Body-Mass-Index nicht mehr aktuell

Studie belegt: Body-Mass-Index ist veraltet

Mittwoch, 03. Mär 2010, 10:36
An der Universität München haben Mediziner nachgewiesen, dass der bisher genutzte Body-Mass-Index (BMI) für die Bewertung des Krankheitsrisikos durch Übergewicht keinerlei Aussagekraft besitzt. Aussagefähiger sei das Verhältnis zwischen Körpergröße und Taillenumfang. Der BMI steht schon länger in der Kritik.
Der Body-Mass-Index ist veraltet, das fand eine Studie der Uni München heraus.

Der Body-Mass-Index ist veraltet, das fand eine Studie der Uni München heraus.

isher galt: Mit einem BMI-Wert über 25 gilt man als übergewichtig. Doch diese Einschätzung könnte zumindest aus medizinischer Sicht bald als veraltet gelten. Nach einer aktuellen Studie der Universität München spielt der BMI keine Rolle für das Schlaganfall-, Herzinfarkt- oder Todesrisiko eines Menschen. In der Studie wurden 11.000 Personen über mehrere Jahre beobachtet. Wichtigste Erkenntnis ist, dass bestimmte Krankheitsrisiken nicht mit einem steigenden BMI-Wert zunehmen. Das Forscher-Team, das sich aus Medizinern aus München, Lübeck, Greifswald und Dresden zusammensetzt, erkannte, dass vor allem das Verhältnis zwischen Körpergröße und Taillenumfangfür die Risikobewertung herangezogen werden sollte. Der BMI steht nun als Maß aller Dinge grundsätzlich in Frage.

BMI ohne Bedeutung

Der BMI habe nach Aussagen des Studienleiters Harald Schneider von Medizinischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München schlichtweg keinerlei Bedeutung für die Einschätzung des Schlaganfall-, Herzinfarkt- oder Todesrisikos. Viel interessanter sei für Ärzte der sogenannte WhtR-Wert (waist-to-height ratio). Dieser Wert beschreibt das Verhältnis zwischen Taille und Körpergröße, nämlich Taillenumfang geteilt durch Körpergröße. Je höher der Wert, desto höher das Krankheitsrisiko, so die Erkenntnis der Mediziner. Werte über 0,5 gelten in der Regel als medizinsch kritisch. Doch die Grenze zur gesundheitlichen Bedenklichkeit kann sich mit dem Alter nach oben verschieben.

Außerdem wurden neben dem BMI und dem WhtR auch die Aussagekraft des Taillenumfangs (WC) und das Verhältnis zwischen Taillen- und Hüftumfang (WHR) untersucht. Der Taillenumfang habe nach diesen Erkenntnissen immer noch eine gewisse Aussagekraft über Krankheitsrisiken, WHR und BMI dagegen kaum bis gar keine.

Gutes und böses Fett

Bei den Untersuchungen kamen die Mediziner zu dem Ergebnis, dass einige Fettpolster nicht unbedingt schädlich sein müssen. Schon seit einiger Zeit wird zwischen gutem und schlechtem Fett unterschieden. Es komme eher darauf an, an welcher Stelle sich zu viel Körperfett angesammelt hat. Fett an der Taille gehört zu den schädlichen Fettarten. Es gibt häufig schädliche Stoffe an den Körper ab und führt somit zu Entzündungen und Arterienverkalkung. Für die Bewertung des Herzinfarktrisikos unerheblich ist nach Aussagen der Münchner Mediziner dagegen Fett an Oberschenkeln, Gesäß und Hüfte.

BMI bald bedeutungslos?

Der Body-Mass-Index galt bisher als das Maß aller Dinge. In medizinischen Studien war der BMI Grundlage für die Einschätzung von Fettleibigkeit und Übergewicht. Selbst die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, den BMI als Grundlage für medizinische Bewertungen zu nutzen. Laut der Universität München müsse nun die medizinische Bedeutung des BMI hinterfragt werden. Die Studie wurde von der Universität Anfang März veröffentlicht, offiziell vorgestellt werden die Ergebnisse in der Fachwelt in der April-Ausgabe des Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism.




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