Blutzuckertest für Diabetiker

Krankenkassen werden Teststreifen nicht mehr zahlen

Donnerstag, 10. Mär 2011, 14:09
Diabetes ist zu einer Volkskrankheit geworden. Weltweit gibt es über 194 Millionen Diabetiker. In Deutschland liegt die Zahl der Betroffenen bei über sechs Millionen. In jedem Jahr müssen die gesetzlichen Krankenkassen rund 900 Millionen Euro für die Teststreifen bezahlen, mit denen die Patienten die Höhe ihres Blutzuckers feststellen können.
Teststreifen für Zuckerkranke sind teuer und heftig umstritten

Teststreifen für Zuckerkranke sind teuer und heftig umstritten

Von den sechs Millionen deutschen Diabetikern leiden mehr als 90 Prozent an Diabetes Typ 2. Die Hersteller und ihre Lobbyisten behaupten immer wieder, dass mit der regelmäßigen Blutzuckermessung Folgeschäden des Diabetes verhindert werden könnten. Doch diese Aussagen sind umstritten. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat Wirkung und Nutzen der Teststreifen untersucht und festgestellt, dass bei einer guten Einstellung von Typ-2-Diabetikern, die nicht insulinpflichtig sind, kein Vorteil durch die regelmäßige Blutzuckermessung mit Teststreifen festzustellen ist. Die Messungen belasten die Gemeinschaft der Versicherten, habe aber für die Gesundheit der Patienten kaum einen Nutzen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) wird nun vermutlich in seiner Sitzung am 17. März 2011 beschließen, dass die Teststreifen nicht mehr von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlt werden.

Höhere Ausgaben für Diabetiker Typ 2

Die Selbsthilfeorganisationen schätzen die Zahl der Betroffenen, die nach einem solchen Beschluss ihre Teststreifen selbst bezahlen müssen,  auf rund drei Millionen. Der Ausschluss soll für Zuckerkranke gelten, die ausschließlich mit Tabletten behandelt werden. Für Diabetiker, die mit Insulin behandelt werden müssen, werden die Teststreifen weiterhin von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Auch ist eine Reihe von Ausnahmen vorgesehen. Wenn die Stoffwechselwerte auf eine Instabilität hinweisen, bei Grippeerkrankungen oder bei langen Flugreisen sollen Ärzte bis zu 50 Teststreifen verschreiben dürfen.

Diabetes ohne Teststreifen ist wie Blindflug

Der Deutsche Diabetiker Bund (DDB) ist der Ansicht, dass die Streichung der Teststreifen aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen sachlich und rechtlich falsch sei. Obwohl der GBA der Meinung ist, dass “weder für die Blutzuckerselbstmessung noch für die Urinzuckerselbstmessung einen Beleg für einen Nutzen bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2” zu erkennen sei, will der Verband das nicht akzeptieren. Der DDB sagt auf seiner Internetseite, dass die Streichung der Teststreifen den “Verlust des wichtigsten Instruments des Diabetes-Selbstmanagements” bedeuten würde. Mit Demonstrationen und Gutachten über die Versorgungslage bei Diabetikern Typ 1 und Typ 2 will die Interessenvertretung gegen die Absichten des GBA vorgehen.

Gewinne nur für die Industrie

Der GBA wird sich jedoch davon kaum beeinflussen lassen. Man vermutet dort vielmehr, dass die Hersteller die mehr als großzügige Verschreibungspraxis gefördert habe. Es ist erstaunlich, dass die Messgeräte zu den Teststreifen verschenkt werden. Offenbar sind nur die Streifen Garantie für hohe Gewinne. Der Gesundheitsökonom Gerd Glaeske aus Bremen hält den Ausschluss der Teststreifen für gerechtfertigt. Er stellt fest, dass es große Auffälligkeiten bei der Verschreibung gibt. Man habe "überzogene Verordnungen von 10.000 Teststreifen pro Person" festgestellt. Es sei möglich, dass mit den Teststreifen gehandelt worden sei. Einem derartigen Missbrauch müsse ein Ende gemacht werden.

Ärzte akzeptieren den Ausschluss der Teststreifen

Diese Zustände sind dann auch der Auslöser gewesen, um den Nutzen der Teststreifen genauer unter die Lupe zu nehmen. Offensichtlich sehen die Ärzte die Situation ähnlich. Die Ärzteschaft, die im GBA vertreten ist, hat bisher weder Widerspruch oder entsprechende Erklärungen gegen den Ausschluss der Teststreifen verlauten lassen. Die kassenärztliche Bundesvereinigung will aber nach dem Beschluss eine Untersuchung und Bewertung, ob der Wegfall der Teststreifen Auswirkungen auf die Häufigkeit der Besuche beim Arzt nach sich zieht.

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