Allgemeine Ortskrankenkassen

AOK Plus: Schulnoten sollen Arztwahl erleichtern

Mittwoch, 08. Sep 2010, 14:04
Die AOK Plus möchte ihren Versicherten die Orientierung bei der Ärztewahl erleichtern und plant dafür eine große Bewertungsaktion. Künftig will die Krankenkasse ihre Versicherten auffordern beispielsweise Wartezeiten, Einrichtung und Behandlungsqualität ihrer Ärzte einzuschätzen. Ärzteverband und Unabhängige Patientenberatung begrüßen die Aktion.
Durch Schulnoten will die AOK Plus die Arztwahl verbessern

Durch Schulnoten will die AOK Plus die Arztwahl verbessern

Die größte Krankenkasse in Sachsen und Thüringen, die AOK Plus, will in Zukunft die Haus- und Fachärzte durch ihre Mitglieder bewerten lassen. Hierfür sollen die Versicherten im Internet Schulnoten für die Behandlung in einer Arztpraxis vergeben, wobei Schwerpunkte wie Zustand der Praxis, Kompetenz des Personals, Terminvergabe, Wartezeiten und die Behandlung eine Rolle spielen sollen. Ziel ist es, den Versicherten die künftige Arztwahl maßgeblich zu erleichtern und eine Orientierungshilfe zu geben. Die Befragungen sollen laut AOK Plus im Januar 2011 beginnen, wobei sich auch alle anderen Ortskrankenkassen an der Bewertungsaktion beteiligen wollen. Bereits in diesem Frühjahr hatte es einige Testläufe in Hamburg, Berlin und Thüringen gegeben. Dabei war die Resonanz der Teilnehmer jedoch eher verhalten ausgefallen. Indessen haben sich die Unabhängige Patientenberatung und die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen für die Bewertungsaktion der AOK Plus ausgesprochen. Bei der Art der Bewertung zeigte man jedoch Bedenken, da das Verfahren zu subjektiv sei.

Testphase gefloppt

Erste Testreihen zur neuen Bewertungsaktion der Ortskrankenkassen hatte es bereits im Frühjahr dieses Jahres gegeben. Dabei fand die Benotung besonders in Thüringen jedoch nur wenig Anklang. Wann genau das neue Bewertungsverfahren bundesweit starten soll, ist bisher noch unbekannt. Ursprünglich sollte die Aktion im Herbst 2010 starten. 

Schulnoten für Praxis und Ärzte

Die AOK Plus teilte mit, dass im kommenden Jahr allein zwei Millionen Versicherte in Sachsen aufgefordert werden sollen, ihre behandelnden Ärzte zu bewerten. An der Aktion wollen sich jedoch am Ende alle Ortskrankenkassen beteiligen. Dabei sollen die Patienten Kriterien wie Wartezeiten, Terminvergabe, Auftreten des Personals, Einrichtung der Arztpraxis und die Behandlungsqualität mit Schulnoten von eins bis sechs benoten. Die Sprecherin der AOK Plus, Hannelore Strobel, sagte, es ginge lediglich darum, den Patienten die Arztsuche zu erleichtern. Von einem Mediziner-TÜV könne aber keine Rede sein.

Bewertung zu subjektiv

Indessen hat die Unabhängige Patientenberatung das Vorhaben der Ortskrankenkassen unterstützt. Sie halte die Qualitätsauskünfte über Ärzte für notwendig. Anderseits zeigte sich die Institution auch kritisch gegenüber der Art der Bewertung. Ulrike Dzengel, Sprecherin der Unabhängigen Patientenberatung, sagte, es können bei der Bewertung keine gesicherten Aussagen geben. Aufgrund der eigenen Erfahrungen habe jede Bewertung auch einen subjektiven Blickwinkel. Des Weiteren seien die Versicherten ohnehin auf die vor Ort niedergelassenen Ärzte angewiesen.

Auch die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen äußerte sich positiv zu der geplanten Bewertung der Ärzte. Dennoch sprach auch der Vorstandvorsitzende der sächsischen Kassenärztlichen Vereinigung, Klaus Heckemann, Kritik gegenüber dem Schulnotensystem aus. Heckemann erklärte, dass vermutlich besonders die unzufrieden Patienten an der Benotung teilnehmen würden. Das führe nicht nur zu einer verzerrten Bewertung sondern auch zu einem möglichen Massenandrang bei Ärzten mit Bestnoten, welche diesen wahrscheinlich nicht bewältigen könnten.

Erika Schenk meint:

am 9. Sep 2010 um 08:15

WAR DIESE AKTION NIC HT SCHON FÜR JULI 2010 GEPLANT ????
was ist an der Umsetzung dieses Vorhabens ssoooo schwierig? Typisch für Krankenkassen,bei Rabattverträgen geht es definitiv schneller!

Hannes Kühne meint:

am 9. Sep 2010 um 13:55

Ich kann entscheiden ob ich über 4Stunden mit Termin im Wartezimmer vergammel(2Stunden um ein Rezept zu holen) ,gleich als zu teuer mir die Behandlung verweigert wird ,oder ich zu einer Praxis mit unter 30Minuten Wartezeit und kompetenter Behandlung komme.Alles meine Erlebnisse in meiner Stadt anno2010. Ich habe aber auch Verantwortung sachlich zu bewerten und nicht wenn weniger Ärzte als sonst da sind und ein Notfall das als normal anzusetzen mit der Wartezeit.Viele Bewertungen geben eher ein realistisches Bild, als heute schon auf verschiedenen Internetseiten herumgeisternde Einzelbewertungen.




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