Zuzahlungspflichtige Arzneimittel

Mehr Zuzahlungen: Medikamente werden teurer

Mittwoch, 01. Sep 2010, 13:42
Gesetzlich Versicherte müssen sich künftig auf häufigere Zuzahlungen für Medikamente einstellen. Das teilt die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände mit. Grund ist die schlechte Finanzlage der Krankenkassen. Ab heute werden nur noch rund 5.500 Arzneimittel zuzahlungsbefreit sein. 2009 waren es noch 10.000 Medikamente.
Immer mehr Medikamente sind zuzahlungspflichtig.

Immer mehr Medikamente sind zuzahlungspflichtig.

Millionen gesetzlich Versicherte müssen sich wieder auf höhere Kosten einstellen. Wie die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) mitteilte, werden künftig nur noch rund 5.500 von derzeit etwa 30.300 verkäuflichen Arzneimitteln von Zuzahlungen befreit sein. Das sind gerade einmal rund 18 Prozent. Noch im vorherigen Jahr hatte die gesetzliche Krankenversicherung das Doppelte an Medikamentenpackungen vollständig übernommen, so die ABDA. Grund für den immensen Einschnitt ist die schlechte Finanzlage der gesetzlichen Krankenkassen. Der GKV-Spitzenverband erhofft sich mit den vermehrten Zuzahlungen noch höhere Einsparungen. Die ABDA geht davon aus, dass die gesetzlichen Krankenkassen allein im vergangenen Jahr durch Zuzahlungen ein Plus von mehr als 1,7 Milliarden Euro erwirtschaftet hätten. Sofern ein rezeptpflichtiges Medikament zuzahlungspflichtig ist, sind gesetzlich Versicherte verpflichtet zehn Prozent, jedoch maximal zehn Euro, einer Arzneimittelpackung zu tragen. In bestimmten Fällen ist es jedoch möglich, in der Apotheke ein zuzahlungsbefreites Austauschpräparat zu erhalten.

Immer mehr zuzahlungspflichtige Medikamente

Laut Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände hätte sich allein in einem Jahr die Zahl der von Zuzahlungen befreiten Medikamente um mehr als die Hälfte reduziert. Ab heute sind nur noch 5.524 von den 30.317 Arzneimitteln gänzlich von Zuzahlungen befreit. Das sind gerade einmal 18,2 Prozent und somit weniger als jede fünfte Packung. Am 1. August 2010 hatte sich die Zahl der zuzahlungsbefreiten Arzneimittel auf 8.416 von 30.372 Medikamenten, also auf 27,7 Prozent, reduziert. Im vorherigen Jahr waren hingegen noch 36,1 Prozent aller Medikamente zuzahlungsbefreit. Somit wurden 10.550 von 29.230 Medikamenten vollständig von der Krankenkasse getragen, so die ABDA.

Höhere Gewinne für Krankenkassen

Grund für die steigenden Zuzahlungen sind laut ABDA neue Festbeträge und neue Grenzen für Zuzahlungsbefreiungen. Arzneimittel gelten dann als zuzahlungsbefreit, sofern deren Preise mindestens 30 Prozent unter dem jeweiligen Festbetrag liegen, also unter dem Höchstbetrag, den eine Krankenkasse für ein Medikament erstattet. Die Pharmahersteller haben jedoch die Möglichkeit die Preise ihrer Medikamente alle 14 Tage an den beschlossenen Festbetrag anzupassen und können somit stetig bestimmen, ob für Medikamente Zuzahlungen getätigt werden müssen oder nicht.

Durch die neuen Festbeträge erhoffen sich die Krankenkassen zusätzliche Ersparnisse bei den Pharmaunternehmen von jährlich mehr als 460 Millionen Euro. Zudem sollen nun mehr Gewinne durch höhere Zuzahlungen eingestrichen werden. Wie die ABDA berichtet, hätten die gesetzlichen Krankenkassen allein im vergangenen Jahr mehr als 1,7 Milliarden Euro durch zuzahlungspflichtige Medikamente erwirtschaftet.

Zuzahlungsbefreite Arzneimittel durch Apotheke

Sind rezeptpflichtige Medikamente zuzahlungspflichtig, müssen gesetzlich Versicherte zehn Prozent des Arzneimittelpreis selbst tragen. Dabei entsprechen die Zuzahlungen zwar immer den tatsächlichen Kosten des Medikaments, jedoch müssen Patienten mindestens fünf Euro und maximal zehn Euro zahlen. Die Apotheken sind per Gesetzt verpflichtet die Zahlungen von den Versicherten einzuziehen und das Geld an die jeweiligen Krankenkassen weiterzuleiten. Laut ABDA ist es in bestimmten Fällen aber auch noch in der Apotheke möglich, per Computerprogramm ein Austauschpräparat zu finden, das von Zuzahlungen befreit ist.




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