Bahr verlangt Sparsamkeit von privater Krankenversicherung
Mittwoch, 18. Jan 2012, 13:23
Privat Krankenversicherte müssen im neuen Jahr entschieden mehr für die Gesundheit zahlen
Die Medienberichte über Steigerungen der Beiträge von bis über 25 Prozent sind keine Seltenheit. In der Fernsehsendung MARKTCHECK des SWR wird zum Beispiel von einem privat krankenversicherten Mann berichtet, der nach 33 Jahren Mitgliedschaft nun eine Erhöhung seiner Beiträge von 590 auf 740 Euro hinnehmen musste. Das sei kein Einzelfall, sagen die Reporter. Die Versicherer betonen, dass die explodierenden Gesundheitskosten die Unternehmen geradezu zwingen, die Prämien anzuheben. Der PKV-Verband hat dem Verbrauchermagazin auf eine Anfrage mitgeteilt, dass die Leistungen der Versicherungen im vergangenen Jahr um 3,8 Prozent angestiegen sind und die Preissteigerungen bei 1,1 Prozent lagen. "Dies wirkt sich zwangsläufig auf die Versicherungsbeiträge aus", so der PKV-Verband. Doch die Beiträge werden oft noch sehr viel stärker angehoben.
Gesundheitsminister mahnt die PKV
In die Diskussion um die steigenden Kosten für die Privatpatienten hat sich auch Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) eingeschaltet. Die rund 40 Unternehmen der PKV müssten unbedingt alle Möglichkeiten ausschöpfen, um die Versicherten zu entlasten und ihnen günstigere Tarife anzubieten. Dass das oft gar nicht so einfach ist, sieht der Minister durchaus. Die privaten Krankenversicherungen können den Markt nicht grundsätzlich so beeinflussen, dass die Preise moderat gehalten werden können. Die Möglichkeiten der PKV am Markt sind ziemlich begrenzt.
Einsparungen bei Medikamenten sollten helfen
In einem Interview mit dem Radiosender MDR Info sagte der Minister, dass es trotz allem Pflicht und Schuldigkeit" der PKV sei, dass die Kosten für ihre Versicherten nicht weiter steigen. Trotz der Probleme sollten die Versicherten, ganz gleich ob sie Mitglieder der privaten oder der gesetzlichen Krankenversicherung sind, einen Wechsel der Krankenversicherung genau prüfen und überlegen. Es könne immer "erhebliche Folgen" geben. So gibt er zu bedenken, dass es in der PKV keine kostenlose Familienversicherung gebe. Andererseits sei das Leistungsspektrum der Privaten sehr viel größer als in der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Regierung habe den privaten Krankenversicherern mit dem Arzneimittelsparpaket bereits sehr geholfen, denn die Preise für Arzneimittel seien deutlich geringer geworden.
Leistungen werden ausgedünnt
Für die Versicherten der PKV haben diese Kostensenkungen aber offensichtlich keine allzu großen Auswirkungen. Der Bund der Versicherten sagte dem "Hamburger Abendblatt", dass die Prämien der Versicherten in diesem Jahr durchschnittlich um fünf bis zehn Prozent angestiegen sind. Doch es gab auch stärkere Erhöhungen. Dabei bleibt es nach den Angaben des Vorstandsmitgliedes Thorsten Rudnik aber nicht. "Bei den Leistungen wird gekürzt, es wird immer kleinlicher abgerechnet. Waren es bei einer Massage mal 20 Euro die erstattet wurden, sind es heute nur noch 18 Euro."
Ausweg Tarifwechsel
Auf jeden Fall aber gibt es einen Ausweg. Ein Wechsel von einem teuren zu einem günstigeren Tarif ist immer dann möglich, wenn die Beiträge erhöht werden. Ein genauer Vergleich kann lohnend sein. Nach vielen Berichten kann man sagen, dass ein Tarifwechsel nicht immer leicht ist. Es gibt Versicherer, die das erschweren oder sogar verhindern wollen. Man befürchtet wohl finanzielle Einbußen oder auch die Gefahr, dass durch starke Wechselbewegungen günstige Tarife teurer werden. Doch alle Verbraucherschützer legen den Betroffenen ans Herz, nicht aufzugeben und sich die günstigen Tarife notfalls zu erkämpfen.
GKV
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