Rückenschmerzen - Ursachen und Therapie zur Vorbeugung

Rückenschmerzen
Andauernde Rückenschmerzen müssen vom Arzt untersucht werden

Es gibt wohl kaum einen Menschen, der noch niemals Rückenschmerzen hatte. Mindestens einmal im Leben leiden zwei Drittel der Bevölkerung unter solchen Schmerzen. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass der schmerzende Rücken eine der häufigsten Ursachen für eine Krankmeldung am Arbeitplatz ist.

Woher kommen Rückenschmerzen, wo liegen die Ursachen? Eine einzige und allgemeingültige Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Rückenschmerzen können vielfältige Ursachen und sehr unterschiedliche Symptome haben. In den meisten Fällen verschwinden die Rückenschmerzen nach einigen Tagen, spätestens nach zwei Wochen. Allerdings können gerade Rückenschmerzen immer wieder auftauchen. Die Schmerzen sind nicht auf eine Altersgruppe beschränkt. Sie tauchen ebenso bei jungen Menschen auf und können sich mit steigendem Alter steigern. Die Altersgruppe der 30- bis 50-Jährigen hat besonders oft mit Schmerzattacken zu kämpfen. Der Anteil der Frauen, die unter Rückenschmerzen leiden, ist in jeder Altersgruppe deutlich höher als bei den gleichaltrigen Männern. Vor allem bei chronischen Rückenschmerzen sind die Frauen wesentlich häufiger betroffen.

Akut oder chronisch?

Vielfältige Ursachen

Viele Ärzte und Gesundheitsexperten bezeichnen Rückenschmerzen bereits als Volkskrankheit, weil immer mehr Menschen davon geplagt werden. Rücken und Wirbelsäule sind eigentlich für unsere moderne Lebensweise nicht ausgerichtet. Langes Sitzen im Büro, am Schreibtisch, vorm Fernseher oder der Spielkonsole ist der Gesundheit des Rückens nicht zuträglich. Sowohl zu wenig als auch zu viel Belastung kann der Wirbelsäule schaden. Mangelnde Bewegung und Verspannungen durch Stress können ebenfalls negative Auswirkungen auf den Rücken, seinen Knochen- und Muskelapparat haben.

Rückenschmerzen manifestieren sich aufgrund vielfältiger und unterschiedlicher Ursachen: Es kann zum Beispiel organisch bedingte Gründe für die Schmerzen geben. Eine weitere Ursache können falsche Haltungs- und Bewegungsgewohnheiten sein. Aber nicht nur körperliche Gründe führen zu Rückenschmerzen, denn auch psychische und seelische Probleme können sich in Rückenschmerzen äußern oder die Schmerzzustände verstärken. Zunächst werden Schmerzen am Rücken grob nach der Dauer der Beschwerden eingeordnet: Es werden akute oder chronische Schmerzen unterschieden.

  • Akute Rückenschmerzen sind von begrenzter Dauer. Sie halten in den meisten Fällen nicht länger als zwölf Wochen an. Die Stärke des Schmerzes kann dabei unterschiedlich sein.

  • Chronische Rückenschmerzen dauern länger als drei Monate  an. Auch hier kann sich die Intensität der Schmerzen verschieden darstellen.

Krankheiten als Ursache für Rückenschmerzen

Die Krankheiten, die von Rückenschmerzen oder Missempfindungen begleitet sein können, füllen ganze Bücher. Jedes erkrankte Organ kann an der Entstehung der Rückenschmerzen beteiligt sein. Hier sind nur beispielhaft einige Krankheiten aufgeführt, die eine Ursache für Rückenschmerzen sein können:

Mögliche UrsachenErläuterung
Organische Gründe
  • Tumore an den Wirbeln, an Nerven und Rückenmark
  • Veränderungen des Stoffwechsels
  • Vergiftungen und Entzündungen
  • Gefäßerkrankungen und gynäkologische Probleme
  • Krankheiten der Organe in Bauchraum.  
Abnutzung und Degeneration
  • Begleiterscheinungen von Arthrose und Osteoporose
  • Krankheiten wie Versteifung der Wirbelsäule
  • Verdickung der Knochen 
Verletzungen
  • Schleudertrtauma nach Unfällen
  • Bruch oder Verschiebung eines Wirbels
  • Knochenbrüche  
Mechanische Gründe
  • Eingeklemmte Nerven
  • Verletzungen nach Operationen  
Bandscheibenvorfall
  • Teile des Wirbels drücken auf Nerven im Wirbelkanal 
Hexenschuss (Lumbago)
  • Kann durch verhärtete Muskeln, eingeklemmte Nerven oder allgemeinen Verschleiß ausgelöst werden.  

Gründe für die Symptome von Rückenproblemen  

Abgesehen von speziellen Krankheiten oder Verletzungen leiden die meisten Menschen unter eher unspezifischen Symptomen. Oft sind es Fehlhaltungen oder falsche Belastungen, die die typischen Symptome am Rücken verursachen. Die Ursachen können hier einseitige Körperhaltungen sein, die zu Muskelverspannungen und in der Folge zu Rückenschmerzen führen können. Auch falsches Heben und das Tragen von schweren Lasten kann Schmerzen zur Folge haben. Stühle, Betten und Matratzen sind oft ebenfalls als Schuldige auszumachen. Der falsche Stuhl, bereits in Kindheit und Jugend genutzt, kann zu vielen Symptomen wie chronischer Schmerzentwicklung führen.

Psychosomatische Ursachen für Rückenschmerzen

Geht man dem Begriff "psychosomatisch" nach, so setzt er sich aus den altgriechischen Begriffen "psyche" für Seele und "soma" für Körper zusammen. Mit diesem Begriff werden körperliche Beschwerden oder Erscheinungen bezeichnet, die ihren Ursprung in der seelischen Befindlichkeit eines Betroffenen haben. Seelische Probleme manifestieren sich im körperlichen Bereich. Wer nicht in der Lage ist, über Probleme zu sprechen oder Gefühle wie Trauer, Angst oder Wut offen zu äußern und zu leben, ist öfter von Rückenschmerzen betroffen. Menschen mit Depressionen sind häufiger in Gefahr, Rückenschmerzen zu bekommen. Auch Belastungen wie Stress oder ungünstige Arbeitsbedingungen können das Risiko steigern. 

Die Feststellung, ob Rückenschmerzen körperlicher oder psychischer Natur sind, ist selbst für Mediziner oft nicht leicht. Doch einige allgemeine Hinweise könnten zumindest die Richtung angeben.

Hinweise auf bestimmte Ursachen

körperliche Ursachen:

  • Rückenschmerzen tauchen nur in bestimmten Positionen oder Haltungen auf, beim Sitzen oder beim Liegen. Oft bessern sich die Schmerzen bei Bewegung. Die Stärke der Schmerzen wechselt durch andere Körperhaltungen oder durch Belastungen.
  • Der Betroffene kann den Sitz des Schmerzes genau angeben.
  • Eine Besserung durch Medikamente ist möglich.
  • Ablenkung hat kaum Auswirkung auf das Schmerzgeschehen.

psychische Ursachen:

  • Die Rückenschmerzen ändern sich auch in verschiedenen Positionen nicht, ganz gleich ob man liegt oder sitzt.
  • Der Schmerz kann nicht genau lokalisiert werden.
  • In vielen Fällen bessern sich die Beschwerden kaum durch Medikamente oder andere Therapieformen.
  • Bei Ablenkung können die Schmerzen verschwinden.

Möglichkeiten zur Therapie von Rückenschmerzen

TherapieBeschreibung
WärmeanwendungenKönnen vor allem bei leichten und chronischen Rückenschmerzen hilfreich sein. Bäder mit Kräuterzusätzen, Saunagängen, warme Güsse und Umschläge können die Beschwerden lindern und oft die Einnahme von Schmerzmitteln reduzieren. Auch Quark- oder Kartoffelkompressen, Wärmepackungen mit Heilerde oder Moorpackungen gelten als wirksame Mittel zur Selbsthilfe. Wärmeumschläge und Wärmepflaster sind in der Apotheke erhältlich.
KälteanwendungenHelfen eher bei akuten Rückenschmerzen. Eiswürfelmassagen, kalte Umschläge oder Güsse werden oft durchgeführt, wenn Wärme nicht hilft oder die Schmerzen durch eine Entzündung hervorgerufen werden. Besonders bei den Kälteanwendungen sollte das Vorgehen vorher mit einem Arzt abgesprochen werden.
HeilpflanzenKönnen gegen Rückenscherzen wirken. Präparate zum Einnehmen aus Weidenrinde oder Teufelskralle wirken schmerzstillend und entzündungshemmend. Äußerlich wirken Cremes, Salben oder Öle aus Kampfer, Arnika, Eukalyptus oder Fichtennadeln schmerzlindernd und verbessern die Durchblutung.
MedikamenteKommen dann zur Anwendung, wenn eine Operation nicht zwingend notwendig ist. Die sogenannte konservative Therapie versucht, mit Schmerzmitteln und dem Ruhigstellen die betroffenen Körperpartien schmerzfrei zu machen. In den meisten Fällen werden kortisonfreie Rheumamittel eingesetzt, die die Schmerzen lindern und Entzündungen hemmen.
AkupunkturIst eine äußerst wichtige und hilfreiche Maßnahme bei Rückenschmerzen und führt oft zu großem Erfolg. Gerade bei Rückenschmerzen wird auch die sogenannte Moxibution angewandt, bei der über oder auf der Haut wirksame Kräuter verbrannt werden. So werden die Akupunkturpunkte durch die Wärmeentwicklung stimuliert.
PhysiotherapieStärkt die Rückenmuskulatur und kann damit die Wirbelsäule entlasten.
RückenschuleKann nicht nur den Rückenschmerzen vorbeugen, sondern auch zur Linderung und Heilung der Schmerzzustände des Rückens beitragen. In jedem Fall sollten die Übungen von einem Fachmann begleitet werden.
OperationenTreten heute in den Hintergrund. Nur bei wenigen Krankheitsbildern ist heute noch eine große offene Operation nötig. Oft können auch kleinere Eingriffe minimalinvasiv durchgeführt werden.

Die Regeln der Rückenschule

Die Rückenschule ist ein Gruppenkurs, der entweder im Rahmen einer Therapie oder als vorbeugende Maßnahme durchgeführt werden kann. Die Rückenschule will ihre Teilnehmer ermutigen, sich bewusst mit ihrem Körper auseinanderzusetzen, ihnen die Zusammenhänge zwischen Seele, Geist und Körper klar zu machen und die körperliche Fitness zu steigern.

Ein erster wichtiger Punkt zur Steigerung der körperlichen Fitness ist regelmäßige Bewegung, denn der Wechsel zwischen Bewegung und Ruhe ist wichtig für die Durchblutung und damit auch für die optimale Versorgung des Gewebes. Auch Kraftsport zur Kräftigung von Muskeln, Sehnen und Bändern bedeutet eine enorme Entlastung für den Rücken und mehr Halt für die Wirbelsäule. 

Ein weiteres, entscheidendes Merkmal für einen gesunden Rücken ist das richtige Heben und Tragen von Lasten. Dementsprechend sollten die Betroffenen beim Heben in die Hocke gehen und den Rücken stets gerade halten, da die Bandscheiben sonst zu stark belastet würden. Schwere Traglast sollte zudem auf beiden Seiten des Körpers verteilt werden, um den Rücken nicht einseitig und unnötig zu beanspruchen.

Im Alltag sollten vor allem Arbeitnehmer mit sitzenden Tätigkeiten auf eine aufrechte Sitzhaltung achten. Dazu die Füße flach auf dem Boden, Ober- und Unterschenkel im rechten Winkel, ebenso die Ober- und Unterarme. Außerdem hilft es, sich im Bürostuhl anzulehnen und die Sitzposition öfter zu ändern. Wer viel stehen muss, sollte auf eine entspannte Haltung achten, die unter anderem durch flache Schuhe begünstigt wird.

(Bitte beachten Sie unsere Hinweise zu medizinischen Inhalten!)

Letzte Aktualisierung: 30.09.2014 - Jutta Wellding-Trostel