Änderung der Diätvorschrift

Spezielle Lebensmittel für Diabetiker werden abgeschafft

Montag, 06. Sep 2010, 14:59
Süßigkeiten für Zuckerkranke waren bisher eigentlich verboten. Der schmerzliche Verzicht könnte aber mit speziellen Nahrungsmitteln für Diabetiker gemildert werden: Plätzchen, Pralinen, Saft und Marmelade konnte man in der zuckerfreien Form im Reformhaus, in der Drogerie oder auch im Supermarkt kaufen.
Gesunde Ernährung ist besser als Lebensmittel für Diabetiker

Gesunde Ernährung ist besser als Lebensmittel für Diabetiker

Nun soll es diese besonderen Lebensmittel nicht mehr geben. Heute tagt der Ausschuss des Bundesrats für Agrarpolitik und Verbraucherschutz. Nach einem Gesetzesentwurf sollen die speziellen Anforderungen an diätetische Lebensmittel, die im 12. Paragrafen der Diätverordnung festgelegt sind, ersatzlos wegfallen. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft setzt sich bereits seit Jahren dafür ein, dass diese Lebensmittel aus den Regalen und Katalogen verschwinden. “Lange Zeit ohne Erfolg, da die Lebensmittellobbys sich sehr erfolgreich gewehrt hat,“ verdeutlich Präsident Thomas Danne. Denn natürlich sind die Diabetiker-Lebensmittel ein sehr gutes Geschäft. Rund 138 Millionen Euro haben die Hersteller im Jahr 2009 mit Produkten für Diabetiker umgesetzt, dazu noch 380 Millionen für zuckerreduzierte Getränke.

Umstellung für Unternehmen  

Norbert Pahne ist der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Hersteller von Lebensmitteln für besondere Ernährung. Er sieht die besondere Problematik für die Hersteller: “Das ist eine deutliche Veränderung, die auf die betroffenen Unternehmen zukommt.” Die Hinweise auf den Verpackungen müssen verändert werden, doch auch die Rezepte können zumindest bei bestimmten Produkten nicht unverändert bleiben. In den zukünftig nicht mehr existenten Anforderungen der Diätverordnung geht es zum Beispiel um den Zuckerersatz Fructose oder den Brennwert von Diabetikerbroten.

Diabetiker-Lebensmittel haben keine Vorteile

Die Wissenschaft geht nach den aktuellen Erkenntnissen davon aus, dass spezielle Produkte für Zuckerkranke einfach keinen Sinn haben. Es gibt keine Vorteile in Bezug auf normale Lebensmittel. Immer wieder haben Tests und Untersuchungen gezeigt, dass diese Lebensmittel zwar keinen Zucker enthalten, doch oft war der Fettgehalt viel zu hoch. Auch sind die Ersatzstoffe für den Zucker in der Kritik. Diese Substanzen erhöhen zwar den Blutzuckerspiegel nicht, doch haben sie eine ähnlich hohe Kalorienzahl. Sie machen also dick und sind deshalb der Gesundheit sicherlich nicht dienlich.

Schlecht, ungesund und teuer

Die Speziallebensmittel sind erheblich teurer als die normalen Produkte. Was den Geschmack angeht, sind Diabetiker-Lebensmittel auch nicht gerade empfehlenswert. Außerdem wird die Verdauung  in Mitleidenschaft gezogen, denn die Zuckerersatzstoffe sind schwer verdaulich. Der Zuckerersatz süßt nicht so gut wie Zucker, so dass die Produkte einen hohen Anteil von diesen Stoffen enthalten müssen. Damit steigt auch die Kalorienzahl, was für einen Diabetiker mit Sicherheit keine positiven Folgen hat. Das Bundesinstitut für Risikoforschung hat die Empfehlung ausgesprochen, gar keine Hinweise mehr auf eine Eignung für Diabetiker zu geben. Denn es kann sein, dass Diabetiker sorglos zuviel von solchen Produkten zu essen.

Gesamter Stoffwechsel betroffen

Die Zuckerkrankheit wird heute auch nicht mehr isoliert gesehen. Der gesamte Stoffwechsel ist bei einem Diabetiker aus dem Gleichgewicht geraten. Auch Fette und Eiweiß werden nicht mehr adäquat verarbeitet. Die speziellen Lebensmittel für Diabetiker helfen da wenig. Eine gesunde und ausgewogenen Ernährung mit viel Obst und Gemüse, mit ausreichenden Kohlehydraten und Ballaststoffen, wenig Fett und nicht zu viel Eiweiß, ist die beste Grundlage für ein normales Leben auch mit Diabetes.

Schonfrist für Hersteller

Die Unternehmen, die die speziellen Lebensmittel für Diabetiker herstellen, bekommen aber eine Frist. Sie müssen nicht sofort alle Diabetiker-Lebensmittel aus den Regalen entfernen und ihre Produktion umstellen. Bis zum Jahr 2012 darf weiter produziert werden. Danach müssen auch die Verkaufsregale nicht leer geräumt werden. Erst wenn nach diesem Zeitpunkt alle Spezialmitteln verkauft sind oder das Verfallsdatum erreicht ist, gibt es keinen Nachschub für solche Lebensmittel. Aber die Firmen werden innerhalb der Frist alternative Strategien entwickeln. Man wird sicherlich Produktlinien entwickeln, die für die sechs Millionen Diabetiker in Deutschland interessant sein könnten.

Damodar Paralkar meint:

am 15. Sep 2010 um 08:40

Hallo Guten Tag,
hier ist immer wieder die Rede von Typ I - also Lebensmittelverzehr mit Insulin. Was ist mit Typ II? Da wäre beispielsweise normale Marmelade mit normalen Zuckergehalt tödlich - da ist keiin Insulinausgleich.

Nicht alle Diabetiker des Typs II "fressen" (auf Deutsch) Süssigkeiten, benötigen Sie aber ab und zu (nicht täglich) z. B. Maramelade.

Wie sieht es mit Stevia aus? Das läßt natürlich die Zuckerlobby nicht zu. Da unternimmt man nichts.

Ich finde es nicht richtig, dass alle Diabetikerprodukte vom Regal verschwinden müssen.




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