Barmer GEK Pflegereport 2011

Das Pflegerisiko steigt dramatisch an

Mittwoch, 30. Nov 2011, 13:56
Wieder einmal werden die Probleme der demografischen Entwicklung in Deutschland beschworen. Wieder einmal mahnen Experten eindringlich, sich auf die wachsende Zahl der Pflegebedürftigen und Demenzkranken einzustellen. Der Pflegereport der Barmer GEK macht klar, dass schnell und nachhaltig gehandelt werden muss.
Die Zahl der Pflegebedürftigen wird pemanent ansteigen

Die Zahl der Pflegebedürftigen wird pemanent ansteigen

Es ist schon längst zu einer Binsenweisheit geworden: Die Deutschen werden immer älter. Daraus resultiert, dass auch die Zahl der Pflegebedürftigen immer größer wird. Frauen sind auf Grund ihrer höheren Lebenserwartung stärker betroffen. Für 72 Prozent der Frauen besteht das Risiko, dass sie zumindest einmal in ihrem Leben pflegebedürftig werden. Der Prozentsatz bei den Männern beträgt zwar im Gegensatz dazu nur 50 Prozent, ist aber immer noch sehr hoch. In den letzten Jahren ist das Lebensrisiko Pflegebedürftigkeit stetig größer geworden. Im Zeitraum von 1999 bis 2009 nahm die Zahl der Betroffenen um 16 Prozent zu. Aktuell gibt es 2,34 Millionen Menschen, die auf Pflege angewiesen sind. Rund die Hälfte davon sei dement, sagte Rolf-Ulrich Schlenker, Vize-Chef der Barmer GEK. Der Trend sei weiter ansteigend, so dass die Pflegeversicherung in Deutschland große Belastungen schultern müsse.

Mehr Geld für die Pflegeversicherung

Der Politik wird von allen Seiten klar gemacht, dass es großen Handlungsbedarf gibt. Auch Schlenker fordert, dass die Pflegereform so schnell wie möglich in die Tat umgesetzt wird. Doch was bisher in Aussicht gestellt worden sei, reicht seiner Ansicht nach kaum aus. Man müsse sich vor "Stückwerk" hüten. Durch die geplante Erhöhung des Beitrages zur Pflegeversicherung sollen 1,1 Milliarden Euro mehr in die Kassen gespült werden. Das reiche aber bei weitem nicht aus. Man brauche drei Milliarden Euro.

Höhere Beiträge sind unausweichlich  

Die Gelder werden vor allem benötigt, um den Begriff der Pflegebedürftigkeit neu zu definieren. Bisher gibt es drei Stufen, nach denen die Betroffenen eingruppiert werden. Zukünftig soll es fünf Stufen geben, um die verschiedenen Krankheitsbilder und Probleme genauer einordnen zu können. Studienautor Heinz Rothgang sieht deshalb nur eine Möglichkeit, dem steigenden Bedarf gerecht zu werden. Der Beitrag zur Pflegeversicherung wird steigen müssen. Auch die ständig steigende Zahl der Pflegebedürftigen und die lange Dauer der Pflege lassen keinen anderen Schluss zu. Rothgang ist der Meinung, dass der Beitrag auf 3,2 Prozent angehoben werden muss. Nach den Vorstellungen von Gesundheitsminister Daniel Bahr sollen die Beiträge ab 2013 um 0,1 Prozent auf 2,05 Prozent ansteigen.

Tadel für den Pflege-Riester

Auch Rolf-Ulrich Schlenker kritisiert die Vorgaben für die Pflegereform. Er hält nichts von der freiwilligen Zusatzversicherung zur Pflege, die Daniel Bahr steuerlich begünstigen will. Es müsse sichergestellt sein, dass es keinen "Riester für Reiche" gebe. Die steuerliche Förderung komme vorrangig den Besserverdienenden zugute.  Die ganze Förderung könnte zu einem totalen Misserfolg werden. Für die große Zahl der "kleinen Leute", für Geringverdiener wäre eine zusätzliche Absicherung besonders wichtig. Man müsse der Gefahr entgegenwirken, "dass die Falschen gefördert werden".

Politik handelt zu zögerlich  

Ein kleines Lob kann Schlenker auch aussprechen. Die Anhebung des Beitrags zur Pflegeversicherung sei "vertretbar". Die Beteiligung der Arbeitgeber sieht er ebenfalls positiv. "Das Umlageverfahren bleibt unangetastet, die Individualisierung des Pflegerisikos begrenzt." Auf den neuen Pflegebegriff wird man aber noch warten müssen. Daniel Bahr hat bereits klar gesagt, dass es keine schnelle Einführung geben werde. Der Pflegebeirat sei dafür zuständig. Doch der Druck wächst. Der Vorsitzende des Beirates, der Sozialexperte Jürgen Gohde, hat sich bereits mehrfach über die Hinhaltetaktik der Koalition beschwert und mit ernsten Konsequenzen gedroht.




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