Neue Studie

Arbeitslose Eltern haben im Durchschnitt kleinere Kinder

Donnerstag, 05. Jan 2012, 13:44
Arbeitslosigkeit schafft nicht nur finanzielle Probleme, sondern hat oft auch schwerwiegende Auswirkungen auf die Gesundheit. Diese Fakten sind durch eine ganze Reihe von Untersuchungen belegt. Nach einer neuen Studie ist auch die körperliche Entwicklung der Kinder von arbeitslosen Müttern und Vätern betroffen.
Kinder von arbeitslosen Eltern können in der Entwicklung ihrer Körpergröße beeinträchtigt sein

Kinder von arbeitslosen Eltern können in der Entwicklung ihrer Körpergröße beeinträchtigt sein

Im Verlauf einer Studie der Universität Tübingen in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt Brandenburg untersuchte der Wirtschaftshistoriker Prof. Jörg Baten die Daten von Erstklässlern. Zwischen 1994 und 2006 wurden Alter, Geschlecht und Körpergröße von rund 250.000 Kindern erfasst. Auch wurden Fakten zur beruflichen Tätigkeit der Eltern, zu ihrem Ausbildungsstand und zur Zahl der Kinder und Erwachsenen im jeweiligen Haushalt erhoben. Das bemerkenswerte Resultat der Untersuchungen: Kinder von arbeitslosen Müttern oder Vätern waren durchschnittlich 1,5 Zentimeter kleiner als Kinder, deren Eltern einen Arbeitsplatz hatten. "Es ist erstaunlich, das sich die Arbeitslosigkeit in eigentlich gut ernährten und sozial abgefederten Staaten so deutlich auswirkt", sagte Prof. Baten bei der Vorstellung der Studienergebnisse. Dabei geht er davon aus, dass grundsätzlich nicht die finanziellen Probleme der Arbeitslosen für diese Entwicklung verantwortlich sind.

Psychischer Stress tangiert auch die Kinder  

Vielmehr spielen die Frustration und die oft gravierenden psychischen Probleme arbeitsloser Eltern die größte Rolle. Es sei möglich, dass sich die Eltern aufgrund ihrer eigenen Probleme nicht mehr angemessen um ihre Kinder kümmern können. Wenn die Daten auch ausschließlich aus Brandenburg stammen, so ist Jörg Baten der Meinung, dass sich die Lage in den westlichen Bundesländern ähnlich darstellt. Es stellte sich während der Studie ebenfalls heraus, dass Kinder von alleinerziehenden Müttern oder Vätern nicht kleiner waren als die Kinder, die bei einem Elternpaar aufwuchsen.

Bildungsstand der Mutter als wichtiger Faktor  

Es gibt nach den Ergebnissen der Studie einen weiteren Faktor, der Einfluss auf das Größenwachstum der Kinder hat. Das Bildungsniveau der Mutter hat entschieden Auswirkungen auf ihre körperliche Entwicklung. Obwohl die Emanzipation in unseren Landen immer weiter fortschreitet, sind es noch immer mehrheitlich die Frauen, die sich um die Kinder kümmern. Prof. Baten hat festgestellt, dass die Kinder von Müttern ohne Realabschluss durchschnittlich elf Millimeter kleiner sind als Kinder von Frauen mit Abitur. Der Grund für diese Ergebnisse liegt für den Wissenschaftler darin, dass gebildete Eltern mehr auf gesunde Ernährung achten und großen Wert auf die medizinische Versorgung ihres Nachwuchses legen. Baten vermutet, dass deshalb die allgemeine Entwicklung dieser Kinder positiver verläuft, was auch auf die Körpergröße Einfluss hat.

Großfamilien fördern kindliche Entwicklung   

Ein weiterer positiver Faktor bei der Größenentwicklung der Kinder scheint es zu sein, wenn mehrere Erwachsene im gleichen Haushalt leben. Es könnte sein, dass das Zusammenleben zum Beispiel mit den Großeltern allgemein förderlich für die Entwicklung von Kindern ist. In einer solchen Wohn- und Lebenssituation entsteht eine für die Kinder positive Lage, wenn sich mehrere Erwachsene um das Wohlergehen der Kinder kümmern.

Schubladendenken ist völlig fehl am Platz   

Prof. Baten will die Ergebnisse seiner Untersuchungen aber richtig verstanden und eingeordnet wissen. Wenn im Einzelfall ein Kind kleiner ist als seine Altersgenossen, so lässt das keine automatischen Rückschlüsse auf die Arbeits- und Bildungssituation in der Familie zu. Nicht jedes kleinere Kind hat arbeitslose Eltern. Auch muss ein kleineres Kind nicht zwangsläufig schlecht gebildete Eltern haben. Solche pauschalen Urteile sind vollkommen unangemessen und auch falsch. In jedem Fall gibt es viele genetische Faktoren, die ebenfalls die Größe eines Menschen bestimmen. Aber die Größenentwicklung von Kindern kann als interessasnter Indikator für gesellschaftliche oder ökonomische Entwicklungen einer gesamten Region betrachtet werden.

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