Neue Influenza: H1N1 hält die Welt in Atem

Schweinegrippe
Die Schweinegrippe (Neue Influenza des Typs H1N1) ist ein neuer Erreger, gegen den Impfstoffe neu entwickelt wurden.

Von Frühling bis Herbst des Jahres 2009 hielt die Influenza H1N1, umgangssprachlich auch als Schweinegrippe bezeichnet, die Menschheit in Atem. Beinahe täglich wurden neue Infizierungen und Todesfälle verzeichnet, so dass die Grippeerkrankung durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits Anfang April 2009 zur Pandemie erklärt wurde.

Viele waren aufgrund der rasanten Ausbreitung des Virus verunsichert und besorgt, selbst betroffen zu sein - vor allem nach einer Rückkehr aus dem Ausland. Eine umfassende Aufklärung über die Krankheit und deren Symptome sowie Auswirkungen kann jedoch dazu beitragen, die Verbreitung der Krankheit einzudämmen.

Allgemeine Informationen zum Virus A/H1N1

Die Influenza H1N1 ist eine Grippeerkrankung, die Anfang 2009 großflächig auftrat. Sie wurde durch das mutierte Grippevirus A/H1N1 verursacht. Die Erkrankung wird umgangssprachlich häufig als „Schweinegrippe“ bezeichnet. Durch die Vielzahl der infizierten Personen und die enorme territoriale Ausbreitung wurde die Influenza H1N1 Ende April 2009 durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) offiziell als Pandemie deklariert.

Historie der Schweinegrippe

Der ursprünglich verursachende Erreger der Schweinegrippe H1N1 hatte sich innerhalb der Spanischen Grippe um 1918 etabliert, durch die mehr als 50 Millionen Menschen starben. Danach folgte eine Reihe von weiteren Influenzawellen des gleichen Typs: Zwischen 1947 und 1951 trat eine große Pandemie im Britischen Königreich und in Kanada auf. Während des Zweiten Weltkrieges verbreitete sich erstmalig die klassische Schweineinfluenza in Kanada, Brasilien, ganz Asien, Kenia, Großbritannien, der Tschechoslowakei und ab 1959 in Deutschland. Die Viren verschwanden zunächst, tauchten dann aber 1979 wieder in Norditalien auf. 1976 erschien eine erneute Grippewelle in den USA, gegen die zum ersten Mal ein Impfstoff eingesetzt wurde. Zwischen 1977 und 1978 forderte das H1N1 Virus, als „Russische Grippe“ bekannt, knapp 700.000 Todesopfer. Anfang des Jahres 2009 brach wiederholt die Grippeerkrankung H1N1 aus.

Die Schweinegrippe in Deutschland

Im Vergleich zu vielen anderen Ländern, wie zum Beispiel Mexiko, verlief die Schweinegrippe in Deutschland relativ mild. Die ersten Fälle wurden am 29. April 2009 bestätigt, dabei handelte es sich um eine Frau aus Hamburg und zwei Männer aus Bayern. Nach und nach nahm die Zahl der Erkrankten zu und stieg innerhalb kurzer Zeit bis in die Tausenden. Am 25.09.2009 wurde der erste Todesfall durch die Schweinegrippe in Deutschland gemeldet. Die 31-jährige Frau aus Bremen starb an den Folgen der Krankheit. Sowohl die Anzahl der Erkrankten als auch der Todesfälle stieg in der Folgezeit immer weiter an.

Ansprechpartner zur Schweinnegrippe

Aktuelle Informationen zur Schweingrippe konnten deutsche Bundesbürger von folgenden Institutionen erhalten:

  • Bundesministerium für Gesundheit: Das Bundesministerium für Gesundheit ist die oberste deutschte Bundesbehörde des Gesundheitswesens und hat seinen Hauptsitz in Bonn. Hier wurden stets sehr aktuelle und ausführliche Informationen bezüglich der Influenza H1N1 2009 dargestellt.
  • Robert-Koch-Institut: Bei dem Robert Koch-Institut handelt es sich um das Bundesinstitut für Infektionskrankheiten bzw. nicht übertragbare Krankheiten und eine zentrale Überwachungs- und Forschungseinrichtung, die direkt dem Bundesministerium für Gesundheit unterstellt ist. Das Institut hatte eigens für die Schweinegrippe eine Influenzaseite erstellt, wo aktuelle Meldungen, Situationseinschätzungen und Auskünfte über jegliche Pandemiemaßnahmen bereitgestellt werden.
  • Auswärtiges Amt: Das Auswärtige Amt (abgekürzt AA) ist der traditionelle und amtliche Name für das Außenministerium. Auf seiner Internetseite informiert das Auswärtige Amt über Reisehinweise, Hygienemaßnahmen im Ausland sowie besonders betroffene Ausbreitungsherde der Influenza H1N1 2009.
  • Wir gegen Viren: „Wir gegen Viren“ ist ein junges Projekt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sowie des Robert Koch-Instituts. Auf der gleichnamigen Internetseite werden detaillierte Informationsmaterialien, Pandemietipps oder Präventionsmaßnahmen aufgeführt.
  • Welt-Gesundheits-Organisation (WHO): Die WHO ist eine internationale Organisation, welche weltweit Gesundheitsempfehlungen veröffentlicht, Daten sammelt und grundsätzliche Rahmenbedingungen für Pandemiepläne erstellt.
  • Friedrich-Löffler-Institut (FLI): Das Institut Friedrich Löffler ist auf Infektionen, die von (Nutz)Tieren auf Menschen übertragen werden können, spezialisiert. Hier werden Virenstämmen erforscht und Informationen über aktuelle Erkenntnisse präsentiert.

Beim Bürgertelefon des Bundesministeriums für Gesundheit gibt es montags bis freitags zwischen 8 und 18 Uhr weitere Informationen unter folgender Telefonnummer: 030 / 346465100

Der deutsche Pandemieplan

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief im Juni 2009 auf Grund der Schweinegrippe die weltweite Pandemie aus. Auf einer Dringlichkeitssitzung beschlossen die WHO- Experten den Ausruf der höchsten aller sechs Warnstufen. Seit der Vogelgrippe im Jahr 2005 besitzt Deutschland einen nationalen Pandemieplan, der nach dem Ausruf der Stufe sechs durch die WHO in Kraft tritt. Er regelt das Handeln und Vorgehen bei einer internationalen Verbreitung einer Infektionskrankheit. In Deutschland gibt es 16 einzelne Pandemiepläne, da diese Länderweise umgesetzt werden. Im Großen und Ganzen stimmen sie aber in den meisten Punkten überein:

  • Bereitstellung zusätzlicher Finanzmittel für die Folgen der Pandemie

  • Anweisungen an das Medizinische Personal im Bundesland

  • Koordination der Einsatzkräfte

  • Bereitstellung von Quarantäne-Stationen für die Infizierten

  • Bereitstellung von Grippemitteln

  • Bereitstellung von Impfstoffen und Absicherung, dass dieser die Bevölkerung erreicht

  • Anweisung der Schließung von öffentlichen Gebäuden (Schulen, Kindergärten, Museen u.s.w.) bei Verdacht

  • Sicherstellung der kommunalen Grundversorgung

Die Pandemie-Phasen der WHO

Inter-pandemische Phase: Es gibt bei Tieren ein neues Virus, Menschen sind nicht betroffen.

1.Phase: Kleines Risiko von Krankheiten bei Menschen

2.Phase: Das Risiko erhöht sich

Pandemischer Alarm: Das neue Virus verursacht Erkrankungen bei Menschen

3.Phase: Kaum Übertragungen zwischen Menschen

4.Phase: Hinweise darauf, dass die Zahl der Übertragungen zunimmt

5.Phase: Signifikante Übertragungen des Virus zwischen Menschen

Pandemie:

6.Phase: Hohe, ständige Übertragungen mit großen Auswirkungen von Mensch zu Mensch

Stornierung einer Reise und Rückerstattung der Reisekosten

Grundsätzlich hat das Auswärtige Amt im Jahr 2009 nicht zu einer Stornierung von Reisen aufgerufen. Stattdessen wurde zu diversen Hygienemaßnahmen und einem bewussten Verhalten aufgerufen. Reisende sollten sich vor und während einer Reise sorgfältig über die Verhältnisse im Reiseland informieren und sich situationsangemessen verhalten. Eine Reisewarnung für bestimmte Länder aufgrund der Schweinegrippe gab es jedoch nicht. Einige große Reiseverantstalter reagierten jedoch dennoch auf die rasche Ausbreitung der Schweinegrippe und boten den Betroffenen an, die Reise kostenlos zu stornieren oder umzubuchen. Das betraf jedoch vornehmlich Reisen nach Mexiko, von welchen das Deutsche Auswärtige Amt dringend abgeraten hatte.

Juristisch gesehen handelt es sei bei einer Grippeepidemie um “höhere Gewalt”. So werden alle unvorhersehbaren Ereignisse bezeichnet, welche die Reise vermutlich wesentlich erschweren, erheblich beeinträchtigen oder zu einem unzumutbaren Sicherheitsrisiko machen können. Grundsätzlich gilt: Die Reiseverantstalter machen es von den Empfehlungen des Auswärtigen Amtes abhängig, ob “höhere Gewalt” besteht und sie eine Reise kostenlos zur Stornierung oder zur Umbuchung freigeben. Da eine Reisewarnung aber nur für wenige Regionen ausgesprochen wurde, ist eine volle Rückerstattung der Reiskosten unwahrscheinlich gewesen. Reisenden blieb daher nur der Gang vor das Gericht, sofern sie auf die Stornierung der Reise bestanden.

Info
Die Reiseversicherung zahlt nicht

Entscheidet sich eine Person, die Reise aufgrund der Schweinegrippe nicht anzutreten, kann er nicht darauf hoffen, dass die Reiserücktrittskosten-Versicherung die Kosten der Reise übernimmt. Solch eine Versicherung tritt in der Regel nur in Kraft, sofern die Reise wegen einer Erkrankung des Reisenden selbst oder ähnlichen Umständen ausfallen muss. Für Reisen, die aus Gründen ausfallen, welche nicht im Versicherungsvertrag beschrieben sind, kommt die Versicherung nicht auf.

Wichtige Fragen zur Schweinegrippe - FAQ

Muss ich einen Mundschutz tragen?

Das Tragen einer Hygienemaske über Mund und Nase verringert maßgeblich die Anzahl der Erreger, die durch Tröpfchen von Kontaktpersonen abgegeben werden. Über ihre Wirksamkeit während einer Pandemie liegen jedoch keine genauen Zahlen vor, zudem können entsprechende Masken nicht dauerhaft getragen werden, sodass ein konstanter Schutz nicht gewährleistet ist. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht in ihrem Pandemieplan grundsätzlich keine Masken für die allgemeine Bevölkerung vor.

Kann ich mich anstecken, wenn ich Schweinefleisch esse?

Nein. In einer gemeinsamen Erklärung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Welternährungsorganisation (FAO), der Welthandelsorganisation (WTO) und der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) wurde offiziell bestätigt, dass von Schweinefleisch keinerlei Ansteckungsgefahr ausgeht. Schweinefleisch unterliegt sehr hohen Hygienekontrollen, so dass eine Kontaminierung recht unwahrscheinlich ist. Personen, die sich dennoch unsicher sind, sollten auf rohe Schweinefleischprodukte verzichten oder diese bei mindestens 72°C dünsten, da hierdurch alle Erreger restlos abgetötet werden.

Wer ist bei einer Grippe besonders gefährdet?

Grundsätzlich ist jede Person gefährdet. Die Schweinegrippe stellt für chronisch Kranke und Schwangere jedoch eine besonders starke Bedrohung dar, denn für diese besteht zunehmend Lebensgefahr. Außergewöhnlich erscheint es, dass besonders viele Kinder und Teenager, welche mit dem Virus A/H1N1 infiziert waren, intensiv stationär behandelt werden mussten. Grund dafür ist jedoch nach Expertenaussagen unter anderem die simple Tatsache, dass ältere Personen sich im Laufe ihres Lebens schon gegen ähnliche Virenstämme immunisiert haben und dadurch eine höhere Resistenz aufweisen.

Waren die Grippemittel ausreichend?

Gemäß des Pandemieplans hat die Bundesregierung zunächst Impfstoffe für 30 Prozent der Bevölkerung angefordert, dennoch konnten bei Bedarf weitere bestellt werden. Personen, welche keiner Risikogruppe angehörten, wurden grundsätzlich nicht zur Impfung aufgerufen, diese konnten sich jedoch freiwillig immunisieren lassen. Über den gesamten Zeitraum bestanden keine Engpässe an Impfmitteln.

Sollte eine Reise in Krisengebiete vermieden werden?

Grundsätzlich wurde von einer unnötigen Reise in besondere Ausbreitungsherde der Influenza A/H1N1, wie den USA, Kanada oder Australien abgeraten. Selbst viele deutsche Unternehmen hatten aufgrund des Reiserisikos diverse Geschäftsreisen gestrichen und führten stattdessen Videokonferenzen durch. Eine Vielzahl von Reisehinweisen und Empfehlungen für Urlauber hielten das Auswärtige Amt, aber auch die Reiseveranstalter bereit. Es war jedoch unbedingt zu beachteten: Unabhängig vom Aufenthaltsort war es von großer Bedeutung, jegliche Hygienemaßnahmen einzuhalten um sich prophylaktisch vor einer Infektion zu schützen.

Wurde die Angst vor der Schweinegrippe übertrieben?

Grundsätzlich ist bei jeder Grippeerkrankung Vorsicht geboten, denn diese kann insbesondere bei Risikopatienten tödlich verlaufen. Die Anzahl von Infizierungen mit der neuen Influenza A/ H1N1 war verhältnismäßig unerheblich. Aufgrund der vorangegangenen Erfahrungen mit Pandemien konnte jedoch eine Verschärfung der Lage nicht ausgeschlossen werden, deshalb war es besonders wichtig auf eine eventuelle Zuspitzung der Krankheitsverläufe gut vorbereitet zu sein und weitreichende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.

Wie war Deutschland auf eine Pandemie vorbereitet?

In der Bundesrepublik Deutschland wurde 2005 der nationale Pandemieplan erstellt, durch den die Rahmenbedingungen jeglicher Maßnahmen im Falle einer Pandemie verankert sind. Durch den Pandemieplan konnte eine schnellstmögliche Bestellung eines Impfstoffs gegen die Influenza A/H1N1 erreicht werden, welcher ab Ende Oktober 2009 vorhanden war. Zudem konnte die Verfügbarkeit von antiviralen Arzneimittel für bereits erkrankte Personen sichergestellt werden.

Durch ein Überwachungs-und Bewertungssystem (Surveillance) konnten jegliche Informationen bezüglich des Krankheitsgeschehens rasch weitergeleitet und zielgenaue Maßnahmen entsprechend angepasst werden. Damit waren alle Krisenreaktionsstrukturen stets an die Lage angepasst und aktiv. Krankenhäuser, Gesundheitsämter und Ärzte waren deshalb auf eine Bekämpfung sowie Verschärfung der Schweinegrippe sehr gut vorbereitet.

Beeinträchtigte der Pandemieplan das öffentliche Leben?

Bei einer großen Anzahl von Krankheitsfällen in Schulen und Kindergärten, wurden die betroffenen Einrichtungen für kurze Zeit geschlossen. Zudem mussten schulische Institutionen und Kindergärten vermehrt auf die Einhaltung diverser Hygieneregeln achten. Lehrer sollten beispielsweise im Unterricht dieser Thematik verstärkte Aufmerksamkeit schenken. Mit einem starken Anstieg an Erkrankungen konnten zudem größere Menschenansammlungen durch die Bundesländer untersagt werden, dazu gehörten auch Großveranstaltungen wie Fußballspiele.

Kann das Grippevirus A/H1N1 mutieren und gefährlicher werden?

Grundsätzlich ja. Experten befürchten verstärkt eine Veränderung des Erregers der Schweinegrippe. Sehr kritisch wird hierbei eine Verbreitung in Asien gesehen, denn je größer die Vermehrung des Virus ausfällt, desto größer ist die Möglichkeit, dass sich dieser mit weiteren zirkulierenden Viren mischt und zu einem sehr bedrohlichen Erreger mutiert. Vor allem durch die Kombination des Schweinegrippevirus A/H1N1 mit dem Virus der Vogelgrippe H5N1 könnte ein neuartiger, aggressiver und mitunter tödlicher Virussubtyp entstehen, wogegen der bisher entwickelte Impfstoff unwirksam ist.

(Bitte beachten Sie unsere Hinweise zu medizinischen Inhalten!)

Letzte Aktualisierung: 20.05.2014 - Alexander Bull
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