Bereits 15 Minuten Bewegung täglich verlängern das Leben
Mittwoch, 28. Dez 2011, 13:44
Es müssen keine Höchstleistungen sein - schon wenig Bewegung hält gesund
"Wer sich aufrafft, wird belohnt – und senkt damit sein Risiko sowohl für einen Schlaganfall als auch für Herzkrankheiten, Krebs und Diabetes", stellt der Neurologe Professor Hans-Christoph Diener fest. Er bezieht sich dabei auf eine Langzeitstudie aus Taiwan. Von 1996 bis 2008 wurden dort mehr als 400.000 Frauen und Männer in jährlichen Reihenuntersuchungen begutachtet. Dabei wurden die Teilnehmer nach ihren körperlichen Aktivitäten gefragt, nach Häufigkeit und Art ihrer Bewegung. Man ordnete die Probanden in fünf Gruppen ein. Eine Gruppe umfasste völlig inaktive Menschen, die anderen wurden nach niedriger, mittlerer, hoher und sehr hoher Aktivität eingestuft. Die gesundheitliche Entwicklung der Studienteilnehmer wurde acht Jahre lang beobachtet. Die Forscher in Zhunan stellten Vergleiche über die Sterblichkeit innerhalb der fünf Gruppen an.
Schon 15 Minuten verlängern das Leben
Hans Christoph Diener hat sich mit den Studienergebnissen beschäftigt. „Nachdem frühere Untersuchungen bereits einen erheblichen Nutzen für die Gesundheit durch 2,5 Stunden körperliche Aktivität pro Woche belegt haben, sind diese neueren Daten auch für weniger willensstarke Menschen eine gute Nachricht.“ Denn schon in der Gruppe mit den Teilnehmern, die sich nur ungefähr 92 Minuten pro Woche oder eben 15 Minuten am Tag bewegten, war die Sterblichkeit tatsächlich um 14 Prozent geringer als bei der Gruppe mit den absoluten Bewegungsgegnern.
Jeder kann von Aktivität profitieren
Die Lebenserwartung bei den Menschen mit nur geringer Bewegung stieg durchschnittlich um drei Jahre. Die Wissenschaftler um Chi Pang Wen vom National Health Research Institute in Zhunan sahen sich die ermittelten Daten genauer an und fanden weitere erstaunliche Dinge heraus. Bei einer minimalen Bewegung von 15 Minuten täglich sank die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung um 10 Prozent, für Erkrankungen der Gefäße um 19 Prozent, für Herzkrankheiten um 25 Prozent, für einen Schlaganfall um 12 Prozent und für die Entwicklung von Diabetes um 11 Prozent. Hans-Christoph Diener erläutert die Ergebnisse für die Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Er hebt deutlich hervor, dass der Nutzen der täglichen minimalen Bewegung faktisch in allen Gruppen nachzuweisen war. "Männer profitieren von 15 Minuten Bewegung ebenso wie Frauen, Jüngere wie Ältere und Gesunde ebenso wie Kranke, Übergewichtige, Raucher, Trinker oder Menschen mit einem erhöhten Risiko für Gefäßleiden."
Viel hilft tatsächlich viel
Bereits in früheren Studien zu Bewegung und Gesundheit wurde belegt, dass mit steigender Bewegung das Krankheitsrisiko abnimmt. Die Studie aus Taiwan war hier keine Ausnahme. Wurden die körperlichen Aktivitäten um eine weitere Viertelstunde verlängert, verringerte sich die Sterblichkeitsrate um vier Prozent. An den Studien aus Taiwan ist bemerkenswert, dass hier das förderliche Minimum an Bewegung mit 15 Minuten relativ gering ist. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt dagegen ein doppelt so hohes Maß an körperlicher Aktivität.
Einen guten Rutsch in viele neue Jahre
Die Ergebnisse der taiwanesischen Studie halten die Hürden niedrig und machen es leichter, sich den entscheidenden Ruck zu geben und damit alle Hemmschwellen aus Faulheit und Bequemlichkeit zu überwinden. In Taiwan könnte man nach den Berechnungen der Forscher ein Sechstel der Todesfälle hinausschieben. Ob sich die Ergebnisse aus Taiwan vollständig auf die Menschen in Deutschland anwenden lassen, ist natürlich nicht gesichert. Ein starker und wichtiger Anreiz aber sollten sie allemal sein, sagt Hans-Christoph Diener. "Wer sich zum neuen Jahr ein bisschen mehr Bewegung vornimmt, hat gute Chancen, Silvester noch ein paar Mal öfter feiern zu können."






