Pflege

Demenzversorgung: Angehörige brauchen Unterstützung

Samstag, 23. Jan 2010, 17:02
Laut einer aktuellen Studie wird die Versorgung von Demenzkranken immer noch zu einem Großteil von Angehörigen übernommen. Experten von Krankenkassen und Pharmaunternehmen haben daher eine Verbesserung der Pflege und die systematische Hilfe für Betroffene gefordert.
Demenz: Angehörige brauchen Unterstützung bei der Pflege.

Demenz: Angehörige brauchen Unterstützung bei der Pflege.

Demenzkranke werden vor allem durch das Engagement pflegender Angehöriger versorgt. So lautet das Ergebnis der neuesten Studie der Initiative Demenzversorgung in der Allgemeinmedizin (IDA). Sie wurde am vergangenen Mittwoch in Berlin vorgestellt. Mit 390 teilnehmenden Probanden und deren Angehörigen ist sie international eine der größten Interventionsstudien bezüglich der ambulanten Versorgung von Demenzpatienten. Die Studie wurde durch die AOK Bayern, dem AOK-Bundesverband und den Pharmaunternehmen Pfizer und Eisa ins Leben gerufen.

Angehörige tragen Hauptlast

Die Statistik belegt, dass ein Großteil der notwendigen Versorgungskosten für Demenzkranke durch Angehörige getragen werden. Im Durchschnitt würden die Kosten für einen betroffenen Patienten etwa 47.000 Euro jährlich betragen, so Professor Rolf Holle vom Helmholtz Zentrum München. Müsste die von der Familie geleistete Pflege von einem professionellen Pflegedienst erbracht werden, so würde dies die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung zusätzlich mit ca. 37.600 Euro pro Patient belasten, betonte Holle. Er erklärte, dass momentan für die Kassen nur Kosten in Höhe von 10.000 Euro entstünden.

Deutsches Pflegesystem in der Kritik

Durch die demographischen Veränderungen sei eine familiäre Hilfe in Zukunft aber immer weniger möglich, sagte Professor Holle. Seiner Meinung nach stünden die Sozialsysteme vor enormen finanziellen Belastungen.

Dr. Herbert Reichelt, Vorsitzender des AOK-Bundesverbandes, kritisierte das deutsche Pflegesystem: Es gäbe immer noch zu wenig maßgeschneiderte Entlastungs- und Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige. Vor allem Menschen mit geringem Einkommen würden entsprechende Angebote selten annehmen, häufig würden sie die Pflege vollkommen selbständig organisieren, sagte Reichelt.

Bessere Beratung notwendig

Dr. Sonja Wunder, Sprecherin der AOK Bayern plädierte für eine bessere Angehörigenberatung, sofern ein Demenzfall in der Familie auftritt. Erfahrungen der AOK Bayern zeigten, dass viele betroffene Angehörige eine Unterstützung zunächst ablehnten, da man die Demenz meist nicht wahrhaben wolle, erläuterte Wunder. Daher müssten Berater zunächst eine Vertrauensbasis zu den Angehörigen aufbauen, um dann konkrete Unterstützung anbieten zu können, so die Auffassung Sonja Wunders.

Auch der Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, Heike Lützau-Hohlbein, forderte mehr praktische Hilfen für Angehörige in der Versorgung von Demenzkranken. Die Angebote müssten zudem individueller gestaltet sein, da sich nicht jeder in einer Selbsthilfegruppe wohlfühle oder einen Betreuungsnachmittag als Hilfe empfinde.

Pharmakonzerne unterstützen Forderungen

Für eine Verbesserung der Versorgung von Demenzkranken sprachen sich auch die an der Studie teilnehmenden Pharmaunternehmen aus: Voraussetzung für eine reibungslose Pflege von Demenzpatienten sei auch, dass alle Akteure an einem Strang ziehen, so ein Sprecher der Pfizer GmbH, Dr. Andreas Penk. Andreas Wiegand, Geschäftsführer des Pharmakonzerns Eisai unterstützte diese Ansicht: Er regte einen „Nationalen Demenz Plan“ an.
 




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