Impfstoffe

Wichtige Impfstoffe für Kinder nicht lieferbar

Montag, 08. Feb 2010, 14:26
Diverse wichtige Kinderimpfstoffe sind derzeit nicht lieferbar. Das teilte die Ständige Impfkommission des Bundes gestern mit. Grund soll die vorrangige Produktion des Impfstoffs gegen die Schweinegrippe sein.
Gefahr für Säuglinge durch Impfstoffmangel.

Gefahr für Säuglinge durch Impfstoffmangel.

Für viele wichtige Kinderimpfstoffe existieren derzeit Lieferengpässe. Besonders betroffen ist seit Mitte Januar der sogenannte Sechsfach-Impfstoff für Säuglinge, der die Immunisierung gegen Tetanus, Diphterie, Kinderlähmung, Keuchhusten, Hepatitis B und Hirnhautentzündung gewährleistet. Ebenfalls der Vierfach-Wirkstoff gegen Masern, Mumps, Röteln sowie Windpocken kann seit kurzem nicht mehr ausgeliefert werden. Nun zeigen sich deutsche Kinderärzte besorgt. Besonders Säuglinge sind durch den Lieferengpass gefährdet.

Lieferengpässe bestätigt

Das Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline hatte am vergangen Freitag bestätigt, dass zur Zeit einige Lieferengpässe bestünden, so Gesa Krüger, Sprecherin des Gesundheitsministeriums Hessen. Deshalb sei unter anderem der Sechsfach-Impfstoff für Säuglinge sowie der Vierfach-Impfstoff gegen diverse Viruserkrankungen bis voraussichtlich Mitte Februar nicht mehr lieferbar, erklärte Kürger. Auch eine Sprecherin des britischen Pharmakonzerns SmithKlineBeecham bestätigte, dass eine Verzögerung der Impfstofflieferung bis in das zweite Quartal andauern könne.

Säuglinge besonders gefährdet

Aufgrund der mangelnden Versorgung schlagen die deutschen Kinderärzte zunehmend Alarm. Besonders Säuglinge, die demnächst die Erstimpfung erhalten sollen, seien momentan erheblich gefährdet, so der Präsident des Verbandes der Kinder- und Jugendärzte in Deutschland, Wolfram Hartmann. Auch Ursel Lindlbauer, Münchner Kinder- und Jugendärztin und Mitglied der Ständigen Impfkommission des Bundes, schätzt die momentane Situation als bedenklich ein. Laut Lindlbauer müsse eine Grundimmunisierung des Säuglings so früh wie möglich beginnen. Die Sechsfach-Impfung wird ab dem zweiten Lebensmonat empfohlen, die Vierfach-Impfung ab dem 11. Lebensmonat.

Hersteller in der Kritik

Bei Krippenkindern sei eine Verschiebung der Impfung beispielsweise nicht vertretbar, denn für diese existiere eine akute Infektionsgefahr; die Erreger könnten für Kinder im Säuglingsalter lebensgefährlich sein, betonte Ursel Lindlbauer. Die Medizinerin kritisierte besonders den Pharmakonzern GlaxoSmithKline: Man sei erst über die Probleme informiert worden, als die Impfstofflager faktisch leer gewesen wären. Darüber hinaus hätte es keine Vorwarnung gegeben, so Lindlbauer.

Wolfgang Hartmann sieht die Ursache für die Lieferengpässe vor allem im Fehlverhalten der Bundesregierung. Laut seiner Auffassung müsse es mehr Anbieter geben, die der Staat verpflichtet gewisse Vorräte zu produzieren. Außerdem würden diverse Impfstoffe nicht als Einzelimpfstoffe produziert, was einen Mangel in bestimmten Situationen noch verschärfen könnte.

Schweinegrippe-Impfung hat Vorrang

Medienberichten zu Folge ist das Problem des Liefernotstandes der Schweinegrippe zu schulden. Die Pharmaindustrie hätte sich völlig auf die Herstellung des Schweinegrippe-Impfstoffs konzentriert und ist damit vollkommen ausgelastet, hieß es. Eine Sprecherin des Herstellers GlaxoSmithKline betonte ihr Bedauern bezüglich der Situation. Man wolle die Situation so rasch wie möglich entschärfen, so die Sprecherin.




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