Hilfe für Übergewichtige kommt aus dem Internet
Freitag, 30. Dez 2011, 13:59
Übergewicht ist ein massives Risiko für die menschliche Gesundheit
Das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) Adipositaserkrankungen in Leipzig ist eines von acht deutschen Zentren, die von der Bundesregierung gefördert werden. Ziel der Arbeit am Leipziger Zentrum ist die fachübergreifende Forschung und Behandlung der Adipositas, des starken Übergewichtes. So sollen die Ergebnisse schneller und effektiver zum Nutzen der Patienten angewandt werden. Diesem Ziel dient auch eine Studie, die sich vor allem mit der "Binge-Eating-Störung" (BES) befasst. Dabei handelt es sich um Essattacken, unter denen nach Angaben des Zentrums bis zu fünf Prozent der Bevölkerung leiden, bei den Adipösen sogar bis zu 30 Prozent. Die Betroffenen essen bei diesen Anfällen große Mengen auf einmal und verlieren dabei nach ihrem Empfinden jegliche Kontrolle. Die Anfälle bereiten den Betroffenen seelische Qualen, von den gesundheitlichen Folgen ganz zu schweigen.
Ursachen der Essanfälle sind nicht bekannt
Professor Anette Kersting von der Leipziger Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie hat Erfahrung mit solchen Problemen. "Die Patienten sind oft schwer übergewichtig und leiden an den entsprechenden Folgeerkrankungen", erklärt Kersting. Vor allem gebe es noch keine gesicherten Ergebnisse über die Ursachen der Attacken. Hinweise aber gebe es auf psychische Ausnahmezustände und Spannungen wie Frust und Kränkung, Trennungen oder Verlust des Arbeitsplatzes. Die Patienten aber können oft aber diese Auslöser nicht wahrnehmen oder gar benennen.
Studie soll mehr Klarheit schaffen
Innerhalb der Studie in Leipzig sollen die Patienten mit einem speziellen Programm Hilfe erfahren. Man will einen Vergleich zwischen den Erfolgen einer kognitiven Verhaltenstherapie einerseits und einem Selbsthilfeprogramm im Internet feststellen. Nach einer ausführlichen Diagnose werden die Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip einer der beiden Therapien zugeteilt. Die anschließende Betreuung entweder am IFB oder durch einen Online-Coach per E-Mail wird vier Monate lang durchgeführt und ist für die Teilnehmer natürlich kostenlos. Bei der Hilfe aus dem Internet müssen die Probanden bestimmte Aufgaben ausführen. Durch Selbstbeobachtung sollen die Teilnehmer herausfinden, unter welchen Umständen die Essanfälle auftreten. "Die Patienten schreiben das auf, sie führen ein Esstagebuch, notieren, wie viele Essanfälle pro Woche sie hatten, kontrollieren ihr Gewicht", so Anette Kersting.
Nachhaltigkeit soll untersucht werden
Die gesamte Studie soll im Herbst 2012 abgeschlossen sein. Die Nachfrage für eine Teilnahme ist groß, denn es gibt wohl bereits eine Warteliste. An den Untersuchungen können Bewerber aus Deutschland und aus deutschsprachigen europäischen Ländern teilnehmen. Die Forscher interessieren sich beispielsweise dafür, ob der Erfolg einer solchen Internet-Therapie über einen längeren Zeitraum anhält oder nicht. Die Teilnehmer werden dazu in Abständen immer wieder befragt.
Datensicherheit ist garantiert
Für die Probanden ist natürlich wichtig, was mit ihren Daten geschieht. Die im Internet ausgetauschten Informationen werden mit den allerneusten Technologien verschlüsselt. Persönliche Daten sind nur dem jeweiligen Teilnehmer und seinem Coach zugänglich. Studienleiterin Anja Hilbert macht einen Grundsatz der Studie deutlich: "Jegliche Informationen von den Teilnehmern, die im Rahmen der Studie erhoben werden, unterliegen selbstverständlich der medizinischen Schweigepflicht und werden anonymisiert." Informationen zu der Studie gibt es hier.






