei dabei, die selbst gezahlt werden müssen. Bei den rezeptpflichtigen Triptanen müssen Zuzahlungen geleistet werden, denn die gesetzlichen Krankenkassen gewähren nur Festbeträge.
Vorbeugende und unterstützende Verfahren sind in den meisten Fällen für Kassenpatienten nicht zu bekommen. Als psychotherapeutische Maßnahme zahlen die gesetzlichen Krankenkassen zwar die Verhaltenstherapie, aber die Kosten für andere Maßnahmen wie Biofeedback oder Verfahren und Übungen zur Entspannung werden nicht übernommen. Im Zuge einer Psychotherapie können zwar Entspannungsübungen durchgeführt werden, doch ist die Anzahl der Übungsstunden auf 12 begrenzt. Ständige Übungen müssen also auch wieder selbst getragen werden.
Die Wirksamkeit von Akupunkturbehandlungen ist in vielen Studien bewiesen worden. Doch diese Behandlung wurde nicht in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Es gab Vergleichsgruppen mit „Scheinakupunkturbehandlungen“, die ebenfalls Besserungen verzeichnen konnten. Zudem lag die Quote der Besserung bei medikamentöser Vorbeugung leicht höher. Sauerstoffbehandlungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen.
Kosten: Private Krankenversicherung
Privat versicherte Migränepatienten haben erheblich weniger Kosten. Die privaten Krankenversicherer zahlen auch frei verkäufliche Medikamente. Voraussetzung ist natürlich immer, dass diese Medikamente medizinisch notwendig und ärztlich verordnet sind. Sind Medikamente oder Behandlungen nicht zugelassen, zahlen auch die privaten Krankenversicherungen nicht.
Auch psychotherapeutische Behandlungen, Akupunktur oder Entspannungstechniken sind Behandlungs- und Prophylaxeformen, die von den privaten Krankenversicherungen bezahlt werden. Ein Blick in den Versicherungsvertrag und die Versicherungsbedingungen kann schon näheren Aufschluss geben. Wichtig ist auch hier, vor allem bei ungewöhnlichen Behandlungen und Therapieformen, sich bei seinem Krankenversicherer zu erkundigen. Es gibt zahlreiche Tarife, die unterschiedlich viele Behandlungsmöglichkeiten einschließen und viele verschiedene Therapiemöglichkeiten bieten.
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