Studie: Normales Medikament hilft gegen Multiple Sklerose
Montag, 26. Jul 2010, 10:49
Herkömmliche Medikamente können gegen MS helfen.
Empfindungsstörungen, Kraftlosigkeit und Ermüdungserscheinungen sind nur einige der Symptome, an denen Multiple Sklerose-Patienten leiden. Die „Krankheit mit den tausend Gesichtern“ äußert sich auf den unterschiedlichsten Weisen bei den Betroffenen. Im Gehirn und im Rückenmark bilden sich Entzündungsherde, die für Ausfallerscheinungen sorgen. Nun hat ein Forscherteam der Universitäten in Heidelberg und Kalifornien allerdings eine Möglichkeit entdeckt, die Entstehung solcher Entzündungen zu mindern. Die Wissenschaftler untersuchten dafür Mäuse, die chronisch an Multiple Sklerose erkrankt waren, und verabreichten ihnen das blutdrucksenkende Medikament Candesartan. Bei den Tieren zeigte sich ein deutlicher Rückgang der Lähmungserscheinungen.
Angiotensin fördert Symptome
Der menschliche Körper trägt das Gewebshormon Angiotensin II in sich, das üblicherweise den Blutdruck reguliert. Die Rezeptoren auf den Blutgefäßen, die auf das Hormon reagieren, wurden allerdings auch auf vielen Organen und Zellen gefunden, die nichts mit der Blutdruckregulierung zu tun haben. Auch die für Multiple Sklerose verantwortlichen T-Zellen verfügen über diese Rezeptoren.
Die Forscher vermuteten in Anbetracht dieser Tatsache einen Zusammenhang zwischen Angiotensin II und den Entzündungen in Gehirn und Rückenmark der betroffenen Patienten. Ein Verdacht, der sich bestätigen sollte: Die Wissenschaftler konnten am Tiermodell nachweisen, dass Angiotensin die Entstehung von Entzündungsherden fördert und somit das Auftreten von Lähmungen und weiteren neurologischen Symptomen beschleunigt.
Entzündungshemmung nur im Gehirn der Mäuse
Schon seit längerem untersuchen Forscher rund um den Globus die Wirkung von blutdrucksenkenden Mitteln auf Multiple Sklerose. Da die Medikamente schon seit vielen Jahren zur Blutdrucksenkung verschrieben wurden, sind langfristige Nebenwirkungen bereits bekannt. Die Wissenschaftler hoffen daher auf eine schnelle Anwendung in der Praxis. Professor Dr. Michael Platten betont: „Natürlich ist es wichtig, in der Forschung nach zielgerichteten Medikamenten mit neuen molekularen Zielen zu suchen. Wir zeigen mit unserer Arbeit aber, dass man auch herkömmliche Medikamente erfolgreich auf ihren Nutzen bei anderen Erkrankungen untersuchen kann.“
Bis zum Einsatz der Blutdrucksenker gegen Multiple Sklerose ist es aber noch ein langer Weg. Außerdem konnte eine Verminderung der Entzündungen bislang nur im Gehirn der Mäuse nachgewiesen werden, während im Rückenmark entstehende Entzündungen nicht verhindert werden konnten.






