Bundesländer sprechen Verbot für E-Zigarette aus
Montag, 16. Jan 2012, 13:47
Der Streit um die elektronische Zigarette wird immer lauter und heftiger
Ihre Befürworter halten die E-Zigarette für eine gesunde Alternative zur herkömmlichen Zigarette. Es gibt keinen Tabak, der verbrennt und damit keinen Teer in der Lunge. Eine Flüssigkeit, das sogenannte Liquid, wird in der E-Zigarette verdampft und inhaliert. Nach Schätzungen der Hersteller haben sich rund 1,2 Millionen Deutsche für den Dampf entschieden. Was aber fehlt, sind genaue Untersuchungen über die Zusammensetzung der Liquids. An diesem Punkt warnt Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) vor dem Konsum der neuen Zigaretten. "Verbraucher sollten sich darauf verlassen können, dass ein Produkt gesundheitlich unbedenklich ist." Tatsächlich aber sind die Risiken der elektronischen Zigarette noch nicht abschließend geklärt, und die Warnungen vor dem Dampf werden immer lauter. Auch die rechtlichen Bedingungen sind alles andere als eindeutig.
Unkritische Sorglosigkeit ist ein Fehler
Vorsicht sei auf alle Fälle geboten, mahnt Dr. Pötschke-Langer. Bei diesem Produkt, das in der letzten Zeit so massiv beworben und auf den Markt geworfen wurde, müsse man vor allem nicht die gleichen Fehler wie in der Vergangenheit machen. "Die normale Zigarette hat im letzten Jahrhundert Millionen Tote verursacht und wäre nie zugelassen worden, wenn wir das heutige Wissen vor hundert Jahren gehabt hätten." Die Hersteller dagegen werben damit, dass die E-Zigarette eine wesentlich weniger schädliche Alternative zum Tabak sei.
Ärzte warnen vor der E-Zigarette
Mediziner aber sehen das anders. Nach Ansicht von Lungenfachärzten werden die Atemwege in Mitleidenschaft gezogen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie weist darauf hin, dass nach einer Studie bereits nach fünf Minuten Inhalation eine Einengung der Atemwege festgestellt werden konnte. Der Dampf der E-Zigaretten besteht danach zu einem hohen Anteil aus Propylenglykol. Diese wie auch andere Substanzen im Dampf der Liquids reizen die Atemwege. Martina Pötschke-Langer macht ebenfalls darauf aufmerksam, dass der Konsum von E-Zigaretten auch zu Sucht und Abhängigkeit führen kann. Außerdem sei es noch überhaupt nicht belegt, dass der Dampf tatsächlich helfen könne, mit dem Tabakrauchern aufzuhören. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat außerdem darauf aufmerksam gemacht, dass eine Risiko für "Passiv-Dampfer" noch nicht geklärt ist.
Verbote in vielen Ländern
In anderen Ländern ist die E-Zigarette bereits verboten. Neben der Türkei, der Schweiz und in Norwegen darf sie sogar in China nicht geraucht werden. Dort wurde die elektronische Zigarette vor 15 Jahren erfunden. In Ländern wie Kanada, Österreich oder Dänemark ist der Gebrauch der E-Zigarette strikten Regeln und Einschränkungen unterworfen. Nach den letzten kontroversen Berichten will sich nun auch die Europäische Union mit den Dampfzigaretten beschäftigen.
Generelles Verbot vielleicht in Vorbereitung
In Deutschland ist die Rechtslage nicht geklärt. Nach Angaben des DKFZ ist der Handel mit den E-Zigaretten in Bayern bereits seit Jahren verboten. Im Dezember 2011 sprach Nordrhein-Westfalen ein entsprechendes Verbot aus, und auch in Bremen sind die E-Zigaretten seit Anfang Januar 2012 illegal. "Da könnte etwas ins Rollen kommen. Die Länder machen sich Gedanken, wie sie gemeinsam vorankommen", sagt Dr. Pötschke-Langer. Das Bundesgesundheitsministerium hält das Verbot in NRW für einen bedeutsames Signal. Weil die Belange der Gesundheit in die Zuständigkeit der Länder fallen, sei ein Eingreifen des Bundes nicht möglich. Anders die dem Ministerium unterstellte Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: "Die benutzten Kartuschen enthalten häufig neben dem Suchtstoff Nikotin auch andere gesundheitsschädigende Substanzen. Deshalb ist vom Konsum der E-Zigarette abzuraten."






