Virusinfektion

West-Nil-Virus auf dem Vormarsch

Samstag, 04. Sep 2010, 11:02
Nach einer Infektion mit dem West-Nil-Virus (WNV) sind bereits 13 Menschen in Europa gestorben. Experten gehen davon aus, dass das Virus demnächst auch in Deutschland Einzug halten könnte. In den USA, wo sich das Virus bereits seit zehn Jahren ausbreitet, wird in mehreren Studien an einem Impfstoff gearbeitet. Dieser könnte schon bald verfügbar sein.
Wird es bald eine Impfung gegen das West-Nil-Virus geben?

Wird es bald eine Impfung gegen das West-Nil-Virus geben?

Das West-Nil-Virus wird meistens durch die Culex-Mücke übertragen, manchmal auch über die Aedes-Mücke. Mückenschutz und Mückenbekämpflung sind die Hauptmaßnahmen, um eine Ansteckung mit dem West-Nil-Virus zu vermeiden. Das Virus kann schwere und sogar tödliche Krankheiten verursachen. Allerdings ist eine Infektion mit dem West-Nil-Virus für die meisten Infizierten nicht lebensbedrohlich. Betroffene klagen über Kopf- und Gliederschmerzen, manchmal auch noch Erbrechen und Durchfall. Im Ernstfall entsteht eine Gehirn- oder Hirnhautentzündung. Ältere Patienten und Menschen mit schwachem Immunsystem können durch das Virus sterben. Eine Infektion verläuft oft eher mild und wird mitunter gar nicht bemerkt. 

Impfstoff bald verfügbar

Zurzeit laufen in den USA mehrere Studien, in denen an Impfstoffen für das West-Nil-Virus gearbeitet wird. Pharmaunternehmen und öffentliche Forschungseinrichtungen leiten diese Studien. Die Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) hofft, dass ein Impfstoff schon bald erfolgreich sein wird. Für Pferde wurde ein Impfstoff bereits entwickelt und erfolgreich angewendet. Erstmals wurde ein Pferd in Deutschland damit 2009 geimpft.

Todesfälle in Griechenland und Rumänien

In Europa gab es bisher insgesamt 13 Tote in Griechenland und Rumänien. Da das Virus aber meistens auch ohne Behandlung zu bekämpfen ist und nur in weniger als einem Prozent der Fälle einen schweren Verlauf nimmt, wird eine Infektion oftmals gar nicht festgestellt. Daher gehen die Behörden allein in Griechenland von ca. 15.000 Infizierten aus. Bisher wurden dort elf Tote und 150 schwere Fälle gezählt. In Rumänien sind bisher zwei ältere Leute an dem West-Nil-Virus gestorben. Außerdem gibt es derzeit rund 80 Verdachtsfälle.

Überstandene Infektion macht immun

Da man in der Regel nach einer überstandenen Infektion immun gegen das West-Nil-Virus ist, sind nach einer Epidemie 1996 ca. 4,1 Prozent der Einwohner von Bukarest und ca. 0,9 Prozent der Menschen anderer Landesteile von Rumänien gegen das Virus immun. 1999 gab es in Russland eine Infektionswelle mit mehreren hundert Betroffenen und 2008 wurden 20 schwere Krankheitsverläufe in Ungarn gezählt. Seit 1999 breitet sich das Virus auch in den USA aus, viele hundert Menschen sind dort bereits an einer Infektion gestorben, 2002 und 2003 wurde in einer Epidemie 560 Todesopfer durch die Gesundheitsbehörde CDC registriert.

West-Nil-Virus auch in Deutschland

Das West-Nil-Virus, das erstmals 1937 im West-Nil-Distrikt von Uganda entdeckt wurde, verbreitet sich besonders gut über bestimmte Vogelarten, die es über weite Strecken verschleppen. So ist es womöglich auch schon in Deutschland angekommen. Auch ein Überträger des Virus, die Tigermücke, wurde bereits in Deutschland nachgewiesen. Deshalb gehen Experten davon aus, dass sich das Virus demnächst auch hier ausbreiten könnte. Vereinzelte Fälle gab es in Westeuropa. Eine Epidemie schließen die Experten bisher aus.  

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