Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung

Studie: Längeres Leben durch hohes Einkommen

Mittwoch, 04. Aug 2010, 09:36
Ein langes Leben beruhte bislang auf einer gesunden Ernährung, ausreichend Sport und Erholung. Eine Studie hat nun allerdings bewiesen, dass Frauen mit einem hohen Einkommen im Schnitt einige Jahre länger leben. Bei Männern wurde bereits häufiger ein Zusammenhang zwischen Lebensdauer und einem gutem Verdienst belegt.
Frauen mit hohem Einkommen leben länger und gesünder.

Frauen mit hohem Einkommen leben länger und gesünder.

Geld verdirbt bekanntlich den Charakter, fördert aber die Gesundheit. Das hat eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ergeben. Den Ergebnissen zufolge haben Frauen mit einem hohen Monatseinkommen von etwa 4000 bis 5000 Euro eine höhere Lebenserwartung als Frauen mit einem Verdienst von weniger als 1000 Euro monatlich. Das Institut untersuchte dafür stichprobenartig Daten der Deutschen Rentenversicherung. Insgesamt wurden die Daten von 400.000 Frauen ausgewertet, die alle für mindestens 25 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hatten und zwischen 1994 und 2005 verstorben waren. Friedrich Beyer von der Universität Konstanz und Jan Marcus vom DIW achteten bei ihren Untersuchungen jedoch darauf, dass nur Daten von Frauen mit einem eigenen Einkommen berücksichtigt werden. „Frauen, die zu den oberen zehn Prozent der Verdiener gehören, leben etwa drei Jahre länger als Frauen aus den niedrigsten zehn Prozent“. Angeheiratete Frauen, die ihren Wohlstand erst durch ihre Heirat erlangt haben, wurden in den Untersuchungen nicht einbezogen.

Bereits frühere Studien

Ähnliche Studien wurden schon des öfteren bei wohlhabenden Männern durchgeführt. In den Ergebnissen spiegelte sich wider, dass besserverdienende Beschäftigte bis zu fünf Jahre länger leben als Arbeitnehmer mit niedrigerem Einkommen. Bei Frauen ist dieser Zusammenhang allerdings sehr viel schwerer nachzuweisen. Durch die klassische Rollenverteilung der Geschlechter ist eine Unterscheidung zwischen dem Arbeits- und Haushaltseinkommen einer Frau sehr kompliziert, während bei einem Mann diese Einkommen meist identisch sind. Bei der DIW-Studie wurde das Haushaltseinkommen erstmals von dem Arbeitseinkommen getrennt.

Bildung fördert die eigene Gesundheit

Die beiden Forscher gehen davon aus, dass eine gute Bezahlung einen gewissen Bildungsstandard voraussetzt. Durch gute Bildung sei auch der Umgang mit der eigenen Gesundheit sehr viel verantwortungsvoller. In der Regel rauchen wohlhabende Frauen weniger und treiben mehr Sport. Und selbst wenn sie mal erkranken sollten, sei es eine einfache Grippe oder eine schwerwiegendere Krankheit: Wohlhabendere Menschen können sich bessere Medizin und intensivere Behandlungen leisten, was ihre Genesungs- und Überlebenschancen deutlich erhöht. Bei dem schlechter situierten Teil der Bevölkerung hingegen sinkt die Lebenserwartung. Regelmäßiger Tabak- und Alkoholkonsum, wenig Bewegung oder eine ungesunde Ernährung führen immer häufiger zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und anderen gesundheitlichen Einschränkungen.

Alexander Dampmann meint:

am 4. Aug 2010 um 12:23

Interessant wäre noch der Zusammenhang zur familieären Situation. Ich gehe davon aus, dass Frauen, die ein hohes Monatseinkommen (4-5 TEUR) erzielen, überwiegend keine Doppelbelastung aufgrund von Kindererziehung, ausgesetzt sind. Die menschliche Belastung ist primär durch die berufliche Tätigkeit verursacht. Im Umkehrschluss könnte es sein, dass Frauen mit einem geringen Einkommen eine kürzere Lebenserwartung haben, aufgrund einer anderen Belastung (Beruf + Familie).
Aus diesem Grunde wäre also auch eine Statistik wünschenswert, die die Lebenserwartung von Frauen mit Beruf sowie Frauen mit Beruf+Familie, dokumentierte.

Fiskus meint:

am 5. Aug 2010 um 09:25

Hmmm, ist schon erstaunlich, dass Frauen mit mehr Einkommen länger leben, als Frauen mit niedrigem Einkommen. Dies könnte evtl. tatsächlich damit zusammenhängen, dass sich reichere Menschen (auch Frauen) qualitativ bessere Lebensmittel kaufen können, eine bessere ärztliche Versorgung genießen und, naja, vielleich auch weniger finanzielle Sorgen haben. Auch die Qualität der allgemeinen Lebensumstände (Wohnen, Mobilität) lässt sich mit finanziellen Mitteln verbessern.
Ich bin erstaunt, dass diese Studie zu so überraschenden Ergebnissen kommt. Noch erstaunlicher finde ich, dass es Leute gibt, die solche Studien finanzieren. Das Geld hätte evtl. einigen Menschen ein längeres Leben beschehren können.
Vorsicht: Es könnte sein, dass dieser Text Ironie enthält!

Cappu Ccino meint:

am 5. Aug 2010 um 10:17

bei den schlecht situierten Teil der Bevölkerung sinkt die Lebenserwartung aufgrund regelmäßigem Tabak- und Alkoholkonsums...soll das jetzt etwa bedeuten, jeder der wenig verdient ist Alkoholiker, starker Raucher und Fastfood Junkie? Unverschämt! Ich kenne außerdem Frauen, die sehr gut verdienen und trotzdem durch Stress gesundheitliche Probleme haben, ebenfalls Rauchen und jedem Abend zwei bis drei Gläsern Prosseco nicht abgeneigt sind. Für mich ist diese Studie nicht besonders repräsentativ. Menschen mit guter Bildung müssen nicht zwingend einen hohen Verdienst haben, achten aber trotzdem mehr auf ihre Gesundheit, dem möchte ich nicht widersprechen.

H. meint:

am 23. Sep 2010 um 14:50

Geld bedeutet einfach bessere medizinische Betreuung, führt demnach folgerichtig auch zu längerer
Lebenserwartung. Tabak- und Alkoholkonsum ist keineswegs mit Armut gekoppelt, siehe Vip's. Es
ist wirklich kein Kunststück festzustellen, dass Geld auch mit besserer Überlebenschance gleichzusetzen ist, d.h. Vorsoge durch Inanspruchnahme der besten medizinischen Geräte, beste Medikamente im Falle einer Erkrankung und keiner Generika, deren Wirkungsweise durch diverse anderern Zusatzstoffe (als im Original) eingeschränkt sein kann. Um diese Tatsachen festzustellen,
brauche ich keine wissenschaftliche Analyse, das kann man in seinem nächsten Umfeld beobachten!!

Schlonz meint:

am 6. Dez 2010 um 17:53

Cappu Ccino meint:

am 5. Aug 2010 um 10:17
"bei den schlecht situierten Teil der Bevölkerung sinkt die Lebenserwartung aufgrund regelmäßigem Tabak- und Alkoholkonsums...soll das jetzt etwa bedeuten, jeder der wenig verdient ist Alkoholiker, starker Raucher und Fastfood Junkie?"

Nein, aber es korreliert stark. Falls Sie nicht wissen, was "korrelation" ist: Es bedeutet in diesem Fall, dass jemand mit niedrigem Einkommen mit hoeherer Wahrscheinlichkeit Alkoholiker ist als jemand mit hohem Einkommen. Damit wird keine Aussage ueber Einzelpersonen getroffen, nur ueber Haeufigkeiten.




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