Pflegerat kritisiert Pläne der Bundeskanzlerin
Dienstag, 07. Sep 2010, 12:45
Einsatz von Hartz IV Empfängern in der Pflege scharf kritisiert
In einem Interview mit der Bild am Sonntag ließ die Bundeskanzlerin weitere Schritte in der Neuordnung der Pflege erkennen: Es sei nicht einzusehen, dass Pflegekräfte nur noch aus Osteuropa kommen sollten, wenn man doch selbst 2,2 Millionen arbeitsfähige Transferempfänger habe, so Merkel. Dies klingt für den Präsidenten des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) Bernd Meurer nach Zwangsrekrutierung. Für ihn der falsche Weg, denn die Pflege kranker, alter und gebrechlicher Menschen erfordert Motivation, Fachkenntnis und persönliche Eignung, erklärte Meurer am vergangenen Montag.
Pflegefachkräfte pauschal abqualifiziert
„Entsetzt über diese verbale Entgleisung unserer Kanzlerin“ ist DPR-Präsident Andreas Westerfellhaus. Die 1,2 Millionen Pflegefachkräfte werden durch diese Äußerungen pauschal abqualifiziert, so der DPR-Chef. Ingenieure werden durch die Kanzlerin als Fachkräfte bezeichnet, engagierte Personen in der Pflege sind dies offenbar nicht. Der DPR-Präsident wirft Frau Merkel offenkundige Ahnungslosigkeit über die Anforderungen des Pflegeberufes vor. Prinzipiell spricht für den Pflegerat nichts gegen den Einsatz von Hartz IV Empfängern in der Pflege. Dazu müssten allerdings die notwendigen Voraussetzungen für eine Umschulung geschaffen werden. Nett und kommunikativ zu sein, reiche nicht aus, um sich für einen Pflegeberuf zu qualifizieren, so Westerfellhaus.
Verdi fordert mehr Berufsförderung
Weitere Kritik an den Plänen der Kanzlerin kommt aus den Lagern der Gewerkschaft Verdi. Bundesvorstandsmitglied Ellen Paschke erklärte: „Wer sonntags fordert, dass mehr Pflegekräfte aus dem eigenen Land kommen sollten, darf nicht werktags die Mittel für die Ausbildung streichen“. Am Ende des Jahres läuft die Förderung der Umschulung zur Altenpflege durch die Arbeitsagentur aus, dies entschied die schwarz-gelbe Koalition. Der Pflegerat weist schon seit geraumer Zeit auf einen sich immer stärker forcierenden Fachkräftemangel in der Pflege hin. Verdi rechnet damit, dass die Zahl der pflegebedürftige Menschen bis zum Jahr 2030 um ein Drittel auf 3,3 Millionen Menschen steigen wird.
Attraktivität von Pflegeberufen steigern
Um neues, junges Fachpersonal für die Pflegeberufe begeistern zu können, muss das Ansehen dieser Jobbranche gesteigert werden. Seit dem 1. August 2010 gibt es einen tariflichen Mindestlohn in den Pflegeberufen. Dieser beträgt derzeit 8,50 Euro in den alten und 7,50 Euro in den neuen Bundesländern. Ebenso wird von den Fachkreisen seit langem die Einführung von Pflegekammern gefordert. Hier könnten sich die Fachkräfte selbst verwalten und einheitliche Mindestqualifikationen zum Wohle der pflegebedürftigen Menschen festlegen. Ähnlich ist es dem medizinischen Personal in den Ärztekammern bereits seit Langem möglich.






