Ratgeber Gebärmutterhalskrebs

HPV Impfung - Schutz gegen den gefährlichen Virus

Dienstag, 01. Sep 2009, 08:00
Die sogenannten Humanen Papillomviren sind die Auslöser für den Gebärmutterhalskrebs. In den meisten Ländern werden seit dieser Erkenntnis Mädchen und junge Frauen im Alter von 12 bis 17 Jahren gegen diese Erreger geimpft. Die Krankenversicherung übernimmt hierbei zum größten Teil die Kosten für diese Impfung.
HPV Impfung - besonders wichtig bei Mädchen und jungen Frauen

HPV Impfung - besonders wichtig bei Mädchen und jungen Frauen

HPV ist die Abkürzung für Humane Papillomviren. Diese Viren werden zum überwiegenden Teil beim Geschlechtsverkehr übertragen. Inzwischen kennt die Wissenschaft mehr als 120 Virustypen, von denen ungefähr 40 die Geschlechtsorgane befallen können. Diese genitalen HPV werden in zwei grobe Raster aufgeteilt: Die Hochrisiko- und die Niedrigrisikotypen. Die Hochrisiko-Viren sind in fast allen Tumoren des Gebärmutterhalses nachgewiesen worden. Bestimmte Hochrisikotypen, die Typen 16 und 18, sind zu einem hohen Anteil an der Bildung von Zervixkarzinomen, dem Krebs des Gebärmutterhalses, beteiligt. Die Niedrigrisiko-Viren haben so gut wie keinen Anteil am Entstehen eines Gebärmutterhalskarzinoms. Wenn Niedrigrisiko-Viren in einer Krebsgeschwulst nachgewiesen wurden, dann immer nur zusammen mit den als Hochrisikoviren bezeichneten Virentypen. Gibt es eine Infektion ausschließlich mit Viren des niedrigen Risikobereiches, sind die entstehenden Tumore immer gutartig. In den meisten Fällen werden Genitalwarzen, beispielsweise Feigwarzen ausgebildet.

Ursachen und Folgen der HPV-Infektion

Die Ansteckungen mit den Viren sind weit verbreitet. Etwa 80 Prozent der sexuell aktiven Männer und Frauen stecken sich bei ihren Aktivitäten mit Humanen Papillomviren an. Die meisten bemerken das gar nicht, denn das Virus bereitet zunächst keinerlei Beschwerden. Im Normalfall ist das menschliche Immunsystem durchaus fähig, allein mit dem Virus fertig zu werden. Bei 90 Prozent aller Infektionen schleusen die körpereigenen Abwehrkräfte die Erreger innerhalb von sechs bis 18 Monaten aus dem Körper. Doch unter bestimmten Risikofaktoren können sich die Viren in den Hautzellen festsetzen. Möglicherweise erst Jahre oder Jahrzehnte später können sie dann zu Gebärmutterhalskrebs führen. Es gibt einige Faktoren, die der Ansteckung mit den Viren Vorschub leisten: Ungeschützter Geschlechtsverkehr, Rauchen, häufig wechselnde Sexualpartner und sexuelle Aktivitäten in sehr frühem Alter sind einige dieser Bedingungen, die Ansteckungen begünstigen.

Die Viren selbst kann man nicht behandeln. Die Warzen und auch der Gebärmutterhalskrebs sind zu therapieren. Trotz aller Aufklärung und vieler Vorsorgeangebote erkranken in Deutschland über 6.000 Frauen an einem Zervixkarzinom. Rund 2.000 der Erkrankten sterben an dem Krebs. Wesentlich häufiger sind Gewebeveränderungen, die durch die Papillomviren verursacht werden. Sie werden als mögliche Vorstufen zur Entwicklung einer Krebserkrankung gesehen.

Impfung und Impfstoffe

Es sind zwei Impfstoffe in Deutschland verfügbar: „Cervarix“ und „Gardasil“. Letzteres stammt aus dem Hause des US-Pharmaherstellers MSD Sharp & Dohme. Seit Ende September 2006 ist der Impfstoff für Europa zugelassen und ist seit Oktober 2006 auch in Deutschland zu beziehen. Der Impfstoff „Cervarix“ von GlaxoSmithKline bekam ein Jahr später ebenfalls seine Zulassung. Die „Ständige Impfkommission“ am Robert-Koch-Institut (STIKO) empfahl die Impfung gegen die Viren im März 2007. Impfen lassen sollten sich Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren.

Wirkung und Nebenwirkungen der HPV-Impfung

Bei der Vielzahl von Papillomviren schützt der derzeit verfügbare Impfstoff vor zwei Virus-Typen, den Hochrisiko-Typen 16 und 18. Die sind aber sehr bedeutsam, weil bei 70 Prozent der Frauen, die an Gebärmutterhalskrebs erkrankt sind, diese beiden Virustypen einzeln oder zusammen nachgewiesen wurden. Das bedeutet, dass höchstens 70 Prozent der Erkrankungen durch die Impfung vermieden werden. Deshalb kann man nicht von einem 100-prozentigen Schutz durch die Impfung ausgehen.

Es gab eine große Diskussion über die Nebenwirkungen der Impfung. Die HPV-Impfung ist weltweit verbreitet, in mehr als 80 Ländern gibt es Impfempfehlungen. Insgesamt sind viele Millionen Frauen gegen die Papillomviren geimpft worden, in den Vereinigten Staaten bisher rund 23 Millionen. Wissenschaftler haben nun erstmals die Daten von über 12.000 geimpften Frauen untersucht. Nach diesen Untersuchungen sind die verfügbaren Impfstoffe in Bezug auf die Nebenwirkungen mit anderen Impfstoffen vergleichbar. Bei sechs Prozent der Fälle gab es schwere Nebenwirkungen: Ohnmachtsanfälle, allergische Probleme, Blutgerinnsel oder Autoimmunstörungen. 32 der geimpften Frauen starben. Doch ob die Todesfälle direkt auf die Impfung zurückzuführen ist, wurde nicht eindeutig geklärt. Die Rate der Nebenwirkungen lag bei Ohnmachtsanfällen und Blutgerinnseln höher als bei vergleichbaren Impfungen.

Gleich nach der Zulassung der Impfstoffe setzten massive Werbeaktionen ein. Es wurde suggeriert, dass eine HPV-Impfung ein totaler Schutz gegen die Papillomviren sei. Die Medienkampagne löste geradezu eine Welle von Impfungen aus. Doch die bekannten Studien können keine definitiven Aussagen über die Wirksamkeit machen. Es ist nach wie vor ungewiss, wie lange der Schutz anhält. Es gibt auch keine Langzeitstudien, die den tatsächlichen Nutzen der Impfung beweisen. Die Impfung schützt sehr gut vor der Infektion mit den beiden Hochrisikoviren, ob jedoch das Krebsrisiko tatsächlich bei den geimpften Frauen minimiert wird, kann erst durch Langzeitstudien abgeklärt werden.

Die vorhandenen Impfstoffe sind nach den Erkenntnissen der STIKO fast zu 100 Prozent gegen Infektionen mit den beiden Hochrisiko-Virustypen wirksam. Gegen Infektionen mit anderen Virus-Typen, die ebenfalls Gewebeveränderungen hervorrufen, ist die Wirkung natürlich wesentlich geringer. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Impfung bei einer bereits bestehenden Infektion mit den Papillomviren kaum noch anschlägt. Das könnte auch bedeuten, dass die Impfungen in vielen Fällen zu spät vorgenommen werden. Sie sollten dann durchgeführt werden, wenn es noch keine sexuellen Aktivitäten gibt.

Die gesetzliche Krankenversicherung und die HPV-Impfung

Im Juni 2007 übernahm der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die Empfehlung und setzte die Impfung als Leistung der gesetzlichen Krankenkassen fest. Das heißt, dass die Krankenkassen die Impfung für Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren bezahlen. Einige gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Impfkosten auch für junge Mädchen und junge Frauen, die jünger oder älter als das empfohlene Alter sind. Bei einem Preis von rund 500 Euro für drei Impfungen sind die Kosten für die Impfungen recht hoch. Diese drei Impfungen sind nötig, um anhaltenden Schutz zu haben. Es dauert rund ein halbes Jahr, bis die Impfungen ihre volle Wirkung entfalten können.

Wissenschaftler und Mediziner haben im November 2008 die HPV-Impfung und ihren Nutzen in Frage gestellt. Der G-BA hat die ständige Impfkommission um eine erneute Prüfung und Bewertung der Impfung ersucht. Im August 2009 hat die STIKO ihre Empfehlung erneuert. Mädchen im empfohlenen Alter sollten sich nach den Empfehlungen der Kommission impfen lassen. Die Impfung wird also weiterhin von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Die private Krankenversicherung und die HPV-Impfung

Genau wie die gesetzlichen Krankenkassen hinterfragen die privaten Krankenversicherer Sinn und Nutzen der HPV-Impfung. Für die Kosten der Impfung kommen sie jedoch in den meisten Fällen auf. Darüber hinaus gibt es Versicherungen, die nicht nur Impfungen im empfohlenen Alter übernehmen, sondern auch vorher oder später. In Einzelfällen ist ein Nachweis nötig, dass keine HPV-Infektion vorliegt. Dann kann in jedem Alter geimpft werden. Ausschlaggebend für die Übernahme der Impfkosten sind grundsätzlich die Versicherungsbedingungen der jeweiligen privaten Krankenversicherung. Es ist in jedem Fall angebracht, sich vor einer Impfung über die genauen Konditionen bei dem privaten Krankenversicherer zu erkundigen.

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