Alzheimer - Herausforderung einer alternden Gesellschaft
Donnerstag, 02. Feb 2012, 13:36
Wenn geistige Fähigkeiten spürbar nachlassen, ist das für die Betroffenen eine Katastrophe
"Wenn Prominente wie er mit ihrer Krankheit an die Öffentlichkeit gehen, ist das eine Hilfe für viel andere sich zu entschließen: Jetzt gehe ich auch in die Klinik!" So stellt der Fachtherapeut Dr. Hartmut Fahnenstich von der Memory-Klinik in Essen die Rolle dar, die Prominente wie Assauer übernehmen können. Die Zahl dieser Menschen, die in der Öffentlichkeit standen und sich nun mit Alzheimer auseinandersetzen müssen, ist relativ hoch. Als erster brach der ehemalige US-Präsident Ronald Reagan das Tabu. Der Boxer Bubi Scholz und Fußballer Gerd Müller, die ehemalige englische Premierministerin Margaret Thatcher und der Rhetoriker, Schriftsteller und Philologe Walter Jens – sie alle leiden unter der furchtbaren Krankheit. Es ist wichtig, dass das Stillschweigen gebrochen, die Scham über die Krankheit ein Ende findet. Die Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, können deshalb sehr viel zu einem Umdenken beitragen.
Alzheimer häufigste Form der Demenz
Denn das Problem wir immer drängender, betrifft immer mehr Menschen. Die Zahl der Demenzkranken wächst ständig an. Ungefähr 1,2 Millionen Menschen in Deutschland sind dement. Man geht davon aus, dass 60 Prozent dieser Kranken an Alzheimer leiden. Nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft gibt es in jedem Jahr rund 300.000 neue Fälle von Demenz und Alzheimer. Setzt sich die Entwicklung fort, so wird es im Jahr 2050 nach Schätzungen rund 2,6 Millionen Betroffene geben.
Rechtzeitige Diagnose kann die Krankheit verlangsamen
Bisher gibt es keine Heilung gegen das Vergessen. Die Forschung über die Ursachen läuft auf Hochtouren, und immer wieder machen die Entdeckungen von neuen Substanzen Schlagzeilen. Die frühe Diagnose hat einen sehr hohen Stellenwert, denn mit den heutigen Medikamenten kann Alzheimer zwar nicht geheilt, aber die Entwicklung kann aufgehalten und verzögert werden. Auch die Diagnose gestaltet sich schwierig, denn einen allgemeingültigen Test gibt es ebenfalls nicht. Es gibt auch immer eine ganze Reihe von Anzeichen für die Erkrankung. Nach dem amerikanischen National Institute of Aging sind die charakteristischen Zeichen zum Beispiel die ständige Wiederholung von Fragen oder Geschichten, das Verlegen von Gegenständen und Schuldzuweisungen an andere, das Vergessen von alltäglichen Vorgängen, Unsicherheiten bei Geld und Rechnungen.
Probleme werden zunehmen
Demenz und Alzheimer haben mit einem ganz normalen Prozess der Alterung, mit zunehmender Vergesslichkeit im Alter nichts zu tun. Wenn in Zukunft die Zahl der Alzheimer-Patienten steigt, wird sich die Gesellschaft mit der Krankheit und ihren Folgen beschäftigen müssen. Die Betreuung der Kranken wird sehr viel Geld und Zeit in Anspruch nehmen, denn sie brauchen Zuwendung und ständige Hilfe im Alltag. Es werden viele Pflegekräfte nötig sein. Der bereits bestehende Mangel an Fachkräften wird sicherlich noch größer werden.
Prüfstein für die Gesellschaft
Doch Alzheimer als Volkskrankheit ist nicht nur eine finanzielle Herausforderung. Es ist eine gesellschaftliche Frage, wie man mit der steigenden Zahl der Dementen umgeht. Es muss mehr Hilfe und Unterstützung für die Angehörigen geben, doch auch die öffentliche Hand wird reagieren müssen. Es gibt schon seit längerer Zeit die Forderung nach neuen Formen des Wohnens, nach speziellen Dienstleistungen. Die Lebensqualität für die Alzheimer-Patienten wird eine wichtiger Eckpunkt sein, ein Indikator für die Sorgfalt und Empathie, mit der eine Gesellschaft mit ihren kranken und schwachen Mitgliedern umgeht.






