Bürgerversicherung: Konzepte der Parteien im Vergleich

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Die Konzepte und Ziele zur Bürgerversicherung unterscheiden sich zum Teil stark voneinander

Die Befürworter der solidarischen Bürgerversicherung wollen ein einheitliches Versicherungssystem schaffen. Zielsetzung soll nach Ansicht der Befürworter sein, die Zwei-Klassen-Medizin abzuschaffen, damit künftig alle wieder in gleichem Maße Zugang zum medizinischen Fortschritt erhalten.

Doch in den Fragen, wie der Reformansatz der Bürgerversicherung konkret aufgestellt und finanziert werden soll, unterscheiden sich die Modelle und Präferenzen der Sozialdemokraten, der Grünen, der Linken sowie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in einzelnen Punkten.

Reformvorschläge der Parteien im Überblick

Die Parteien haben im Laufe der Jahre jeweils ganz eigene Konzepte zur Bürgerversicherung entwickelt. Teilweise unterscheiden sich die Pläne erheblich, so dass selbst im Falle einer rot-grünen Regierungskoalition die Einführung der Bürgerversicherung nicht leicht sein dürfte. Die Unterschiede sind im Einzelnen:

SPDDie GrünenDie Linke

Finanzierung

Bürgerbeitrag,
Arbeitgeberbeitrag,
dynamisierter Steuerbeitrag

Bürgerbeitrag,
Arbeitgeberbeitrag

Bürgerbeitrag,
Arbeitgeberbeitrag

Belastung

Arbeitgeber,
Steuerzahler

Gutverdiener

Mittelstand,
Gutverdiener,
Arbeitgeber

Beiträge

nominale Parität

nominelle Parität,
Verbeitragung aller Einkommensarten

paritätische Finanzierung
(jeweils 5 %),
Verbeitragung aller Einkommensarten

BBG*

Abschaffung für Arbeitgeber

Erhöhung auf 5.500 Euro im Monat

Abschaffung

PKV

keine Neukunden,
Erhalt der Altersrückstellung

kein Nebeneinander von GKV und PKV,
Altersrückstellungen entfallen

Abschaffung,
Beschränkung auf Zusatzversicherung

Sonstiges

Anhebung der Abgeltungssteuer,
Abschaffung von Zusatz- und Sonderbeiträgen

keine Zusatzbeiträge,
Praxisgebühren und Sonderzahlungen

keine Zusatzbeiträge,
Praxisgebühren und Sonderzahlungen

* BBG = Beitragsbemessungsgrenze, 2012: 45.900 Euro jährlich/ 3.825,00 Euro monatlich

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zählt ebenfalls zu den Fürsprechern der Bürgerversicherung als zukünftiges Modell des Gesundheitswesens. Wie die Grünen plädiert der DGB beispielsweise für eine Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze auf 5.500 Euro im Monat und für einen Solidarbeitrag für Gutverdiener oberhalb dieser Bemessungsgrenze.

Vorteile und Nachteile auf einen Blick

Vorteile der Bürgerversicherung

  • mehr finanzielle Mittel, weil alle Bürger am Solidarprinzip beteiligt sind
  • Abschaffung der Zwei-Klassen-Medizin
  • Stärkung der Solidarität
  • Senkung des Beitragssatzes
  • kurzfristige Senkung der Lohnnebenkosten
  • kurzfristig positive Beschäftigungseffekte
  • Wettbewerb um die beste Versorgungsqualität
  • Konjunkturbelebung durch Beitragssenkungen

Nachteile der Bürgerversicherung

  • zusätzliche Ausgaben durch mehr Versicherte
  • Verschärfung demografischer Probleme
  • fehlende Generationengerechtigkeit (zusätzlicher Umverteilungsbedarf zwischen den Generationen)
  • verfassungsrechtliche Probleme
  • langfristige Steigerung der Lohnnebenkosten
  • negative Effekte auf den Arbeitsmarkt
  • hoher Verwaltungsaufwand
  • erhöhter Anreiz zur Kapitalflucht

Unterschiedliche Ausgestaltung

Auch wenn die grundlegenden Eckpunkte der Bürgerversicherung von allen Parteien akzeptiert werden, ist die konkrete Umsetzung der Ziele umstritten. Insbesondere die Beitragsbemessungsgrenze der Krankenkasse stellt hierbei ein Streitthema dar.

Während die Grüne-Bürgerversicherung und die Gewerkschaften die Arbeitnehmer-Bemessungsgrenze zur Pflege- und Krankenversicherung erhöhen und ausweiten wollen, streben die Linken eine komplette Abschaffung dieser Einkommensgrenze an. Lediglich die Sozialdemokraten haben sich bei der Konkretisierung ihres Entwurfes zur SPD-Bürgerversicherung darauf geeinigt, die Bemessungsgrenze konstant zu halten.

Die Bürgerversicherung für Familien und Lebenspartner

Auch in den Punkten, ob und inwieweit die Familienversicherung heutigen Musters bestehen bleibt, haben die Befürworter unterschiedliche Lösungsstrategien. Während die Bürgerversicherung der SPD eine beitragsfreie Mitversicherung für Familienangehörige (für Kinder und Ehegatten) vorsieht, bevorzugen beispielsweise die Grünen ein anderes Konzept.

Zwar sollen auch hier nicht erwerbstätige Kinder und Ehegatten bzw. Lebenspartner, die Kinder erziehen oder Pflegeleistungen erbringen, von der Beitragspflicht befreit werden. Für alle anderen Ehepaare und eingetragenen Lebensgemeinschaften wird jedoch ein sogenanntes “Ehegatten-Splitting” vorgesehen. Dafür wird zunächst das Einkommen auf beide Partner rechnerisch verteilt und anschließend werden beide Einkommenhälften bis zur Beitragsbemessungsgrenze der Beitragspflicht unterworfen.

Kritik: Fehlende Nachhaltigkeit

Hauptkritikpunkt ist bei vielen Gegnern des Konzeptes die fehlende Nachhaltigkeit in Bezug auf den demografischen Wandel. Denn durch die Erweiterung des GKV-Umlageverfahrens und der gleichzeitigen Zurückdrängung des Kapitaldeckungsverfahrens der privaten Krankenversicherung werden die hohen Kosten und Finanzierungsschwierigkeiten lediglich auf zukünftige Generationen verschoben. Ebenso die Gerechtigkeit der solidarischen Finanzierung wird von einigen Parteien in Frage gestellt. Das einzig Gute an der Bürgerversicherung sei ihr Name, so das Fazit des PKV-Verbandes in seiner Argumentation zum Thema.

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"Verliererkonzept"

Auch in den Augen des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV) wird der Reformansatz der Bürgerversicherung seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht. Setzt sich das Konzept durch, rechnet der Verband mit folgenden Nachteilen:

  • mehr staatliche Bevormundung
  • weniger Wettbewerb
  • schlechtere Versorgung
  • höhere Belastungen für die Versicherten
  • höhere Budgetgrenzen für Ärzte
  • weniger Leistungen für Versicherte