Wissenschaftlicher Fortschritt

Neue Ursachen für Alzheimer entdeckt

Dienstag, 27. Jul 2010, 09:02
Alzheimer ist eine schleichende Erkrankung, die in vielen Fällen mit Sprach- und Konzentrationsstörungen beginnt. Bislang sind die eigentlichen Ursachen von Alzheimer nicht bekannt. Wissenschaftler der Universität Leipzig haben jetzt allerdings Hinweise gefunden, dass die Erkrankung eine angeborene Störung im Gehirn ist.
Alzheimer könnte nach neuesten Erkenntnissen angeboren sein.

Alzheimer könnte nach neuesten Erkenntnissen angeboren sein.

Viele Wissenschaftler gingen bisher davon aus, dass Menschen erst im höheren Alter an Alzheimer erkranken. Lange wurde angenommen, dass die Erkrankung einerseits durch Vererbung, andererseits durch Ablagerungen im Gehirn ausgelöst wird. Trotzdem konnten die tatsächlichen Ursachen nie genauer bestimmt werden. Forschungsergebnisse von Leipziger Neurologen deuten jetzt aber darauf hin, dass Alzheimer die Folge einer Hirnentwicklungsstörung ist und somit angeboren sein könnte. Die Forscher des Paul-Flechsig-Instituts für Hirnforschung der Universität Leipzig untersuchten dafür die Gehirnstrukturen gesunder und erkrankter Menschen und stellten fest, dass die Alzheimerpatienten eine besonders hohe Zahl hyperploider Neuronen im Gehirn aufwiesen, die letztlich für das massive Zellsterben sorgen. Die Folgen können verheerend sein. Viele Menschen sind im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit nicht mehr in der Lage, das tägliche Leben alleine zu meistern. Sie gelten dann als pflegebedürftig und können einen Antrag auf Pflegeeinstufung stellen.

Überlastung des Gehirns führt zum Zelltod

Hyperploide Neuronen weisen im Gegensatz zu den gesunden Zellen mehr als zwei Chromosomenpaare auf, was zu einer Vielzahl von Kombinationsmöglichkeiten innerhalb der Zelle führt. Diese Kombinationen, auch Mosaike genannt, können bis zu einer bestimmten Anzahl vom Gehirn verarbeitet werden. Bei Alzheimerpatienten jedoch wird diese Grenze überschritten, die Forscher entdeckten teilweise doppelt so viele Mosaike wie bei einem gesunden Menschen. Diese Überlastung führt dazu, dass Zellen im Gehirn absterben und nicht wieder ersetzt werden.

Schutzmechanismus verdrängt hyperploide Neuronen

In einem gesunden Gehirn gibt es normalerweise einen Mechanismus, der die hyperploiden Neuronen absterben lässt, damit sie sich nicht in den Zellen einlagern. Bei Alzheimerpatienten arbeitet dieser Mechanismus scheinbar aber nicht. Bei Untersuchungen an Betroffenen in verschiedenen Stadien der Erkrankung zeigte sich, dass sich erst im schwersten Stadium der Krankheit die Zahl hyperploider Nervenzellen verringert. Das ist für die Wissenschaftler ein eindeutiges Zeichen dafür, dass bereits ganze Zellen des Gehirns abgestorben sind.

Weitere Forschungen nötig

Den Ergebnissen nach zu urteilen, gibt es für Alzheimer genauso wie für andere psychische Erkrankungen eine genetische Veranlagung. Die Neurologen wollen nun herausfinden, ob derartige Störungen nur durch Fehlentwicklungen im Gehirn ausgelöst werden oder ob auch Organe davon betroffen sein könnten. Gleichzeitig stellt sich ihnen die Frage, ob derartige Schäden durch ein Fehlverhalten während der Schwangerschaft ausgelöst werden können.

Sollte sich in weiteren Untersuchungen zeigen, dass die überschüssigen Chromosomenpaare tatsächlich der Auslöser von Alzheimer sind, stellt sich den Wissenschaftlern eine neue Herausforderung. Die hyperploiden Zellen können nicht in gesunde Zellen umgewandelt werden, da Hyperploidie ein unumkehrbarer Prozess ist. Die einzige, vorerst verbleibende Möglichkeit wäre die Entwicklung eines Geräts, mit dem das Gehirn untersucht werden kann. So wäre eine frühe Prognose über eine mögliche Erkrankung denkbar.




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