Chef der Barmer GEK fordert Schließung von Kliniken
Dienstag, 03. Jan 2012, 13:36
In zahlreichen deutschen Krankenhäusern stehen viel zu viele Betten leer
In einem Gespräch mit der Zeitung "Die Welt" hatte Straub seine Meinung geäußert. "Es gibt heute zu viele Krankenhäuser und vor allem zu viele Krankenhausbetten", so seine Auffassung. "Wir leisten uns Strukturen, die größer und teurer sind als in anderen Ländern." Es sei durchaus möglich, dass die Versorgung der Bevölkerung wesentlich häufiger ambulant geschehen könne. Alternativ könnten auch kürzere stationäre Aufenthalte mögliche sein. "Dabei müssen niedergelassene Ärzte und angestellte Krankenhausärzte sowohl ambulante als auch stationäre Leistungen erbringen können." Dazu müsse die überkommene Struktur von Arztpraxen und Kliniken geändert werden. Hilfreich sei eine einheitliche Vergütung von ambulant und stationär erbrachten Leistungen. Christoph Straub verlangt die Einrichtung von "ambulant-stationären" Einheiten, die traditionelle Kliniken ersetzen sollen.
Heftiger Widerspruch gegen neue Schließungen
Christoph Straub hat mit seinem Vorstoß eine Welle der Empörung ausgelöst. Vertreter der Krankenhäuser und Ministerien haben darauf hingewiesen, dass in den letzten Jahren bereits bereits eine große Zahl von Betten abgebaut wurde und Kosten gesenkt wurden. "Die Kliniken haben ihre Hausaufgaben gemacht", so Thomas Reumann. Er ist Vorstandsmitglied der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Die Kliniken könne man keinesfalls als Kostentreiber bezeichnen. Man habe sie im Gegenteil "wie eine Zitrone" ausgepresst. Die Forderung des Barmer-GEK-Chefs seien "völlig daneben".
Abbau von Betten ist zu simpel
Zustimmung für Straub gab es beim Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). In einem späteren Statement hatte Straub verdeutlicht, dass es nicht nur um simple Schließung von Kliniken gehe, sondern eher um strukturelle Reformen. Der GKV-Spitzenverband bescheinigte Straub, dass er mit seiner Meinung nicht allein dastehe. Verbandssprecher Florian Lanz machte klar, dass in deutschen Kliniken jedes fünfte Bett nicht genutzt wird. Allerdings könne der Abbau des Bettenüberschusses nur individuell durchgeführt werden. Das Gesundheitsministerium in Rheinland-Pfalz wandte sich gegen die Forderungen. "Die platte Forderung nach einer Schließung von Krankenhäusern und dem Abbau von Betten ist keine Lösung", heiß es aus dem Ministerium.
Ländliche Versorgung muss sichergestellt werden
Der Tenor des Widerspruchs ist überall gleich. Die Versorgungsstrukturen in den einzelnen Regionen müsse betrachtet werden. Statt mit radikalen Eingriffen sollten die Probleme durch Kooperation oder Fusionen gelöst werden. Vor allem in ländlichen Gebieten soll das Recht der Bevölkerung auf eine gute medizinische Versorgung immer im Vordergrund stehen. Auch die Kommunen stehen auf dem gleichen Standpunkt. Auf dem Land gebe es sogar Unterversorgungen, und eine Zwei-Klassen-Versorgung von Land und Stadt müsse unter allen Umständen verhindert werden.
Verbraucherschützer geben Straub Recht
Zum guten Schluss hat sich auch die Verbraucherzentrale zu Wort gemeldet. „Die Patienten werden zum Teil zu schnell eingewiesen, insofern gibt es zu viele Betten und möglicherweise auch zu viele Kliniken“, sagt Christoph Kranich, der Gesundheitsexperte der Verbraucherzentrale in Hamburg. In einigen Fällen hätten Krankenhäuser sogar Prämien für Einweisungen gezahlt. "Das Krankenhaus macht ja auch krank", so seine Warnung. Man müsse nur an die rund 15.000 Menschen denken, die durch Infektionen im Krankenhaus in jedem Jahr sterben. Auch Kranich sieht die Lösung der Probleme in einer besseren Verzahnung des ambulanten mit dem stationären Arbeitsbereich.






