Rösler will Bewegung in den Pharmamarkt bringen
Montag, 08. Mär 2010, 14:42
Rösler will den deutschen Arzneimittelmarkt vollkommen reformieren.
Das Konzept ist von einer Expertengruppe erarbeitet und vorgelegt worden. Werden diese Vorschläge Wirklichkeit, so gehört die uneingeschränkte Monopolstellung der Pharmahersteller der Vergangenheit an. In anderen europäischen Ländern ist es bereits völlig normal, dass sich die Krankenkassen mit den Herstellern über die Preise auseinandersetzen und sich auf niedrige Preise einigen können. Das soll nun auch in Deutschland so ablaufen. Wenn es denn keinen Konsens geben sollte, so drohen den Pharmafirmen festgelegte Höchstpreise. Der Sprecher des Gesundheitsministers, Christian Lipicki, sagte gestern in Berlin, dass man bereits seit Längerem über Sparmöglichkeiten nachdenke. “Sobald das Konzept spruchreif ist, wird es der Öffentlichkeit vorgestellt.” Geplant seien “mutige Schritte” auch im Bereicht der Pharmaindustrie.
Einzelheiten
Die Details der geplanten Neuerungen sehen vor, dass die Hersteller von Arzneimitteln gleichzeitig mit der Zulassung die Ergebnisse einer Studie vorlegen müssen. Finanziert von den Pharmaherstellern selbst soll diese Untersuchung nachweisen, dass dieses neue Medikament für Patienten und Krankheiten zusätzlichen Nutzen bietet. Es muss dabei auch nachgewiesen werden, ob es bereits vergleichbare Produkte auf dem Markt gibt oder ob das neue Medikament einzigartig und innovativ in seiner Wirkung ist.
Verhandlungsmöglichkeiten
Bisher ist das Prozedere anders. In Deutschland bestimmt der Hersteller den Preis für ein Arzneimittel, und die Krankenkasse zahlt den geforderten Preis gleich nach der Zulassung. Für ein tatsächlich einzigartiges Medikament soll es zukünftig den Krankenkassen möglich sein, über die Preise zu verhandeln. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen wird in diesem Zusammenhang Rahmenbedingungen ausarbeiten und festlegen. Die Details bleiben den Gesprächen zwischen den Krankenkassen und den Pharmafirmen überlassen. Es sollen auch kurzfristig greifende Maßnahmen erwogen werden, wie zum Beispiel Zwangsrabatte oder das Einfrieren der Budgets für patentgeschützte Arzneimittel.
Stimmen zu den bekannt gewordenen Plänen gab es natürlich auch schon. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen begrüßte die geplanten Sparmaßnahmen. Es sei wichtig, dass bei neuen Medikamenten Kosten und Nutzen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen und das Preismonopol der Hersteller zu Ende gehe. Völlig entgegengesetzt reagierte naturgemäß der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie. “Sparen bei der Pharmaindustrie, das lässt sich gut verkaufen – ist aber populistisch und löst die Probleme nicht”, meint Verbandschef Bernd Wegener.
Anreize
Doch er kann den Sparplänen auch positive Seiten abgewinnen. Es komme darauf an, wie solche Maßnahmen eingesetzt werden. Wenn es schlecht laufe, entstehe mehr Bürokratie, im besten Fall jedoch das notwendige Gleichgewicht zwischen den Ausgaben für Medikamente und den unbedingt notwendigen Forschungen und Innovationen. Eine positive Sicht wird auch der bessere Weg sein, denn eine Einigung mit den Krankenkassen verspricht der Pharmaindustrie nur Vorteile. Wenn Verhandlungen positiv verlaufen, so muss ein Medikament nicht mehr durch die Kosten-Nutzen-Analyse des Institutes für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Fällt ein Arzneimittel durch die Prüfung des IQWiG, so wird es von den gesetzlichen Krankenkassen nicht mehr gezahlt.
Stürmische Aussichten
Werden die Pläne in Gesetze oder Verordnungen umgewandelt, so wird es sicherlich Widerstand geben, zumal die Regelungen auch für Medikamente gelten soll, die bereits in Umlauf sind. Zwangsverhandlungen Höchstpreise, eingefrorene Budgets und Zwangsrabatte sind sicherlich keine erfreulichen Aussichten, die die Pharmaindustrie einfach kritiklos hinnehmen wird.






