Depression - Symptome und Therapiemöglichkeiten
Samstag, 01. Okt 2011, 08:00
Depressionen müssen möglichst schnell behandelt werden
Depressive Menschen sind permanent traurig, bedrückt oder verzweifelt. Das Gefühl von andauernder Sinnlosigkeit und Trübsinn verlässt sie nie. Sie haben das Interesse an allen Dingen verloren, die sonst wichtig und interessant waren. Menschen mit einer Depression haben grundsätzlich keinen eigenen Antrieb. Ebenso können körperliche Erscheinungen wie Schlafstörungen, Gewichtsverlust, Atemprobleme und Verdauungsstörungen mit einer depressiven Erkrankung einhergehen. Die Depression ist schon lange keine seltene Erkrankung mehr. Nach neuen Erhebungen sind 121 Millionen Menschen weltweit an Depressionen erkrankt. Schätzungen geben an, dass die Hälfte der Bundesbürger entweder selbst von der Krankheit betroffen oder zumindest durch Kontakte zu depressiven Angehörigen oder Freunden mit der Erkrankung in Berührung gekommen ist. Es mag paradox erscheinen, dass gerade in den Gesellschaften der westlichen Industrienationen Depressionen stark zunehmen, obwohl der Lebensstandard ist hier am höchsten ist.
Moderne Gesellschaften bereiten den Boden
Doch Experten sehen gerade darin das grundsätzliche Problem. Eine solche Gesellschaft stellt große Anforderungen an ihre Mitglieder. Sie müssen mit vielen Problemen und Herausforderungen fertig werden. Die moderne Arbeitswelt, Arbeitslosigkeit und Überforderung schüren die Angst vor der Zukunft. Die Zahl der Scheidungen und der Alleinerziehenden steigt, die Schwierigkeiten in wirtschaftlicher Hinsicht sind oft kaum lösbar. Viele ältere Menschen sind einsam, doch das kann auch für Jüngere gelten. Das alles kann die Tendenz zu Depressionen fördern und vertiefen.
Die Symptome der Depression
Es ist oft nicht leicht, die Grenzen zwischen ganz normaler und alltäglicher schlechter Laune, der gelegentlichen Niedergeschlagenheit und einer veritablen Depression zu ziehen. Doch in den meisten Fällen lässt sich eine Depression durchaus von einer vorübergehenden schlechten Stimmung unterscheiden. Professor Ulrich Hegerl von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe beschreibt Depressionen als „hässlichen, kalten Zustand“. Bei einem solchen Zustand sei es enorm wichtig, die Symptome zu kennen und so schnell wie möglich Hilfe zu holen. Viele Depressive sind suizidgefährdet. Jedes Jahr begehen 9.600 Menschen in Deutschland Selbstmord. Nach Ansicht von Fachleuten könnten durch rechtzeitige Hilfe und Behandlung viele Selbstmorde verhindert werden.
Die wichtigsten Anzeichen:
- Ständige gedrückte Stimmung und Niedergeschlagenheit
- Mangelnder Appetit und Gewichtsabnahme
- Schlafstörungen
- Permanente und qualvolle Unruhe
- Ständiger Rückzug
- Kein Interesse an normaler Aktivität, an Spaß und Vergnügungen
- Hemmungen beim Denken, Unentschlossenheit und schlechte Konzentration
- Keine Energie, ständige Müdigkeit
- Kaum sexuelles Interesse
- Verlust des Selbstbewusstseins
- Unangemessene Schuldfühle, Befürchtungen von Verarmung
- Gedanken kreisen ständig um den Tod, um Selbstmord und Selbstmordversuche
Formen von Depressionen
Die Ausprägungen und Erscheinungsformen der Depression sind vielfältig. Die Medizin katalogisiert Depressionen folgendermaßen:
| Formen der Depression | Kurzerklärung und Gliederung |
|---|---|
| 1. Endogene Depression |
Weder körperliche noch psychische Ursachen
|
| 2. Somatogene Depression |
Direkter Zusammenhang mit körperlichen Krankheiten
|
| 3. Psychogene Depression |
Nachweislich besteht ein Zusammenhang mit seelischen, traumatischen Ereignissen
|
| 4. Besondere Lebenslagen | Zusammenhang mit individuellen Lebensumständen |
| 5. Sonstige | Winterdepression, larvierte Depression |
1. Die endogene Depression
Wenn der Arzt weder eine körperliche noch eine seelische Ursache für eine Depression ausmachen kann, so diagnostiziert er eine endogene Depression. Die Krankheit entsteht offenbar einfach von innen heraus. Die Ursachen für diese Depressionsform können in einem fehlgeleiteten Stoffwechsel der Gehirnzellen, in einem Mangel an bestimmten Stoffen liegen. Doch auch genetische Gegebenheiten können zum Entstehen einer Depression beitragen. Eine endogene Depression verläuft in Phasen. Der Beginn ist sehr langsam, man spürt kaum etwas von den Symptomen. Die Symptome verschwinden nach einiger Zeit. Oft bleibt eine solche Depression einmalig, doch gibt es auch mehrfache Anfälle. Die häufigste Form ist die Unipolare Depression. Die Erkrankten haben hierbei ausschließlich depressive Phasen.
Bipolare Depression
Typisch für diese Art der psychischen Störung ist der Wechsel von depressiven und manischen Phasen. "Himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt" - so beschreibt eine Redensart solche Zustände. Phasen tiefer Niedergeschlagenheit wechseln mit überdrehtem Verhalten und Selbstüberschätzung. Ein anderer Begriff für diese Depressionsform ist die "manisch-depressive Erkrankung".
2. Somatogene Depressionen
Diese Form der Depression kommt nur im Zusammenhang mit körperlichen Krankheiten vor, tritt jedoch eher selten auf. Diese Depression wird in verschiedene Formen unterteilt, nicht zuletzt wegen einer gezielten Behandlung.
Symptomatische Depression
Die Depression wird hier als Symptom einer anderen Erkrankung beschrieben. So können Morbus Cushing, Schilddrüsenstörungen, AIDS oder TBC sowie chronische Erkrankungen wie Herz- und Nierenerkrankungen, die CPOD oder Vitaminmangel die psychische Erkrankung auslösen.
Pharmakogene Depression
Hier wird die Depression durch bestimmte Medikamente hervorgerufen. Das können Mittel gegen Bluthochdruck, kortisonhaltige Präparate, ältere Verhütungsmittel oder Krebsmittel zur Hemmung des Zellwachstums sein. Auch durch Antiepileptika, Mittel zur Behandlung schizophrener Störungen oder auch hoher Alkoholkonsum können zu Depressionen führen.
Organische Depression
Bei einer solchen Depression liegt eine Erkrankung des Gehirns vor. So können Gehirntumore, Migräne oder Epilepsie, Parkinson oder eine Degeneration von Gehirnzellen die Ursache für die psychischen Probleme sein.
3. Die psychogene Depression
Bei dieser Form der Depression gibt es immer eine Verbindung zwischen traumatischen Vorfällen und dem Auftreten der depressiven Symptomatik. Auch diese Form unterscheidet sich durch unterschiedliche Ausprägungen.
Erschöpfungsdepression
Es besteht immer ein Zusammenhang zwischen ständiger Anspannung im Beruf oder im Privatleben. Durch ständige Überforderung, Drang nach Perfektion und allgemein hohe Belastung kann eine solche Depression entstehen. Allgemein bekannt ist dafür auch der Begriff des Burnout-Syndroms.
Neurotische Depression
Hier sind es unverarbeitete Erlebnisse aus dem Leben des Erkrankten, die zu einer Depression führen. In vielen Fällen sind es Erlebnisse aus der Kindheit, fehlende Sicherheit und Geborgenheit während der Entwicklung.
Reaktive Depression
Die Depression hat dabei ihre Ursachen in aktuellen Konflikten. So kann der Tod des Partners, ein Unfall, die Scheidung oder Arbeitslosigkeit die Betroffenen in eine Depression stürzen. Rund 20 Prozent der Menschen, die sich mit derartigen Problemen auseinandersetzen müssen, reagieren mit den Symptomen einer Depression.
4. Depressionen bei individuellen Lebensumständen
Bei dieser Form der Depression sind die Lebensumstände der Auslöser für die Erkrankung. So kennt man die Wochenbettdepression von Frauen, die entbunden haben. Die klimakterische Depression befällt Frauen, die mit dem Klimakterium nicht fertig werden. Durch fortschreitendes Alter kann eine Altersdepression ausgelöst werden. Doch auch Kinder können depressiv werden. Wenn gerade hier keine Behandlung erfolgt, kann sich die Depression durch das ganze Leben ziehen.
5. Weitere Formen von Depressivität
Vielen Menschen ist die Winterdepression bekannt. In den dunklen Jahreszeiten, in Herbst und Winter, fühlen sich viele Menschen schwach, verstimmt und gedrückt und ziehen sich zurück. Die Bandbreite einer solchen depressiven Verstimmung kann sich von einer eher harmlosen Melancholie bis zu schweren Manifestationen einer Depression erstrecken.
Larvierte Depression
Diese Depression versteckt sich förmlich hinter körperlichen Erscheinungen. Ständige Kopfschmerzen, Herzprobleme und Schwierigkeiten mit dem Verdauungstrakt wie Blähungen und Darmkrämpfe können Zeichen einer Depression sein. Doch hier müssen sehr genaue Untersuchungen sicherstellen, dass diese Symptome nicht von einer organischen Erkrankung herrühren.
Die Ursachen der Depression
Die Ursachen der Depression sind bisher immer noch unbekannt. Eine einzige und allgemeingültige Erklärung gibt es nicht. Damit die Krankheit sich manifestieren kann, müssen immer mehrere Faktoren zusammenkommen.
| Die Ursachen | Ausprägung |
|---|---|
| Biologische Gegebeneiten |
|
| Psychologische Faktoren |
|
Grundsätzlich spielen zwei wichtige Faktoren eine Rolle für die Entwicklung einer Depression.
- Die Lebensumstände eines Menschen bestimmen die positiven Gefühle und Empfindungen. Wer in glücklichen und zufriedenen Verhältnissen lebt und agiert, ist weniger anfällig für die Entwicklung einer Depression.
- Das eigene Verhalten kann zur psychischen Gesundheit beitragen. Ein offener Mensch, der auf seine Umwelt zugeht, bekommt positives Feedback. Menschen mit einer depressiven Veranlagung neigen zum Rückzug. Durch negative Reaktionen auf solche Verhaltensmuster werden depressive Impulse verstärkt.
Die Diagnose
Eine richtige und qualifizierte Diagnose, ob eine Depression vorliegt oder nicht, kann nur ein Arzt stellen. Es gibt zwar beispielsweise im Internet Selbsttests zur Eigenkontrolle, doch solche Tests können höchstens Anhaltspunkte liefern, aber niemals die ärztliche Diagnose ersetzen.
Wichtig ist vor allem, dass andere Ursachen für die entsprechenden Symptome oder Verhaltensweisen ausgeschlossen werden. Körperliche Untersuchungen wie eine Blutanalyse oder eine Computeruntersuchung des Gehirns können körperliche Ursachen ausschließen.
Wenn die Diagnose sicher gestellt werden konnte, wird der Arzt untersuchen, wie schwer die Depression ist. Nach dem festgestellten Schweregrad der Erkrankung richtet sich die Behandlung.
Die Therapie
Die Therapie richtet sich nach den individuellen Symptomen, der Ausprägung und dem Schweregrad der Erkrankung. Zur Verfügung stehen Medikamente und verschiedene Formen der Psychotherapie.
Leichte Depression
Hier ist in den meisten Fällen eine ambulante Gesprächstherapie ausreichend. Auch andere Verfahren sind oft erfolgreich. Die interpersonelle Therapie ist eigens zur Behandlung der Depression entwickelt worden. Dabei steht der Patient, sein Umfeld und seine Rolle in diesem Umfeld im Mittelpunkt.
Mittelschwere Depression
In solchen Fällen werden meist Medikamente eingesetzt. Antidepressiva können ebenfalls mit einer Psychotherapie kombiniert werden. Die Behandlung übernimmt ein Psychiater oder Psychotherapeut. Gerade bei solchen Problemen ist die Zusammenarbeit mit anderen behandelnden Ärzten unerlässlich.
Schwere Depression
In derartigen Konstellationen könnte ein Aufenthalt im Krankenhaus notwendig werden. Vor allem bei Selbstmordgefährdung ist die stationäre Behandlung das Mittel der Wahl. In der Klinik werden die Patienten ebenfalls mit Medikamenten behandelt. Zusätzlich werden psychotherapeutische Behandlungen durchgeführt. Durch die strukturierte Behandlung soll der Patient wieder einen strukturierten Tag erleben.
Allgemeine Therapieformen sind zum Beispiel die Bewegungstherapie. Bei vielen Untersuchungen wurde festgestellt, dass Bewegung die Stimmung verbessern kann. Bei der Winterdepression kann die Lichttherapie hilfreich sein. Auch eine Wachtherapie durch Schlafentzug verschafft einigen Erkrankten Ermutigung und Stärkung. Als pflanzliches Medikament werden auch Präparate aus Johanniskraut eingesetzt. Obwohl diese Medikamente nicht rezeptpflichtig sind, sollte ihre Verwendung vorsichtig geschehen. Keinesfalls sollten diese Präparate ohne Rücksprache mit dem Arzt eingesetzt werden. Es ist nicht genau bekannt, welcher der zahlreichen Inhaltsstoffe der Pflanzenpräparate die antidepressive Wirkung hat.
Tipps für Angehörige von depressiv Erkrankten
Gerade bei einem depressiven Menschen ist seine Umgebung, sind die Angehörigen besonders gefordert. Viele Angehörige leiden mit, wenn sich der Partner verändert, wenn ein vorher lebensbejahender und fröhlicher Mensch plötzlich nur noch klagt und sich zurückzieht. Sie können auch aggressiv und wütend werden. Einige Tipps können helfen, besser auf die Situation zu reagieren und Fehler zu vermeiden.
- Ärztliche Hilfe suchen: Viele Menschen mit Depressionen erkennen ihre Situation nicht oder sind selbst nicht in der Lage, selbst Hilfe zu suchen. Gerade bei Depressionen ist aber eine frühe Behandlung wichtig. Es ist also durchaus legitim, wenn sich die Angehörigen für den Erkrankten an einen Arzt wenden.
- Viel Geduld: Wenn sich die Erkrankten zurückziehen, sich abwenden, nur noch klagen und düstere Gedanken haben, müssen Angehörige Geduld zeigen. Es ist kontraproduktiv, den Betroffenen vorzuwerfen, dass sie überzogen reagieren. Vielmehr sollte man sich positiv äußern und klar sagen, dass Depressionen eine ernsthafte Erkrankung sind, die aber durchaus erfolgreich behandelt werden können.
- Kein Streit: Es bringt gar nichts, wenn man einem Betroffenen zu erklären versucht, dass sein Empfinden falsch ist. Der Betroffene erlebt seine Wirklichkeit tatsächlich so negativ. Auch wenn der Kranke zurückweisend und ablehnend ist, sollten sich Angehörige und Freunde nicht zurückziehen. Die Zurückweisung ist Teil der Krankheit.
- Keine Überforderung: Angehörige sollten ihre eigenen Interessen nicht aus den Augen verlieren. Der Umgang mit einem Depressiven, vielleicht über Wochen und Monate hinweg, kann sehr belastend sein. Man sollte sich öfter belohnen, den eigenen Freundeskreis pflegen.
- Keine Ratschläge: Ebenfalls kaum förderlich ist es, einem depressiven Angehörigen zum Beispiel vorzuschlagen, er solle ausspannen oder für ein paar Tage verreisen. Er kann nicht entspannen. Wenn die Umgebung nicht vertraut ist, können sich Symptome sogar verschlimmern.
- Keine aggressiven Vorwürfe: Es ist völlig verfehlt, einem Depressiven zu sagen, der solle sich "zusammenreißen" oder "nicht so anstellen". Mit solchen Äußerungen stürzt man einen Erkrankten noch mehr in Schuldgefühle und negative Empfindungen. Anstelle von Vorwürfen braucht ein Depressiver Zuwendung und Unterstützung. Jeder eigene Antrieb, jede eigene Handlung muss verstärkt werden.
Kosten: Gesetzliche Krankenkassen
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für Medikamente gegen Depressionen, wenn diese Medikamente ärztlich verordnet und verschreibungspflichtig sind. Wenn eine stationäre Behandlung nötig wird, so werden auch hier die Kosten übernommen. Auch psychotherapeutische Behandlungen werden gezahlt. Die Voraussetzung ist, dass die Therapie von einem approbierten Psychotherapeuten durchgeführt wird. Dieser Arzt muss zwingend eine Kassenzulassung haben. Er muss also eine Berechtigung der jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigung haben.
Es sind nur drei Therapieverfahren von den Krankenkassen zugelassen.
- Psychoanalyse mit maximal 300 Stunden
- Tiefenpsychologische Psychotherapie mit 100 Stunden
- Verhaltenstherapie zwischen 80 und 100 Stunden
Andere Therapieformen können ebenfalls von den Krankenkassen gezahlt werden. Doch sind dann Gutachten und ärztliche Begründungen notwendig. In solchen Fällen sollte man sich direkt mit seiner Krankenkasse in Verbindung setzen.
Kosten: Private Krankenversicherung
Die privaten Krankenversicherer übernehmen ebenso wie die Krankenkassen die Kosten für Medikamente, Behandlungen in Kliniken und auch Psychotherapien. Eine allgemeine Aussage über Art und Umfang der Kostenübernahme, die Dauer und Art der Therapien kann man an dieser Stelle nicht machen. Diese Bedingungen sind bei den verschiedenen Versicherern unterschiedlich. Wie immer hilft hier der Blick in die Vertrags- und Versicherungsbedingungen und den Versicherungsumfang. Bei besonderen Fragen kann ein Anruf bei der jeweiligen Versicherung Klärung bringen. Vor dem Abschluss einer privaten Krankenversicherung sollte deshalb darauf geachtet werden, ob pychotherapeutische Behandlungen im Leistungsumfang der Police enthalten sind.






