Private Krankenversicherung im Test

Finanztest: Billige PKV-Tarife mit erheblichen Leistungslücken

Mittwoch, 16. Mär 2011, 10:10
Angesichts der momentan unsicheren Entwicklungen im gesetzlichen Gesundheitssystem wünschen sich viele Versicherte einen Wechsel in die private Krankenversicherung. Einige Tarife sind schon für geringe Beiträgen zu haben, doch wie viel sollte eine PKV kosten? Finanztest nahm nun einige Billig-Tarife im Test unter die Lupe.
Auf grundlegende Leistungen sollte nicht verzichtet werden

Auf grundlegende Leistungen sollte nicht verzichtet werden

Seit Jahresbeginn sind die Wechselbedingungen von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in die private Krankenversicherung (PKV) vereinfacht worden. Die Versicherungspflichtgrenze muss nur noch ein Jahr und nicht wie vorher drei Jahre in Folge überschritten werden. Nun überlegen nicht nur immer mehr angehende Selbstständige, sondern auch gutverdienende Angestellte den Wechsel in die private Krankenversicherung. Einige Versicherungsunternehmen bieten genau für diese Zielgruppe sogenannte Lockangebote an, die vor allem mit günstigen Beiträgen werben. Doch aufgepasst: Der Stiftung Warentest-Ableger Finanztest warnt eindringlich vor einem unbedachten Wechsel in einen dieser Billig-Tarife: "Nicht krank werden!", heißt es angesichts der massiven Leistungsdefizite der Tarife in der April-Ausgabe des Testunternehmens.

Selbstbehalt statt Chefarztbehandlung

Chefarztbehandlungen und kurze Wartezeiten beim Arzt, das wünschen sich viele Versicherte von einer privaten Krankenversicherung. Doch gibt es das auch für rund 100 Euro im Monat? Eher nicht. In der Regel sind sogar meist äußerst geringe Leitungen zu erwarten. Ärztehonorare werden nur im geringen Maße übernommen. Wenn durch den Mediziner mehr berechnet wird, muss dies aus eigener Tasche finanziert werden. Auch für Zahnbehandlungen sind häufig geringe Jahresobergrenze vereinbart. Psychotherapien und Heilmittel wie Krankengymnastik werden in vielen Fällen sogar gar nicht übernommen. Dafür muss der Versicherte dann selbst aufkommen – die eingesparten Beiträge sind so schnell verbraucht.

Absichern für den Fall der Fälle

Wer sich einredet, man sei sowieso nie krank und braucht deshalb keine umfassende Leistungen in der Krankenversicherung, der handelt nach Meinung von Finanztest zwar menschlich, aber dennoch falsch. Als Beispiel gilt das Krankentagegeld. Wer auf Grund von niedrigen Beiträgen darauf verzichtet, riskiert im Fall der Fälle als Selbstständiger seine Existenz und die soziale Abhängigkeit. Alle Leistungen, die nicht durch die Krankenversicherung übernommen werden, müssen vom Versicherten selbst getragen werden. Eine Nachversicherung im Krankheitsfall ist nicht mehr möglich. Auch vereinbarte Selbstbehalte lassen sich in der Regel später nicht mehr senken. Finanztest rät also dazu, dass die Leistungen eines PKV-Tarifes mindestens die der gesetzlichen Krankenversicherung beinhalten sollten.

Beiträge steigen mit dem Alter

Noch etwas sollte vor einem Abschluss eines Discount-Tarifes abschrecken: Die Beiträge werden in keinem Fall so niedrig bleiben wie zum Versicherungsbeginn, sondern vervielfachen sich im Alter, um das in der Regel ansteigende Krankheitsrisiko abzusichern. Finanztest rät deshalb dazu, allgemein eine private Krankenversicherung nur abzuschließen, wenn man dauerhaft so viel sparen kann, dass die Beiträge auch im Alter finanzierbar sind. 

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