Vogelgrippe: Forschung will neue Studien nicht veröffentlichen
Dienstag, 21. Feb 2012, 17:13
Das Vogelgrippevirus könnte weltweit zu einer Gefahr werden.
Vor mehreren Monaten begann die Debatte um die Veröffentlichung von Details zum neuen Vogelgrippevirus. Daran beteiligt sind Wissenschaftler und Sicherheitsexperten. Nun mischt sich zum ersten Mal auch die Weltgesundheitsorganisation in die Diskussionen ein und fordert sie schnelle Bekanntgabe. Zwei Teams um die Wissenschaftler Yoshihiro Kawaoka und Ron Fouchier haben wichtige Fortschritte beim Vogelgrippe-Virus H5N1 gemacht. Schon im letzten Jahr sollten sie in den Fachzeitschriften Nature und Science publiziert werden, aber seit Monaten liegen die Artikel im Verborgenen. Die Redaktionen beider Zeitschriften hatten Bedenken, dass die Informationen Bioterroristen dienen könnten.
Übertragung auf den Menschen
Bisher ist noch nicht bekannt, ob sich dieses neue Vogelgrippe-Virus auf den Menschen übertragen lässt. Dies wird dem Vernehmen nach auch nie getestet werden, da es ethisch kaum vertretbar wäre. Die Forscher führten daher ihre Forschungen an Frettchen durch, dessen Immunsystem dem des Menschen ähnlich ist. Deshalb sollte man diese Forschungsergebnisse auf keinen Fall unterschätzen. Der Virus könnte für den Menschen extrem ansteckend sein und zu einem globalen Killervirus mutieren.
US-Gremium für Biosicherheit schaltet sich ein
Das US-Gremium für Biosicherheit (NSABB) rät allerdings dazu die Forschungen geheim zu halten, um die Menschen auf der ganzen Welt zu schützen. Denn Bioterroristen könnten sich diesen Supererreger zu Nutze machen, so die Sorge vieler Wissenschaftler. Das NSABB rät dazu nur eine zensierte Version der Ergebnisse zu publizieren, wenn es überhaupt zu einer Veröffentlichung kommen sollte. Schon Mitte März Jahr 2011 sollten sie in den Wissenschaftszeitschriften Science und Nature präsentiert werden. Der Science-Chefredakteur Bruce Alberts sagte aber am Freitag auf dem Jahrestreffen der American Association for the Advancement of Science in Vancouver: „Das wird nun nicht geschehen“.
Ansicht der WHO
Die Weltgesundheitsorganisation ist jedoch anderer Meinung als das NSABB und der ranghöchste Berater für Fragen der Gesundheitssicherheit Keiji Fukuda sagt: „Die Ergebnisse dieser Forschung haben deutlich gezeigt, dass der H5N1-Virus Potential hat, einfacher zwischen Menschen übertragen zu werden. Das unterstreicht, wie wichtig es ist, die Forschung mit diesem Virus weiterzuführen“. Allerdings sollten die beiden Fachzeitschriften die Artikel jetzt nicht sofort abdrucken, sondern abwarten, damit die Öffentlichkeit umfassend informiert werden kann, wie wichtig und relevant solche Forschungen sind. Der Leiter der japanischen Forschergruppe, Yoshihiro Kawaoka sagte im Science Insider: „Derzeit verlieren wir die Unterstützung der Öffentlichkeit. Dabei soll sie eigentlich von unserer Forschung profitieren“, denn mit den aktuellen Forschungen können vielleicht in Zukunft neue Strategien zur Bekämpfung des H5N1-Virus geschaffen werden.






