Euroforum-Konferenz

Explodierende Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung

Dienstag, 31. Aug 2010, 15:36
Die Euroforum-Konferenz mit dem Thema “PKV im Aufbruch” fand am 30. und 31. August in Berlin statt. In seiner Auftaktrede sprach Professor Dr. Jürgen Wasem von der Universität Duisburg /Essen über seine Einschätzung des neuen Gesetzes, das die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung neu regeln soll.
Immer höhere Beiträge - Kostensteigerungen gehen weiter

Immer höhere Beiträge - Kostensteigerungen gehen weiter

“Gesetz zur nachhaltigen und sozial ausgewogenen Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung” oder kurz GKV-FinG: Das ist der korrekte Name des vom Bundesministerium für Gesundheit vorgelegte Gesetz. Professor Wasem ist der Meinung, dass die Folgen und Auswirkungen des GKV-FinG aktuell keine Auswirkungen auf die private Krankenversicherung (PKV) haben werde. Erst auf längere Sicht könnte das Gesetz Konsequenzen für die Wettbewerbsfähigkeit der PKV haben. In der Tendenz, so die Prognose Jürgen Wasems, könnte die Situation der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gegenüber der privaten Krankenversicherung gestärkt werden. Er beschäftigte sich in seiner Rede vor allem mit den Kostensteigerungen im Gesundheitswesen, die auch das neue Gesetz im Fokus hat. Wasem sprach über eine Situation, wie sie sich zukünftig darstellen könnte.

Kosten werden steigen

Die Annahme ist, dass in den nächsten Jahren die Einnahmen der GKV aus den Beiträgen jährlich um zwei Prozent steigen werden. Gleichzeitig werden sich die Ausgaben in den gleichen Zeiträumen um vier Prozent erhöhen. Das Konzept des Gesundheitsministers basiert auf dem Grundsatz, dass die Versicherten die Kostensteigerungen durch die Zusatzbeiträge allein tragen müssen. Wird dieses Konzept ohne Einschränkungen in die Realität umgesetzt und auch durchgehalten, so müssen sich die gesetzlich Versicherten bereits im Jahr 2015 auf durchschnittliche Zusatzbeiträge von 22,90 Euro einstellen. Die Finanzierungslücke wird dann größer als 14 Milliarden Euro sein.

Zusatzbeiträge finanzieren das Gesundheitssystem

Die Zusatzbeiträge würden dann bereits bei 15,2 Prozent des einheitlichen Beitrages liegen, den die Versicherten an den Gesundheitsfonds zahlen. Wenn aber diese Situation als durchaus realistisch angenommen werden kann, dann wird die Lage im Jahr 2020 noch weiter angespannt und zugespitzt sein. Der Zusatzbeitrag wird zu diesem Zeitpunkt nach dem Zukunftsszenario die stolze Höhe von fast 74 Euro haben. Das sind bereits mehr als 43 Prozent des normalen Beitrages zur gesetzlichen Krankenversicherung.

Sozialausgleich nicht gesichert

Professor Wasem sieht die Finanzierung des Sozialausgleichs sehr kritisch. Durch diesen Ausgleich sollen die Versicherten der GKV vor finanzieller Überforderung bewahrt bleiben. Bis zum Jahr 2014 einschließlich soll die Finanzierung aus den Liquiditätsreserven des Gesundheitsfonds abgedeckt werden. Das aber, so Wasem, sei nichts als ein “Taschenspielertrick”. Eine Liquiditätsreserve sei nichts anderes als eine Reserve und könne auch nur so genutzt werden. Niemand wisse bisher, wie unter solchen Umständen nach 2015 die Finanzierung über den Haushalt zustande kommen solle.

Krankenkassen fürchten den Zusatzbeitrag

Die gesetzlichen Krankenkassen unternehmen alles, damit sie keinen Zusatzbeitrag erheben müssen. Denn die Mitglieder laufen ihnen sonst davon, wie sich bereits gezeigt hat. Karen Walkenhorst von der Techniker Krankenkasse benennt deshalb das erklärte Ziel der Krankenkassen: Die Vermeidung eines Zusatzbeitrages. Trotz der finanziell besseren Aussichten für 2011 fängt die Arbeit für das Jahr 2012 wieder von vorn an. Es wird erst dann ruhiger an der Front der Zusatzbeiträge, wenn alle Krankenkassen mit dem Zusatzbeitrag leben müssen. Wenn das so weit ist, können einzelne Krankenkassen ihren Zusatzbeitrag für ihre Werbung nutzen. Nur dann ist es erklärbar, warum die Höhe der Zusatzbeiträge unterschiedlich ist und wo der Nutzen für die Versicherten liegt.




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