Neuer Ansatz für Therapie

Studie: Hochdosierte Opioide helfen bei chronischen Schmerzen

Donnerstag, 19. Jan 2012, 17:57
Die steigenden Belastungen im Alltag machen nicht nur unserer Seele, sondern auch unserem Körper zu schaffen. Immer mehr Deutsche leiden unter chronischen Schmerzen. Wissenschaftler haben in einer Studie jetzt allerdings einen neuen Therapieansatz entdeckt, der bei den anhaltenden Schmerzen helfen könnte.
Chronische Schmerzen können den Alltag zu einer großen Belastung machen

Chronische Schmerzen können den Alltag zu einer großen Belastung machen

Mehrere Millionen Menschen sind in Deutschland von chronischen Schmerzen betroffen. Noch bevor der Tag eigentlich richtig angefangen hat, werden die Betroffenen schon von Stichen und Schmerzen geplagt. Während die Beschwerden bei einigen Patienten noch erträglich sind, müssen andere starke Schmerzmittel einnehmen, die außerdem noch starke Nebenwirkungen mit sich bringen. Schmerzforscher der Medizinischen Universität Wien und der Universität Mannheim haben jetzt in einer Studie herausgefunden, dass Menschen mit chronischen Beschwerden durch den gezielten Einsatz von Opioiden behandelt werden könnten. Dabei komme es vor allem auf die Dosis an, so die Wissenschaftler. Schon seit längerem ist der Einsatz von Opioiden bei Patienten mit dauerhaften Schmerzen bekannt, allerdings nur in mittlerer Dosierung. In dem Experiment hingegen habe sich gezeigt, dass ein kurzer und hochdosierter Einsatz der Substanzen viel effektiver sein könnte.

Schmerz ohne Schmerzreiz

Besonders erstaunlich bei der Entstehung von chronischen Beschwerden ist das Zusammenspiel zwischen unseren Nerven und einem Schmerzreiz. Bei Menschen, die längerer Zeit diesem Reiz ausgesetzt sind, hinterlassen die Schmerzen eine Art Gedächtnisspur im Rückenmark. Das bedeutet, dass die Betroffenen einen Schmerz empfinden, obwohl sie eigentlich keinem Reiz mehr ausgesetzt sind. Wissenschaftler bezeichnen dieses Phänomen als Schmerzgedächtnis.

Löschen von Schmerzgedächtnis durch Opioid

In ihrer Studie versuchten die Forscher nun, das sogenannte Schmerzgedächtnis bei Ratten zu löschen. Dafür versetzten sie die Tiere in Narkose und verabreichten ihnen währenddessen kontrolliert Stromschläge. Durch den vielfachen Schmerzreiz hatte sich bei den Ratten schließlich ein Schmerzgedächtnis ausgebildet. Um die Gedächtnisspur im Rückenmark wieder zu löschen, behandelten sie die Tiere nach ihrem Erwachen eine Stunde lang mit einem hochdosierten Opioid. In einer anschließenden Untersuchung zeigte sich, dass die Gedächtnisspur gelöscht werden konnte. Die Wissenschaftler erhoffen sich von diesem Ergebnis neue Ansätze in der Schmerztherapie.

Heilung mit unerwünschten Nebenwirkungen

Leider verläuft auch eine Behandlung mit Opioiden meist nicht ohne Nebenwirkungen. Typische Begleiterscheinungen bei der bisher bekannten Therapie mit Opioiden sind beispielsweise Übelkeit, Juckreiz, Schwindel oder sogar Atemnot. Eine hochdosierte Kurzzeittherapie könnte diese Nebenwirkungen in noch stärkerer Ausprägung mit sich bringen, allerdings wären diese nur von kurzer Dauer und müssten auch in Hinblick auf die Heilungschancen noch genauer untersucht werden.

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