Hirnforschung: Kuschelhormon Oxytocin gegen Autismus
Dienstag, 16. Feb 2010, 14:09
Erfolgreiche Behandlung von Autismus.
Oxytocin ist das Hormon, welches die Zuneigung und das Verhalten zwischen Mutter und Kind sowie zwischen Geschlechtspartnern beeinflusst. Daraus ergibt sich auch der Beiname „Kuschelhormon“. Forscher aus Zürich fanden im Jahr 2005 heraus, dass eine Verabreichung des Körpers mit Oxytocin-Spray zu einer Erhöhung des menschlichen Vertrauens führt. Aus diesem Grund versuchen Mediziner seither verschiedenste Möglichkeiten zu entwickeln, wie das Hormon als Therapeutikum eingesetzt werden könnte. So entstand die Idee Oxytocin bei Autisten einzusetzen.
Autismus: eine Entwicklungsstörung des Kindesalter
Autismus ist eine Entwicklungsstörung, die dazu führt, dass Betroffene schwierig mit anderen Menschen interagieren können. Es wird oft als eine angeborene sowie unheilbare Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung des Gehirns definiert. Patienten sind bereits im frühen Kindesalter betroffen. Hierbei wird jedoch zwischen dem frühkindlichem Autismus (Kanner-Syndrom) und dem Asperger-Syndrom, das erst nach dem dritten Lebensjahr auftritt, unterschieden. Die Symptome sind teils verschieden, aber oft bereitet es den Personen Probleme anderen Menschen in die Augen zu sehen oder auch mimische und gestische Züge des Gegenüber zu verstehen. Die Entstehung von Autismus ist bis heute ungeklärt, jedoch wird vermutet, dass sowohl genetische als auch neurobiologische Faktoren dazu beitragen. Somit versuchen Wissenschaftler herauszufinden, wie sich Oxytocin auf diese Entwicklungsstörung auswirkt.
Tests zeigen erste positive Resultate
Bis zum heutigen Zeitpunkt gab es erst wenige belegte positive Erfolge bei der Anwendung von Oxytocin bei Autisten. 13 Forscher um Angela Sirigu vom Centre de Neuroscience Cognitive im französischen Lyon gaben Patienten das Hormon als Nasenspray und beobachteten eine Veränderung ihres Sozialverhalten. Dieses wurde mittels eines Computerspiels getestet und zeigte erste positive Ergebnisse. Die Patienten der Studie leiden an einer Form des Autismus, welche die Intelligenz nicht beeinflusst. Diese ist bei den Probanden normal bis sogar überdurchschnittlich entwickelt. Bei dem Test spielten die Personen ein virtuelles Ballspiel mit drei Computerfiguren, die ihnen den Ball unterschiedlich zurückspielten. Es war das Ziel herauszufinden, für welchen Ballspieler sich die Autisten entscheiden.
Die Ergebnisse zeigten, dass die Probanden die virtuellen Personen des PC-Spiels genauer beobachteten und zwischen den kooperativen und unkooperativen Spielern unterscheiden konnten. Im Gegensatz dazu konnten dieses Probanden ohne Oxytocin-Verabreichung nicht. Bei einem zweiten Test mussten sich die Patienten verschiedene Abbildungen von Personen ansehen. Die Testpersonen konnten nach der Verabreichung des Stoffes besser auf die menschlichen Gesichter reagieren. Sie fühlten sich weniger unwohl den abgebildeten Menschen in die Augen zu sehen.
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