Deutsche suchen Arztpraxis besonders häufig auf
Mittwoch, 20. Jan 2010, 12:53
Ärzte haben immer weniger Zeit für ihre Patienten - statistisch nur 8 min.
Laut dem Barmer GEK Report verzeichnet jeder Deutsche im Laufe eines Jahres durchschnittlich 18,1 Arztbesuche. Für die rund 150.000 niedergelassenen Ärzte bedeutet das pro Tag 45 Patienten. Damit bleiben den Medizinern für jeden Patienten rund acht Minuten Zeit zur Behandlung. Die Anzahl der Arztbesuche liegt hierzulande rund doppelt so hoch wie in anderen Ländern. Schweden verzeichnet rund drei, Österreich und Frankreich rund sieben Besuche pro Jahr. Lenkungsinstrumente wie besispielsweise die Praxisgebühr haben ihr Ziel hierzulande verfehlt, sagen Experten. Sie fordern neue Wege zur Kanalisierung der Ressourcen.
Ressourcen besser nutzen
Der Barmer GEK Report bezieht sich auf Zahlen von 2008 und wurde vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung (ISEG) in Hannover im Auftrag der Barmer GEK durchgeführt. Autor Dr. Thomas Grobe vom ISEG sieht die Ressourcen im deutschen Gesundheitssystem nicht optimal ausgenutzt. Seit einigen Jahren sei der Trend zu immer häufigeren Arztbesuchen zu beobachten. Von 2007 zu 2008 betrug die Steigerung 0,3 Arztbesuche. Grundlage in dem seit fünf Jahren erstellten Bericht bilden die Daten von knapp zwei Millionen Versicherten der ehemaligen Gmünder Ersatzkasse (GEK). Diese hatte zu Beginn dieses Jahres mit der Barmer Ersatzkasse fusioniert.
Praxisgebühr nutzlos
Damit hat jeder deutsche Arzt jährlich 10.735 Patientenkontakte zu verzeichnen, das sind 224 in der Woche. Jeder Behandlungsfall erfordert im Schnitt 2,5 Patientenkontakte. Barmer GEK-Vorstandsvize Dr. Rolf-Ulrich Schlenker erkennt hierin eine hohe Akzeptanz, die das deutsche Gesundheitssystem bei den Patienten genieße. Die Fülle der Angebote spricht für ein qualitativ hochwertiges Gesundheitssystem. Allerdings müssen die Angebote besser gesteuert und kanalisiert werden. Lenkungsmechanismen wie die Praxisgebühr haben es nicht geschafft, überflüssige Arztbesuche und teure Facharztbehandlungen zu vermeiden.
Schlenker sieht Krankenkassen, Hausarztverbände und Kassenärztliche Vereinigungen in der Pflicht. Ihnen obliege eine koordinierte Versorgung der Patienten. In Regionen mit medizinischer Unterversorgung müssten seiner Ansicht nach Krankenhäuser ins Boot geholt werden, um die Grundversorgung in hoher Qualität sicherzustellen.
Kostenfaktor Arztbesuche
Die häufigen Arztbesuche sind ein bedeutender Kostenfaktor in der gesetzlichen Krankenversicherung. Laut Präventionsbericht 2009, der vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen herausgegeben wird, stiegen die Ausgaben für Prävention und Gesundheitsförderung deutlich an. 2008 wurden durch diese Angebote zwar neun Millionen Menschen erreicht, doch dies verursachte Kosten in Höhe von 340 Millionen, 40 Millionen mehr als noch 2007. Je Versicherten geben die Krankenkassen damit 4,83 Euro für die Gesundheitsvorsorge aus. Der gesetzlich fixierte Richtwert liegt bei 2,78 Euro je Versicherten.






